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Personen

Goldschmidt, Meyer

Lebensdaten:
14.05.1818 in Danzig - 1884 in Berlin


Bank:
Disconto-Gesellschaft


Funktion:
Geschäftsinhaber 1864-1868




Zu den engsten Mitarbeitern der von David und Adolph Hansemann in der Frühzeit der Disconto-Gesellschaft gehörte Meyer Goldschmidt, der 1857 Prokura erhielt und nach dem Tod David Hansemanns 1864 zum Geschäftsinhaber ernannt wurde. Als Leiter des Direktionsbüros war er zuständig für das laufende Geschäft, das den Börsen- und Rechnungsverkehr, den Effektenhandel sowie das Wechsel- und Depositengeschäft umfasste. Dem letztgenannten Geschäftszweig galt Goldschmidts besonderes Engagement. Aus gesundheitlichen Gründen schied er 1869 als Geschäftsinhaber aus, blieb der Disconto-Gesellschaft aber noch bis zu seinem Tod als Mitglied des Verwaltungsrats verbunden.



Gröning, Fritz

Lebensdaten:
28.03.1902 in Berlin - 16.09.1978 in Düsseldorf


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied 1953-1968




Gröning, der ursprünglich Ingenieur werden wollte und nach der Schulzeit zunächst zwei Jahre als Volontär in mehreren Maschinenbaubetrieben arbeitete, begann 1922 eine Lehre in der Berliner Zentrale der Deutschen Bank. 1929 ging er für ein Jahr nach London, um als Korrespondent beim Bankhaus Jacob Wassermann das englische Bankgeschäft kennenzulernen. 1934 erhielt er Prokura, ab 1938 bearbeitete er als Dezernent im Sekretariat die großen Konsortialgeschäfte der Deutschen Bank sowie das Kreditgeschäft der Berliner Stadtzentrale. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete Gröning noch bis 1946 in der Berliner Zentrale, bevor er zu dem bei Kriegsende nach Hamburg ausgewichenen "Führungsstab" der Deutschen Bank stieß. 1952 wurde er Direktor der Rheinisch-Westfälischen Bank in Düsseldorf. Von 1953 bis 1956 gehörte er dem Vorstand dieses Nachfolgeinstituts der Deutschen Bank an. Nach der Wiederrichtung der Deutschen Bank war er dort Vorstandsmitglied bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand. Auch als Vorstand widmete sich Gröning ganz besonders der Förderung und Pflege des Emissionsgeschäfts. Außerdem betreute er im Bereich Düsseldorf die Filialbezirke Bielefeld, Essen und Siegen. Das vor dem Zweiten Weltkrieg nur bescheiden entwickelte Geschäft der Absatzfinanzierung wurde von Gröning mit Nachdruck ausgebaut.
Sein Fachwissen stellte er u.a. als Mitglied des Kapitalmarktausschusses des Bundesverbands des privaten Bankgewerbes zur Verfügung. Gröning war Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Centralbodenkredit AG, der Deutschen Continental-Gas-Gesellschaft, der Knorr-Bremse AG sowie Vorsitzender des Beirats der Gesellschaft für Absatzfinanzierung.



Guth, Wilfried

Lebensdaten:
08.07.1919 in Erlangen - 15.05.2009 in Königstein


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1968-1985 (Sprecher 1976-1985), Vorsitzender des Aufsichtsrats 1985-1990




Nach Wehrdienst und Kriegsgefangenschaft (bis 1949) studierte Wilfried Guth an den Universitäten Bonn, Genf, Heidelberg sowie an der London School of Economics Nationalökonomie. 1953 trat er in die Dienste der Bank deutscher Länder (seit 1957 Deutsche Bundesbank) ein. Fünf Jahre später wurde er zum Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Bundesbank ernannt. 1959 ging er als deutscher Exekutivdirektor zum Internationalen Währungsfonds in Washington. Danach war er von 1962 bis 1967 Vorstandsmitglied der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Anfang 1968 wurde Guth in den Vorstand der Deutschen Bank berufen. Von 1976 bis Mai 1985 war er - zusammen mit F. Wilhelm Christians - Sprecher dieses Gremiums. Das internationale Emissionsgeschäft zählte hier, in einer von zunehmender Internationalisierung geprägten Phase der Deutschen Bank, zu Guths wichtigen Aufgabengebieten. Nach dem Ausscheiden aus dem Vorstand gehörte Guth dem Aufsichtsrat der Bank bis 1995 an, von 1985 bis 1990 war er dessen Vorsitzender.

Während seiner Vorstandstätigkeit nahm er Aufsichtsratsmandate, vielfach als Vorsitzender oder als stellvertretender Vorsitzender, in wichtigen deutschen Unternehmen wahr, u.a. bei der Daimler-Benz AG, Siemens AG, Allianz AG und Philipp Holzmann AG. Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand der Deutschen Bank wurde Guth Mitglied im Gesellschafterausschuss der Henkel KGaA und Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG.

Als Währungsexperte wirkte Guth in zahlreichen Gremien mit, die sich mit Fragen der internationalen Währungspolitik und den zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen befaßten. So war er Mitglied des Board of Trustees des Institute for Advanced Study in Princeton, der Group of Thirty und des Comité pour l'Union Monétaire de l'Europe. In den sechziger Jahren hatte er als Mitglied der Pearson Commission im Auftrag der Weltbank an der Formulierung einer entwicklungspolitischen Grundkonzeption mitgewirkt und war im Jahr 1995 europäischer Co-Chairman der Bretton Woods Kommission. Auch in die Diskussion über Lösungsmodelle für die internationale Verschuldungsproblematik schaltete sich Guth mit vielen Beiträgen ein.

Die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen war für Guth ein zentrales Thema und marktwirtschaftliche Überzeugung tief in seinem Selbstverständnis verwurzelt. So begleitete er in leitender Funktion die Gesellschaft zur Förderung des Unternehmernachwuchses, die die "Baden-Badener Unternehmergespräche" durchführt. Soziale Marktwirtschaft musste nach seiner Auffassung mehr sein als ein Regelkatalog für das Funktionieren der Wirtschaft: „Was sie allen sozialistischen und planwirtschaftlichen Ansätzen überlegen macht, war und ist das dahinterstehende geistige und sittliche Prinzip.“

Auch in Kultur und Wissenschaft engagierte sich Guth in zahlreichen Gremien, u.a. in der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, den Freunden der Alten Oper Frankfurt, als Ehrenmitglied und Förderer der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte und der European Association for Banking and Financial History.

In Wilfried Guths nächster Verwandtschaft finden sich führende Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Sein Vater Karl Guth fungierte von 1934 bis 1945 als Geschäftsführer der Reichsgruppe Industrie, sein Onkel (von dem er viele Anregungen erhielt) war Bundeswirtschaftsminister und Bundeskanzler Ludwig Erhard.

 



Gwinner, Arthur von

Lebensdaten:
06.04.1856 in Frankfurt am Main - 29.12.1931 in Berlin


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1894-1919 (Sprecher 1910-1919)




Arthur von Gwinner stammte aus einer bekannten Frankfurter Juristenfamilie; sein Vater war der Testamentsvollstrecker Arthur Schopenhauers, sein Großvater bekleidete in Frankfurt das Amt des Älteren Bürgermeisters.

Nach einer Banklehre bei der Mitteldeutschen Creditbank in Frankfurt am Main arbeitete er für ein Jahrzehnt im Ausland (England und Spanien) und erwarb sich dort umfangreiche Kenntnisse des internationalen Bankgeschäfts. 1888 erwarb er das Berliner Bankhaus Riess & Itzinger, das er unter eigenem Namen weiterführte, 1894 aber liquidierte, als er in den Vorstand der Deutschen Bank berufen wurde.

Gwinner war dort vor allem im internationalen Bereich tätig und arbeitete eng mit Georg von Siemens zusammen. Wie klein die Bank rund ein Vierteljahrhundert nach ihrer Gründung noch war, geht auch daraus hervor, daß beide Herren zunächst an einem Doppelpult saßen, denn nicht jedes Vorstandsmitglied hatte damals ein eigenes Zimmer. Siemens schied Ende des Jahres 1900 aus dem Vorstand aus, und Gwinner übernahm seine Aufgabenbereiche, vor allem die großen internationalen Geschäfte, wie die Bagdadbahn oder die Eisenbahnfinanzierungen in Nordamerika.

Mit dem Kauf und der Sanierung der rumänischen Erdölgesellschaft "Steaua Romana" begann zudem im Jahre 1903 der Aufbau des "Ölkonzerns" der Deutschen Bank, ein Bereich, für den Gwinner ebenfalls verantwortlich zeichnete. Sein Name ist ferner eng verbunden mit der Entwicklung des Auslandsgeschäfts der elektrotechnischen Industrie, vor allem mit den ausländischen Engagements der Firmen AEG und Siemens sowie deren Holding-Gesellschaften.

Sowohl die Bagdadbahn als auch die Erdölgeschäfte der Deutschen Bank waren wirtschaftliche und zugleich politische Unternehmungen, die viel diplomatisches Geschick erforderten. Gwinner erwarb sich hier den Ruf als "Diplomat der Bank", eine Aufgabe, für die er durch seine kosmopolitischen Eigenschaften und seine hervorragenden Sprachkenntnisse besonders befähigt war. Zwar hatte seit 1901 zunächst Rudolph von Koch - bedingt durch das Anciennitätsprinzip - die Sprecherfunktion inne, doch Gwinner galt, sowohl innerhalb des Hauses als auch in der Öffentlichkeit, als der Nachfolger von Siemens in der Leitung der Bank, als Vollstrecker der großen Auslandsprojekte. Die ersten fünfzig Jahre der Deutschen Bank wurden von Siemens und Gwinner wesentlich geprägt, beide waren die Garanten für die Kontinuität der Entwicklung des Unternehmens.

Im Januar 1910 berief der Kaiser Arthur von Gwinner für seine Verdienste im Osmanischen Reich in das preußische Herrenhaus, das "Oberhaus" des Parlaments. Hier hielt Gwinner 1910 eine aufsehenerregende Rede, in der er Kritik an der Budgetierung sowie der den Staatskredit schädigenden Defizitwirtschaft des preußischen Finanzministeriums übte. Sein berühmter Ausspruch während dieser Debatte: "es gehört Talent zu allem, aber zum Borgen gehört Genie!" wurde später in Berlin noch häufig kolportiert.

Zu dem auch von Gwinner gepflegten "Stil" der Deutschen Bank gehörte es im übrigen, daß der jeweilige Sprecher des Vorstands keinen herausgehobenen Titel führte. Gwinner schrieb deshalb am 3. Mai 1912 - "vertraulich und nicht zur Veröffentlichung bestimmt" - an das "Berliner Tageblatt": "Unter Bezug auf Ihren vorgestrigen Bericht über die Bergmann-Generalversammlung bitte ich freundlichst, mich nicht als Generaldirektor zu bezeichnen. Die Deutsche Bank hat nie einen solchen gehabt und wird auch, so lange ich Mitglied des Vorstandes bin, keinen erhalten. Unsere Verfassung ist eine demokratische."

Gwinner schied 1919 aus dem Vorstand aus und trat in den Aufsichtsrat der Bank ein, dessen stellvertretender Vorsitzender er von 1923 bis zu seinem Tode im Jahre 1931 war. Für die Bankmitarbeiter stiftete er im Jahre 1917 einen Betrag von 300.000 Mark, mit dem ein Erholungsheim auf dem Krähenberg bei Caputh, in der Nähe von Potsdam, errichtet wurde. Über das Bankfach hinaus galten Gwinners vielfältige Interessen vor allem der Mineralogie und Botanik.

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Letzte Änderung: 31.10.2013
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