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Personen

Halt, Karl Ritter von

Lebensdaten:
02.06.1891 in München - 05.08.1964 in München


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1938-1945




Der Sohn eines Kunstschlossers begann seine berufliche Tätigkeit 1908 als Lehrling bei der Deutschen Bank Filiale München und besuchte nebenher die Luitpold-Oberrealschule, wo er 1911 das Abitur ablegt. Als Kriegsfreiwilliger wurde er 1917 mit dem Max-Joseph-Ritterorden ausgezeichnet, der ihn auch zur Führung des Adelsprädikats berechtigte.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg hatte von Halts sportliche Karriere begonnen. Zwischen 1911 und 1921 war er fünfmal deutscher Meister im Zehnkampf und belegte in dieser Disziplin Platz acht bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm. Als Sportlehrer an der Münchener Militärsportschule materiell abgesichert, promovierte er 1922 an der Staatswirtschaftlichen Fakultät der Universität München über "Die Pflege der Leibesübungen an Hochschulen. Ein Beitrag zur regenerativen Bevölkerungspolitik".

In seinen erlernten zivilen Beruf zurückgekehrt, war er von 1923 bis 1935 Personalchef beim Bankhaus H. Aufhäuser in München, das wegen seiner jüdischen Inhaber nach 1933 bald unter die Restriktionen der Nationalsozialisten geriet. Nebenher verfolgte er aber weiterhin seine Karriere als Sportfunktionär, die 1929 mit der Aufnahme ins IOC ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Bei den Olympische Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen fungierte Halt als Präsident des Organisationskomitees und noch 1944 wurde er (seit 1933 Mitglied der NSDAP) zum kommissarischen Reichssportführer ernannt.

Als die Deutsche Bank von Halt 1935 einen Direktorenposten in der Berliner Zentrale anbot, geschah dies - obgleich er über langjährige Erfahrung im Bankfach verfügte und seine Berufslaufbahn sogar bei der Deutschen Bank begonnen hatte - vor allem aus taktischem Kalkül. Er galt zwar als prominenter, aber nicht ideologisch verbissener Nationalsozialist, von dem man sich eine Zähmung der die "Revolution von unten" proklamierenden Parteimitglieder innerhalb der eigenen Belegschaft erhoffte. Im Vorstand der Deutschen Bank, dem er seit 1938 angehörte, fiel ihm das Personalressort zu. Sein Einfluss auf das eigentliche Bankgeschäft blieb aber unbedeutend, so nahm er etwa nur ein einziges Aufsichtsratsmandat wahr.

Kurz nach Kriegsende wurde von Halt, der als Kommandeur des Volkssturm-Bataillons "Reichssportfeld" noch am Kampf um Berlin teilgenommen hatte, von den Sowjets verhaftet und danach bis Anfang 1950 im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald interniert (die Entlassung erfolgte trotz Intervention des IOC erst bei Auflösung des Speziallagers). Im Gegensatz zu seinem Comeback als Spitzenfunktionär des deutschen Sports (NOK-Präsident von 1951 bis 1961) nahm von Halt in den Nachfolgeinstituten der bis 1957 zerschlagenen Deutschen Bank keine leitende Funktion mehr ein. Lediglich dem Aufsichtsrat der Süddeutschen Bank gehörte er noch von 1952 bis 1957 an.


 



Hansemann, Adolph von

Lebensdaten:
27.07.1826 in Aachen - 09.12.1903 in Berlin


Bank:
Disconto-Gesellschaft


Funktion:
Geschäftsinhaber 1857-1903




Adolph von Hansemann nahm am Ende des 19. Jahrhunderts für die Disconto-Gesellschaft eine ähnlich zentrale Stellung ein wie Georg von Siemens für die Deutsche Bank.

Wie sein Vater David zeigte auch Adolph Hansemann schon früh eine ausgesprochene Neigung für den Kaufmannsberuf. Nach dem Schulbesuch in Aachen schloss sich ab 1841 eine kaufmännische Lehrzeit in Hamburg, Berlin und Leipzig an. Als Siebzehnjähriger wurde er Teilhaber in der Tuchfabrik seines Vetters in Eupen. 1857 wurde er von seinem Vater als Geschäftsinhaber in die Disconto-Gesellschaft berufen. Während sich der Vater die Vertretung der Bank nach außen vorbehielt, fiel dem Juniorpartner zunächst die Organisation und Betreuung der laufenden Geschäfte zu.

Nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1864 trat Adolph Hansemann die Nachfolge an. Er konnte jetzt seine eigenen, den gewandelten wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen angepassten Ideen und Pläne durchführen. Hansemann wurde einer der angesehensten und tatkräftigsten Bankiers der Bismarckzeit. Er machte die Disconto-Gesellschaft zur führenden Berliner Großbank. Unter seiner Geschäftsleitung stieg das Aktienkapital der Bank, die seit 1895 eng mit der Norddeutschen Bank in Hamburg verbunden war, von 30 auf 150 Millionen Mark, der Umsatz erweiterte sich von 840 Millionen 1857 auf 24,7 Milliarden Mark 1900. Die bereits von David Hansemann betriebene Konsortialbildung von Banken zwecks Unterbringung großer staatlicher oder privater Emissionen wurde unter Adolph fortentwickelt.

Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 fungierte Hansemann als Finanzberater der preußischen Regierung. Seiner Mission in London war es zu verdanken, dass erstmals ein deutsches Staatspapier, nämlich preußische Schatzanweisungen, die der Kriegsfinanzierung dienten, an einer ausländischen Börse untergebracht werden konnte. Hansemanns Erhebung in den erblichen preußischen Adelsstand im Jahre 1872 war wohl auch eine Honorierung seiner Verdienste um die deutschen Kriegsfinanzen.

Nach der Reichsgründung von 1871 erschlossen sich für Adolph Hansemann neue Betätigungsgebiete. So baute er die Beziehungen zur westdeutschen Montanindustrie systematisch aus. Bei der Gelsenkirchener Bergwerks-AG war er seit ihrer Gründung 1873 Aufsichtsratsvorsitzender. Die von ihm 1896 sanierte und in eine Gewerkschaft umgewandelte Mengeder Bergwerks AG erhielt seinen Namen.

Sein besonderes Augenmerk richtete er auch auf den weiteren Ausbau des Eisenbahnnetzes, für das sich schon sein Vater besonders engagiert hatte, jedoch beschränkte er sich jetzt nicht allein auf die Finanzierung inländischer Eisenbahnanlagen, sondern beteiligte sich auch an zahlreichen ausländischen Bahnunternehmen. So war er u. a. im Verwaltungsrat der Gotthardbahn-Gesellschaft und der Warschau-Wiener-Eisenbahn-Gesellschaft. Um 1890 finanzierte er zusammen mit der Norddeutschen Bank in Hamburg den Bau der Großen Venezuela-Eisenbahn. Bei Gründung der Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft im Jahre 1899 übernahm er den Vorsitz im Aufsichtsrat, den er bis zu seinem Tode behielt. Schon in den 1870er Jahren gelang Hansemann die Sanierung der vor dem Zusammenbruch stehenden Rumänischen Eisenbahnen des "Eisenbahnkönigs" Bethel Henry Strousberg, gemeinsam mit dem Bankhaus Bleichröder.

In diese Zeit fällt auch der Beginn der Freundschaft zwischen Hansemann und den letzten Inhabern des Bankhauses Mayer Carl und Wilhelm Carl v. Rothschild. Die Frankfurter Rothschild der Carl-Linie starben 1901 aus und die Frankfurter Firma liquidierte. An ihre Stelle trat die Frankfurter Filiale der Disconto-Gesellschaft.

Die kolonialen Bestrebungen Deutschlands unterstützte Hansemann durch die Gründung der Deutschen See-Handelsgesellschaft, die den Erwerb von vier Samoa-Inseln durch das Deutsche Reich vorbereitete. 1885 hatte er die Neu-Guinea-Compagnie ins Leben gerufen. An der Erschließung fremder Bodenschätze war die Bank unter seiner Führung in China durch die Schantung-Bergwerksgesellschaft und in Südwestafrika durch die Otavi-Minen-Gesellschaft beteiligt.

Um die Jahrhundertwende vollzog er auch die Einschaltung seines Instituts in das Balkangeschäft, wo vor allem die Sanierung der rumänischen Eisenbahnen und ihr weiterer Ausbau übernommen wurde. Zusammen mit der Deutschen Erdöl AG stellte er das für die Erschließung der rumänischen Petroleumvorkommen notwendige Kapital zur Verfügung.

Auch auf dem Gebiet des Hypothekenbankwesens entfaltete Hansemann besondere Initiative. Nach überaus schwierigen Verhandlungen, an denen auch Bismarck ein lebhaftes Interesse bekundete, kam es 1870 zur Gründung der Preußischen Central-Bodenkredit-Aktiengesellschaft, in der die 1864 entstandene Preußische Hypotheken-Aktiengesellsebaft aufging. Daneben wirkte er an zahlreichen Bankgründungen in anderen europäischen Ländern sowie in Übersee mit.

Hansemann gehörte zu den reichsten Männer des Kaiserreichs; er war der Inbegriff des feudalistischen Bürgers. Er erwarb Güter im deutschen Osten und baute das Schloß Dwasieden auf der Insel Rügen. Insgesamt besaß er 7000 Hektar Ländereien. In seiner prunkvollen Villa in der Berliner Tiergartenstraße verkehrten führende Bankiers und Industrielle, Staatsmänner und Diplomaten aus aller Welt. Der politische Liberalismus, der in seinem Vater David Hansemann einen herausragenden Protagonisten hatte, war nicht die Sache Adolph von Hansemanns. Wie viele Industrielle und Bankiers des Kaiserreichs war er ein begeisterter Anhänger Bismarcks. Politisch sympathisierte er mit den Freikonservativen, den Anhängern Bismarcks, die sich auf Reichsebene "Deutsche Reichspartei" nannten.

weitere Informationen



Hansemann, David

Lebensdaten:
12.07.1790 Finkenwerder - 04.08.1864 in Schlangenbad


Bank:
Disconto-Gesellschaft


Funktion:
Geschäftsinhaber 1851-1864




Der Gründer der Disconto-Gesellschaft gehört zu den facettenreichsten Persönlichkeiten der deutschen Wirtschafts- und Finanzgeschichte im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts. Erst in fortgeschrittenem Alter begann David Hansemann, sich aktiv dem Bankgeschäft zuzuwenden. Bis dahin war er vor allem Kaufmann und Politiker gewesen.

Er wurde als jüngster Sohn einer kinderreichen Pfarrersfamilie geboren. Bereits mit 14 Jahren verließ er das Elternhaus und wurde kaufmännischer Lehrling. Als Handlungsgehilfe und Reisender für die Tuch- und Wollfabrik J. H. EIbers in Monschau und anschließend in seiner Tätigkeit für die Firma H. Eller und Orth in Elberfeld sammelte er die Kenntnisse, die es ihm ermöglichten, sich im Jahre 1817 selbständig zu machen. In Aachen gründete er mit seinen Ersparnissen in Höhe von 1000 Thalern ein Kommissionsgeschäft in Wolle. 1821 vermählte er sich mit der aus einer französischen Hugenottenfamilie stammenden Fabrikantentochter Fanny Fremery. Seine finanzielle Unabhängigkeit erlaubte es ihm, sich mehr und mehr öffentlichen Angelegenheiten zu widmen. Nach seiner Wahl in den Gemeinderat der Stadt Aachen sowie in die Aachener Industrie- und Handelskammer begann er, sich zunehmend mit sozialen Problemen zu beschäftigen. Dank seiner Initiative entstand 1824/25 die Aachener Feuerversicherungs-Gesellschaft, ein gemeinnütziges Unternehmen, das nicht nur dem Versicherungsbedürfnis breitester Kreise entgegenkam, sondern auch einen großen Teil seiner Gewinne der Arbeiter- und Jugendfürsorge zuführte.

Im Rahmen seines sozialen Wirkens gründete Hansemann 1834 den Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit, dem später Prämien- und Sparkassen, Abend- und Sonntagsschulen sowie Kinderhorte angegliedert wurden und dem stets seine besondere Anteilnahme galt. Sein rastloser Geist wandte sich bald neuen großen Aufgaben zu. Neben Friedrich Harkort und Friedrich List war er entscheidend an der Entwicklung des Eisenbahnwesens in Deutschland beteiligt. Von 1835 bis 1843 stand er als Präsident an der Spitze der von ihm mitbegründeten Rheinischen Eisenbahngesellschaft. Er bemühte sich vor allem auch um den Bau der Bahn zwischen Köln und Minden, die 1847 bis Hannover verlängert und dort an die bereits fertiggestellte Strecke Hannover-Berlin angeschlossen wurde. So war die erste Eisenbahnlinie zwischen den westlichen Provinzen des Landes Preußen und der Hauptstadt Berlin zu einem großen Teil der Initiative David Hansemanns zu verdanken. Die Kapitalbeschaffung für diese Projekte brachte ihn erstmals in engere geschäftliche Verbindung mit bekannten Kölner Bankiers.

Als Vertreter des liberalen rheinischen Bürgertums, zu dessen führenden Persönlichkeiten David Hansemann gehörte, trat er immer häufiger auch publizistisch hervor. 1845 war er Mitglied des Rheinischen Provinziallandtags, wo er u.a. für die volle Gleichberechtigung der Juden sowie die Beseitigung der Adelsprivilegien eintrat. 1847 wurde er als Abgeordneter in den Vereinigten Landtag in Berlin delegiert. Den Höhepunkt seiner politischen Laufbahn bedeutete im Frühjahr 1848 die Berufung zum Preußischen Finanzminister im Kabinett Camphausen. Dieses Amt behielt er auch unter dem Ministerpräsidenten Auerswald bei, musste jedoch nach erneuter Kabinettsumbildung - als er mit seinen Reformplänen der Justiz-, Agrar- und Gemeindeverfassung zunehmend ins Kreuzfeuer der feudalen Reaktion geraten war - im September 1848 zurücktreten. Kurze Zeit später wurde er aufgrund seiner großen Erfahrungen auf finanzpolitischem Gebiet zum Chef der Preußischen Bank ernannt. 1852 lehnte er ein weiteres Mandat für das preußische Herrenhaus ab und zog sich wie viele Altliberale jener Zeit aus dem politischen Leben zurück. "Er war ein Bourgois entschieden westlicher Prägung, nach Ethos, Leistung und Denkgewohnheiten der Exponent einer bürgerlichen Führungsgruppe, in der die preußische Junkerpartei mit gutem Gespür ihren gefährlichsten Gegner sah." (Erich Angermann)

Inzwischen hatte Hansemann aber begonnen, sich ganz einer neuen Aufgabe zu widmen: der Gründung der Direction der Disconto-Gesellschaft in Berlin, die am 15. Oktober 1851 ihre Geschäftstätigkeit aufnahm. David Hansemann hatte erkannt, dass die herkömmlichen Finanzierungsformen nicht ausreichten, um den wachsenden Kapitalbedarf der Industrie und des Verkehrswesens zu befriedigen.

1856 wurde die Disconto-Gesellschaft von einer Kreditgenossenschaft in die leistungsfähigere Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien umgewandelt. Damit war die Voraussetzung für ihre weitere Entwicklung zu einem der bedeutendsten Kreditinstitute Deutschlands geschaffen, das einen neuen Banktyp verkörperte und bald auch außerhalb Preußens die Konkurrenz mit der internationalen Haute Finance aufnehmen konnte. Viele der von Hansemann entwickelten bankpolitischen Methoden und Grundsätze wurden richtungweisend für das gesamte deutsche Bankwesen.

Mit der Führungsrolle der Disconto-Gesellschaft beim sogenannten Preußenkonsortium (das der Finanzierung der preußischen Mobilmachung diente) konnte Hansemann sein Institut ab 1859 im Emissionsgeschäft positionieren. Besondere Sorgfalt widmete er auch dem Depositengeschäft. Neben dem von Anfang an gepflegten Handels- und Diskontkredit nahm die Bank nach der Umwandlung von 1856 auch den Effektenhandel in eigener Rechnung auf.

David Hansemann blieb zu seinem Tod, seit 1857 gemeinsam mit seinem Sohn Adolph, Geschäftsinhaber der Disconto-Gesellschaft. Erst um die Jahrhundertwende musste die Disconto-Gesellschaft ihre Führungsrolle im deutschen Bankwesen auf vielen Gebieten an die Deutsche Bank abtreten, mit der sie schließlich 1929 fusionierte.

 

Zitat

"Bei Geldfragen hört die Gemütlichkeit auf, da muss bloß der Verstand uns leiten."
(aus einer Rede David Hansemanns als Abgeordneter der Preußischen Rheinprovinz am 8. Juni 1847 im Vereinigten Landtag, Berlin)

 



Hauenschild, Manfred O. von

Lebensdaten:
29.07.1906 in Leobschütz - 10.08.1980


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1959-1972




Vor seinem Jurastudium absolvierte von Hauenschild eine Lehre bei einer Bremer Baumwollimportfirma. Nach dem Assessorexamen begann er seine berufliche Laufbahn 1934 als Syndikus bei der Deutsche Centralbodenkredit AG in Berlin. Von 1940 bis 1945 gehörte er dem Vorstand der Mecklenburgischen Hypotheken- und Wechselbank in Schwerin an.

Nach Kriegsende trat er 1946 in die Deutsche Bank ein und wirkte in der Zeit der Teilbanken an der Wiedererrichtung des Hauses mit; seit 1952 als Direktor mit Generalvollmacht bei der Norddeutschen Bank. 1959 wurde er in den Vorstand der Deutschen Bank berufen, dem er bis zu seiner Pensionierung angehörte. Er widmete sich vor allem organisatorischen und juristischen Aufgaben, die sich aus der Hinwendung der Deutschen Bank zum Mengengeschäft ab 1959 ergaben, namentlich dem Spar- und Kleinkreditgeschäft sowie der Automation in der Frühphase des Computereinsatzes in der Deutschen Bank. Die Veränderungen, die den breiten Einstieg ins Privatkundengeschäft für die Geschäftsabläufe innerhalb der Bank mit sich brachten, fasste von Hauenschild in neun "Grundsätzen des debitorischen und kreditorischen Mengengeschäfts" zusammen.

Als Regionalressort war er für den bayrischen Filialbezirk zuständig. Zu seinen wichtigen Aufsichtsratsmandaten gehörten der Vorsitz bei den Bayerischen Elektrizitäts-Werken, der Bremer Woll-Kämmerei und der Deutschen Linoleum-Werke AG.

Im Bundesverband deutscher Banken fungierte er als Leiter der Wettbewerbskommission. Außerdem war von Hauenschild viele Jahre Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags.

 



Hecker, Emil

Lebensdaten:
1837 - 31.05.1915 in Berlin


Bank:
Disconto-Gesellschaft


Funktion:
Geschäftsinhaber 1869-1883




Mit 21 Jahren trat Emil Hecker in die Disconto-Gesellschaft ein. Nachdem er Prokura erhalten hatte, war er für das Börsengeschäft der Bank zuständig. Infolge des Rückzugs Meyer Goldschmidts aus der Geschäftsleitung wurde Hecker, zusammen mit Johannes von Miquel und Adolph Salomonsohn, als Geschäftsinhaber berufen. Auch in dieser Eigenschaft gehörte der Börsenbesuch weiter zu seinem Aufgabenbereich, bis er - mit der Erweiterung des laufenden Geschäfts - die Leitung des Direktionsbüros übernahm. Für den Börsenbesuch wurden nun Börsendirektoren aus dem Kreis der Prokuristen bestellt. 1883 schied Hecker krankheitsbedingt aus der Geschäftsleitung aus, gehörte aber noch bis zu seinem Tod dem Verwaltungsrat (seit 1885 als Aufsichtsrat bezeichnet) der Disconto-Gesellschaft an.

 



Heinemann, Elkan

Lebensdaten:
17.01.1859 in Bayreuth - 19.09.1941 in Nizza


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1906-1923




"Von keinem Vorstandsmitglied der Deutschen Bank aus der Ära Georg v. Siemens und Arthur v. Gwinner ist so wenig bekannt wie von Elkan Heinemann. 38 Jahre gehörte er der Bank an, 17 Jahre war er Mitglied des Vorstandes. Sogar auf der Höhe seines Wirkens wußten die Zeitgenossen kaum etwas über ihn. Er lebte hinter seinem Schreibtisch." (Fritz Seidenzahl) Elkan Heinemanns Vater war Lehrer an der israelitischen Religionsschule in Bayreuth. Nach Lehrjahren, vermutlich in Antwerpen und Brüssel, trat er 1886 in das Sekretariat der Deutschen Bank in Berlin ein. 1893 erhielt er Prokura und wurde bald danach Leiter des Sekretariats. Von 1902 bis 1905 war er stellvertretender Direktor, Anfang 1906 wurde er auf Empfehlung von Hermann Wallich in den Vorstand der Deutschen Bank berufen. Heinemann galt im Vorstand eher als der präzise "Wissenschaftler", als Mann der zweiten Reihe, der turbulente und riskante Geschäftskomplexe eher scheute. Vor allem mit Arthur von Gwinner teilte er sich Aufgaben des Auslandsgeschäft. Sein Engagement galt hier namentlich der 1898 gegründeten Deutsch-Überseeischen Elektricitäts-Gesellschaft. Von den Senioren des Auslandsgeschäfts war er der einzige, der unter den völlig veränderten Bedingungen nach dem Ersten Weltkrieg weiter aktiv blieb und noch bis 1923 dem Vorstand angehörte. Schon sehr früh hatte er den Verfall der deutschen Währung vorhergesehen. Nach seinem Ausscheiden siedelte er nach Frankreich über, wo er während des Zweiten Weltkriegs starb.



Helfferich, Karl

Lebensdaten:
22.07.1872 in Neustadt - 23.04.1924 in Bellinzona


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1908-1915




Karl Helfferich ist vor allem in seiner Eigenschaft als Währungspolitiker bekannt, während seine Tätigkeit als Bankier außerhalb der Deutschen Bank weniger in Erinnerung geblieben ist.

Helfferich  stammte aus einer Industriellenfamilie der Vorderpfalz; sein Vater war Inhaber einer Trikotagenfabrik. Nach einem Studium der Staatswissenschaften in München. Berlin und Straßburg, das er 1894 mit der Promotion zum Dr. rer. pol. abschloss, arbeitete er in Berlin als Wissenschaftler und Journalist über die Themen Geldtheorie, Währungsfragen und - verstärkt nach Ende des Ersten Weltkriegs - Politik (mehr als 150 Titel). 1899 habilitierte er über "Die Reform des Deutschen Geldwesens nach der Begründung des Deutschen Reiches". 1901 wurde er als Referent für wirtschaftliche Angelegenheiten in die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts berufen. 1903 erschien seine wohl bedeutendste Studie mit dem prägnanten Titel "Das Geld". Mit diesem umfangreichen Werk, das einen historischen und theoretischen Teil umfasst, war Helfferich als einer der führenden deutschen Geldtheoretiker ausgewiesen.

1906 übernahm Helfferich, auf Empfehlung Arthur von Gwinners, die Direktion der Anatolischen Eisenbahn-Gesellschaft und siedelte nach Konstantinopel über. Dort erreichte er nach komplizierten Verhandlungen und der Gründung der Bagdadbahn-Gesellschaft, den Weiterbau der Bagdadbahn über das Taurusgebirge hinaus. 1908 kehrte er nach Deutschland zurück und trat in den Vorstand der Deutschen Bank ein, dem er bis 1915 angehörte. Neben dem Aufgabengebiet der Bagdadbahn, galt Helfferichs Interesse vor allem den Engagements der Deutschen Bank in den Kolonialgebieten. Seine Bemühungen um den Ausbau der deutsch-belgischen Beziehungen in Afrika zahlten sich für die Deutsche Bank in umfangreichen Schürfrechten in Katanga und einer erheblichen Beteiligung an der Kongo-Flußschiffahrts-Gesellschaft aus. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs kamen die kolonialen Projekte zum Erliegen.

Helfferich schied 1915 aus dem Vorstand der Deutschen Bank aus und wurde, seit 1911 Mitglied im Zentralausschuss der Reichsbank, zum Staatssekretär des Reichsschatzamts berufen. 1916/17 war er Staatssekretär des Innern und Vizekanzler unter Reichskanzler Michaelis. Die Niederlage von 1918 führte bei Helfferich, der gerade in seiner Zeit als Bankier eher liberale Standpunkte vertrat, zu einem politischen Gesinnungswechsel nach rechts. 1919 trat er der Deutschnationalen Volkspartei bei. Auf dem Höhepunkt der Hyperinflation legte er im August 1923 einen Plan zur Schaffung einer stabilen deutschen Währung ("Roggenwährung") vor. Auch wenn die schließlich realisierte Lösung erheblich von Helfferichs Vorschlägen abwich, wurde er später als "Vater der Rentenmark" bezeichnet. Obwohl vom Reichsbankdirektorium als neuer Reichsbankpräsident vorgeschlagen, entschied sich die Reichsregierung Ende 1923 bei der Besetzung des Amts gegen Helfferich und für Hjalmar Schacht. Wenig später wurde er Opfer eines Eisenbahnunglücks.

Helfferich war seit 1920 mit einer Tochter Georg von Siemens' verheiratet und schrieb die bis heute maßgebliche, dreibändige Biographie über den ersten Vorstandssprecher der Deutschen Bank: "Georg von Siemens. Ein Lebensbild aus Deutschlands großer Zeit".


 



Herrhausen, Alfred

Lebensdaten:
30.01.1930 in Essen - 30.11.1989 in Bad Homburg


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1970-1989 (Sprecher 1985-1989)




Nach dem Besuch der Oberrealschule begann Herrhausen, der nach eigener Aussage ursprünglich Philosophie studieren wollte, 1949 mit dem Studium der Betriebswirtschaft in Köln. Der Diplom-Kaufmanns-Prüfung 1952 folgte 1955 die Promotion zum Dr. rer. pol. mit einer Arbeit über ein Gebiet der modernen Volkswirtschaft. Während der Doktorandenzeit war er als Direktionsassistent bei der Ruhrgas AG, Essen, beschäftigt. Sein weiterer Berufsweg führte ihn 1955 als Direktionsassistent in die Hauptverwaltung der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen AG (VEW) nach Dortmund. Als Kredit-Sachbearbeiter und Finanz-Analytiker sammelte er zwischenzeitlich in New York Auslandserfahrungen im Bankgeschäft. 1957 wurde ihm bei den VEW Handlungsvollmacht erteilt und zwei Jahre später Prokura; gleichzeitig damit übernahm er die kaufmännische Leitung der VEW-Hauptverwaltung. 1960 wurde Herrhausen zum Direktor ernannt. Er war maßgeblich an den Vorarbeiten und der Verwirklichung der VEW-Teilprivatisierung im Jahre 1966 beteiligt. Nach deren Realisierung wurde er 1967 zum Vorstandsmitglied berufen.

Zwischen 1956 und 1968 veröffentlichte Herrhausen zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften zu Fragen der nationalen und internationalen Energieversorgung, der Unternehmensfinanzierung und des Aktienrechts. In dieser Zeit war er u. a. Lehrbeauftragter an der Sozialakademie Dortmund sowie im Rahmen der verbandseigenen Ausbildung der Arbeitsgemeinschaft Energie für Energiewirtschaft, Investitionsrechnung und Industriebetriebslehre. Sein besonderes berufliches Interesse galt allen Fragen der modernen Unternehmensführung, insbesondere der Kosten- und Wirtschaftlichkeitsrechnung einschließlich Investitionsrechnung und linearer Programmierung sowie Unternehmensbewertungen.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1970 wurde Herrhausen vom Aufsichtsrat der Deutschen Bank zum stellvertretenden Mitglied des Vorstandes berufen. Er war verantwortlich für das internationale Geschäft in Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland und Südafrika, das damals noch unterentwickelt war, sowie für die Außenhandelsfinanzierung der Bank und volkswirtschaftliche Fragen; außerdem betreute er den Filialbereich Essen. 1971 holte er sich gegen mancherlei Widerstände aus dem Kollegenkreis beim Vorstandssprecher Franz Heinrich Ulrich die Zustimmung zum Aufbau einer "strategischen Planung".

Je länger er dem Vorstand angehörte, desto mehr Aufsichtsratssitze fielen ihm naturgemäß zu. Herrhausen begann seine Bewährungsproben bei den sanierungsreifen Stollwerck AG und Continental AG, später rückte er in viele andere einflußreiche Positionen. 1979 strebte er die Nachfolge von Joachim Zahn als Daimler-Benz-Vorstandsvorsitzender an, ein Karriereschritt, den er jedoch nicht verwirklichen konnte: "Immerhin ist Daimler-Benz das größte Investment der Deutschen Bank. Da hätte ich etwas gestalten können. Damit wäre das auch im Interesse der Deutschen Bank gewesen." Neun Jahre später setzte Herrhausen das SPD-Mitglied Edzard Reuter als Vorstandsvorsitzenden bei Daimler durch.

Bereits früh strebte der Bankier "politische" Ämter an. Der Bundesfinanzminister berief Herrhausen als Mitglied der Studienkommission "Grundsatzfragen der Kreditwirtschaft" ("Bankenstruktur-Kommission"), deren Auftrag es war, die Struktur der deutschen Kreditwirtschaft zu prüfen und Vorschläge zur Verbesserung des Kreditwesens zu erarbeiten. Auslöser war die Herstatt-Pleite 1974. Die Novellierung des Kreditwesengesetzes basiert wesentlich auf der Arbeit dieser Kommission. Später beauftragte die Bundesregierung ihn, zusammen mit zwei weiteren "Stahlmoderatoren" ein Konzept zur Neuordnung der deutschen Stahlindustrie zu erarbeiten; der Plan führte nicht zum Erfolg. Herrhausen gehörte zu den Initiatoren des "Initiativkreis Ruhrgebiet". Er war außerdem einer der Mitbegründer des "Aktionskomitees für Europa", eine Vereinigung einflussreicher europäischer Industrieller, die den europäischen Integrationsprozess unterstützen. Zudem war er Mitglied des Direktoriums der ersten deutschen Privatuniversität Witten-Herdecke.

1985 wurde Herrhausen zu einem der beiden Sprecher des Vorstandes, gewählt. Er übte das Amt zusammen mit F. W. Christians aus. Am 11. Mai 1988 wurde er alleiniger Sprecher. "Macht muss man auch wollen" war eine häufig zitierte Wendung Alfred Herrhausens, der mit der Besetzung einer Spitzenposition in der Wirtschaft auch die Chance begriff, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. In seiner Amtszeit griff er vielfach soziale und ökologische Fragestellungen auf. Angesichts der gravierenden Schuldenprobleme der Dritten Welt engagierte sich Herrhausen als erster Vertreter einer Großbank für einen an Wirtschaftsreformen geknüpften Schuldennachlass. Seine starke Präsenz in den Medien verschaffte ihm einen - bis dahin für einen Bankmanager eher ungewöhnlich - hohen Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit.

Am 30. November 1989 wurde Alfred Herrhausen Opfer eines bis heute nicht aufgeklärten Terroranschlags. Er ist Namensgeber der 1992 gegründeten "Alfred Herrhausen Gesellschaft für internationalen Dialog".

Zitate

"Freiheit - und Offenheit, die damit einhergeht - wird uns nicht geschenkt. Die Menschen müssen darum kämpfen, immer wieder."

„Wir müssen das, was wir denken, sagen. Wir müssen das, was wir sagen, tun. Und wir müssen das, was wir tun, dann auch sein.“

„Die meiste Zeit geht dadurch verloren, dass man nicht zu Ende denkt.“

"Es ist kein Luxus, Begabte zu fördern. Es ist ein Luxus, und zwar ein sträflicher, dies nicht zu tun."



Herz, Wilhelm

Lebensdaten:
26.04.1823 in Bernburg - 28.09.1914 in Berlin


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Verwaltungsrats 1876-1889, stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrats 1889-1907, Vorsitzender des Aufsichtsrats 1907-1914




Der Seniorchef der Berliner Öl- und Gummifabrik S. Herz, Geheimer Kommerzienrat Wilhelm Herz, war seit der Gründung der Deutschen Union-Bank in Berlin (1871) deren Aufsichtsratsvorsitzender gewesen und trat nach ihrer Liquidation 1876 in den Verwaltungsrat der Deutschen Bank über. Diesem Gremium hat er 38 Jahre bis zum seinem Tod angehört, seit 1889 als stellvertretender Vorsitzender und seit 1907 als Vorsitzender. Mit Georg von Siemens verband ihn eine enge Freundschaft. Er war eine im Berliner Geschäftsleben und darüber hinaus weitbekannte Persönlichkeit, die der Bank zahlreiche wertvolle Verbindungen vermittelte. Neben der Deutschen Bank war er im Aufsichtsrat der Deutschen Ueberseeischen Bank, der Hypothekenbank in Hamburg, der Schultheiss Brauerei, zu deren Gründern er auch gehörte, und der Berliner Land- und Transport-Versicherungs-Gesellschaft. Er war ausschlagend an der Entwicklung der Speiseölindustrie in Deutschland beteiligt und weithin als „Öl-Herz“ bekannt. Außerdem gründete er 1869 in Berlin eine Gummiwarenfabrik. Jahrzehntelang war er Mitglied des Ältesten-Kollegiums der Kaufmannschaft, seit 1895 sein Präsident. 1902 wurde er zum Präsidenten der neugegründeten Berliner Handelskammer gewählt und trat damit als Neunundsiebzigjähriger an die Spitze der größten und ersten amtlichen Wirtschaftsvertretung Berlins, was seine besondere Stellung im Wirtschaftsleben der Reichshauptstadt deutlich macht. An seinem 90. Geburtstag wurde ihm als erstem Kaufmann in Deutschland der ansonsten nur für die höchsten Beamten vorbehaltene Titel „Exzellenz“ verliehen.



Heydebreck, Tessen von

Lebensdaten:
09.01.1945 in Orth/Pommern


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1994-2007



Hoeter, Joseph

Lebensdaten:
03.07.1846 in Münster - 02.05.1924 in Berlin


Bank:
Disconto-Gesellschaft


Funktion:
Geschäftsinhaber 1900-1907




Nach einem Jurastudium arbeitete Hoeter zunächst im Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin. Hier wurde er zum Vortragenden Rat und später zum Geheimen Oberregierungsrat befördert und kam schließlich als Eisenbahndirektionspräsident nach Köln. Aus dieser Stellung holte ihn Adolph von Hansemann im Jahre 1900 in die Geschäftsleitung der Disconto-Gesellschaft. 1907 wechselte er in die Geschäftsleitung der von der Bank mitbegründeten Schantung-Eisenbahngesellschaft, um sich dort erneut als Eisenbahnfachmann zu betätigen, gehörte aber bis zu seinem Tod noch weiter dem Aufsichtsrat der Disconto-Gesellschaft an.

 



Hooven, Eckart van

Lebensdaten:
11.12.1925 in Hamburg - 28.12.2010 in Hamburg


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1972-1991




Der in Hamburg geborene Eckart van Hooven verbrachte den größten Teil seiner Schulzeit in Berlin, wo er 1943 sein Abitur ablegte und anschließend zur Wehrmacht eingezogen wurde. Nach Kriegsende widmete er sich zunächst  journalistischen Aufgaben und war zeitweilig beim Sender Hamburg tätig. 1947 nahm er ein Jurastudium in Hamburg auf (1951 Referendarexamen, 1955 Assessorexamen und Promotion zum Dr. jur.). 1955 trat er in die Filiale Hamburg der Norddeutschen Bank ein, wie damals die noch nicht wiedervereinigte Deutsche Bank firmierte. Nach einem Jahr wurde er Zweigstellenleiter in der Hansestadt, bald darauf Mitleiter der Filiale Hamburg-Harburg. 1967 wurde er Direktor und drei Jahre später Generalbevollmächtigter. 1972 folgte die Berufung in den Vorstand der Deutschen Bank, dem er bis 1991 angehörte.
Eckart van Hoovens Name ist eng mit der Entwicklung des Mengengeschäfts in der Deutschen Bank verbunden, das 1959 mit der Einführung des Persönlichen Klein-Kredits begann. Unter Manfred O. von Hauenschild war van Hooven mit der Organisation dieses neuen Geschäftszweigs betraut, nach seiner Berufung in den Vorstand war er dort für das Privatkundengeschäft zuständig. An der Entwicklung des für den bargeldlosen Zahlungsverkehr bahnbrechenden eurocheques, der 1969 in 18 europäischen Ländern eingeführt wurde, war van Hooven maßgeblich beteiligt. Auch die Aktivitäten der Deutschen Bank im Versicherungs- und Bauspargeschäft wurden von ihm vorangetrieben.
In seine regionale Zuständigkeit als Vorstandsmitglied fielen die Filialbezirke der Deutschen Bank in den Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübeck. Mit besonderem Nachdruck setzte sich van Hooven für die Wirtschaft Norddeutschlands und eine enge Zusammenarbeit mit den skandinavischen Ländern ein. 1990 übernahm er den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Maschinen- und Schiffsbau AG in Rostock, einer Holding, die aus dem früheren Kombinat Schiffbau der DDR hervorgegangen war.
Während und nach dem Ende seiner beruflichen Tätigkeit engagierte sich Eckart van Hooven in der Hamburger Kommunalpolitik.

 



Hunke, Heinrich

Lebensdaten:
08.12.1902 in Heipke/Lippe - 08.01.2000 in Hannover


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1944-1945




Mit der Ernennung von Heinrich Hunke zum Vorstandsmitglied der Deutschen Bank im September 1943 gab die Bank dem seit Ende 1942 deutlich gewordenen Drängen nach, einen weiteren Nationalsozialisten in ihre Leitung aufzunehmen. Zwar war mit Karl Ritter von Halt bereits seit 1938 ein prominenter Parteimann im Vorstand vertreten, doch dieser, der sich stets loyal gegenüber der Bank verhielt, war immer weniger in der Lage, politisch motivierte Angriffe abzuwehren.

Hunke hatte sich nicht wie viele Angehörige der Wirtschaftselite aus Opportunismus für eine Mitgliedschaft in der NSDAP entschieden, sondern war schon 1928 aus Überzeugung der Partei beigetreten. Ursprünglich hatte er eine Ausbildung zum Volksschullehrer durchlaufen, studierte dann aber Volkswirtschaft und wurde 1927 zum Dr. rer. nat. promoviert. Von 1927 bis 1933 war er als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter und Referent im Reichswehrministerium tätig. Daneben wirkte er seit 1928 als sogenannter Gauwirtschaftsberater des Gaues Berlin der NSDAP und gründete 1932 die führende nationalsozialistische Wirtschaftszeitschrift „Die deutsche Volkswirtschaft“. Dem Reichstag gehörte er als NSDAP-Abgeordneter seit 1932 an. 1935 erhielt er eine Honorarprofessur an der Technischen Hochschule Berlin. 1933 wurde Hunke vom Reichspropagandaministerium zum stellvertretenden Präsidenten des Werberats der deutschen Wirtschaft ernannt, womit die Aufgabe der Neuordnung des Werbewesens verbunden war. 1939 wurde er Präsident des Werberats der deutschen Wirtschaft. Außerdem übernahm er Anfang 1941 als Ministerialdirektor die Leitung der Abteilung Ausland des Reichspropagandaministeriums, die die Aufgabe hatte, das Konzept einer europäischen Wirtschaftsordnung unter deutscher Führung in den besetzten Staaten zu popularisieren.

Hatte Hunke noch Ende 1942 ein Angebot, in den Vorstand der Deutschen Bank einzutreten, abgelehnt, so war er ein halbes Jahr später von seiner Tätigkeit im Propagandaministerium derart enttäuscht, dass er unter Vermittlung von Reichswirtschaftsminister Walther Funk zur Deutschen Bank wechselte. Nachdem seine Nachfolgefrage im Propagandaministerium geklärt war, trat er am 1. Februar 1944 in den Vorstand der Bank ein. In dem verbleibenden Jahr bis zum Kriegsende konnte er keine merkliche Geschäftstätigkeit entfalten, leistete der Bank aber in einigen kritischen Konfliktsituationen mit dem NS-Staat nützliche Dienste.

Ende April 1945 floh Hunke vor der Roten Armee von Berlin nach Hamburg, wo er auf Anweisung der Militärregierung aus der Deutschen Bank entlassen werden musste. Nach amerikanischer Haft gelang Hunke in den frühen 1950er Jahren die Rückkehr in den Beamtenstatus. Er wurde im niedersächsischen Finanzministerium tätig, wo er zuletzt den Rang eines Ministerialdirigenten bekleidete.




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Letzte Änderung: 29.5.2012
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