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Personen

Rath, Adolph vom

Lebensdaten:
23.04.1832 in Würzburg - 17.06.1907 in Berlin


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Verwaltungsrats 1870-1889 / Vorsitzender des Aufsichtsrats 1889-1907




Zu der Gründergruppe der Deutschen Bank zählte neben Adelbert Delbrück, Ludwig Bamberger auch Adolph vom Rath, der zu dieser Zeit Mitinhaber des Bankhauses Deichmann & Co. in Köln war. Adolph vom Rath stammte aus einer rheinischen Kaufmannsfamilie. Der Großvater hatte in Duisburg ein Speditionsgeschäft betrieben und durch seine Heirat mit der Tochter des bekannten holländischen Spediteurs Jan Haentjens die Grundlage für den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie gelegt. Seine Söhne knüpften durch Heiraten enge Beziehungen zu den Familien Meister (Farbwerke Höchst), Deichmann, von Schnitzler und Stein (alle Bankiers in Köln). Adolphs Vater Gerhard Carl vom Rath errichtete 1822 eine Zuckerraffinerie in Duisburg, verlegte diese aber aus zollpolitischen Gründen nach Würzburg. 1842 ging er nach Köln und Rotterdam, wo er zusammen mit seinem Schwager Deichmann auch Bankgeschäfte betrieb. Wilhelm Ludwig Deichmann, der seit der Umwandlung des A. Schaaffhausen’schen Bankvereins 1848 dessen Vorstandsmitglied war, schied nach der Konsolidierung des Bankvereins im Herbst 1857 aus, um in Köln ein eigenes Bankgeschäft zu gründen. In dem erst 25jährigen Adolph vom Rath fand er einen dynamischen Teilhaber, der bald zur bestimmenden Kraft des Bankhauses Deichmann & Co. werden sollte. 1870 wirkte Adolph vom Rath als Vertreter seines Hauses, das Aktien über 175.000 Taler gezeichnet hatte, an der Gründung der Deutschen Bank mit. Er gehörte bereits dem sechsköpfigen vorläufigen Verwaltungsrat an, der am 25. Februar 1870 das endgültige Gründungsstatus bei der preußischen Regierung einreichte. Die erste Generalversammlung der Deutschen Bank, die am 21. März 1870 stattfand, wählte ihn dann in den 24 Mitglieder umfassenden Verwaltungsrat, von dem er 1879 in die neu geschaffene Revisionskommission berufen wurde. Dadurch dass er 1880 seinen Wohnsitz von Köln nach Berlin verlegte, verstärkte sich sein persönliches Engagement im Verwaltungsrat und gegenüber der Direktion der Deutschen Bank. Nachdem Adelbert Delbrück, der seit 1871 das Amt des Verwaltungsratsvorsitzenden ausgeübt hatte, 1889 aus diesen Gremium ausgeschieden war, trat Adolph vom Rath seine Nachfolge an. Seither führte das Gremium auch die Bezeichnung „Aufsichtsrat“, womit den Veränderungen der Aktenrechtsnovelle von 1884 Rechnung getragen wurde, die seine Funktion im wesentlichen auf die Kontrolle des Vorstands begrenzte. Adolph vom Rath, der zur Vermeidung von Interessenkonflikten nach seiner Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank seine Beziehung zum Bankhaus Deichmann & Co. löste, bekleidete bis zu seinem Tod am 17. Juni 1907 das höchste Amt, das die Bank zu vergeben hat. In seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender war Rath täglich mehrere Stunden im Hauptgebäude der Bank in der Mauerstraße, während der er, was damals noch möglich war, die gesamte Sekretariatskorrespondenz durchlas und die so erlangten Kenntnisse der Vorgänge in Gesprächen mit den Vorstandsmitgliedern vertiefte. Auf diese Weise vermochte er die Geschäfte mitzuberaten, seine Ansichten einzubringen und in gegebenen Fällen Meinungsverschiedenheiten auszugleichen. In der Berliner Viktoriastraße 6 unterhielt die Familie vom Rath einen großen Salon, in dem die Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal, Gerhart Hauptmann, der Philosoph Wilhelm Dilthey, die Wissenschaftler Hermann von Helmholtz und Theodor Mommsen sowie die Politiker Ludwig Bamberger und Rudolf von Bennigsen verkehrten. 1901 wurde Adolph vom Rath in den erblichen Adelsstand erhoben, behielt aber seinen Namen „vom Rath“ bei.



Rath, Jean Baptist

Lebensdaten:
10.04.1891 in Rüdesheim - 25.10.1965


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands Rheinisch-Westfälische Bank 1952-1957, Deutsche Bank 1957-1958




Jean Baptist Rath gehörte mehr als 38 Jahre der Deutschen Bank an. Am 1. Oktober 1919 trat er nach einer Lehre beim Mainzer Bankhaus Hochheimer & Meyer und einer mehrjährigen Tätigkeit beim Bankhaus Kronenberg & Co. in Mainz und Bad Kreuznach in die Filiale Köln ein, wo er in der Börsen- und Effektenabteilung tätig war. Bereits Mitte 1921 wurde ihm auf Grund seiner Umsicht und Erfahrung die Leitung der neu eröffneten Niederlassung in Bad Godesberg übertragen, zu deren Direktor er ein Jahr später ernannt wurde. Seine geschäftlichen Erfolge in Bad Godesberg sowie sein großes fachliches Wissen und Können waren mitbestimmend für die weiteren Stationen als Direktor der Filiale Düren (1925-1930) und der Filiale Münster (1930-1932). Zehn Jahre nach seiner ersten Ernennung zum Filialdirektor wurde Rath 1932 in die Filiale Köln berufen. In dieser verantwortlichen Stellung waren sein klares und sicheres Urteil und seine Fachkenntnisse von besonderem Wert. Nicht weniger als 14 rheinische Aktiengesellschaften beriefen ihn in ihren Aufsichtsrat, davon allein 5 als Vorsitzenden und 3 als stellvertretenden Vorsitzenden. Nahezu 25 Jahre war er Vorsitzender der Vereinigung von Banken und Bankiers im Rheinland und Westfalen. Mit großer Energie betrieb Rath den Wiederaufbau der völlig zerstörten Filiale Köln, als deren Mitleiter er 1943 neben einer Reihe weiterer Direktoren zum Generalbevollmächtigten der Gesamtbank ernannt worden war. Seit dem Frühjahr 1948 gehörte er dem Direktorium der aus der Deutschen Bank ausgegliederten Rheinisch-Westfälischen Bank an und trat 1952 in den Vorstand der neu gegründeten Rheinisch-Westfälische Bank AG ein. Nach dem Wiederzusammenschluss der drei Nachfolgeinstitute Anfang 1957 war er bis zu seiner Pensionierung im darauf folgenden Jahr Mitglied des Vorstands der Deutsche Bank AG.



Ritchie, Garth

Lebensdaten:
1968


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands seit dem 1. Januar 2016



Ritchotte, Henry

Lebensdaten:
1963


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 2012-2015



Rösler, Oswald

Lebensdaten:
26.05.1887 in Schweidnitz (Schlesien) - 23.5.1961 in Brannenburg (Oberbayern)


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1933-1945 (Sprecher 1943-1945), Vorsitzender des Aufsichtsrats 1957-1960




Oswald Rösler stammte aus einfachen Verhältnissen. Er wurde als das dritte von sieben Kindern geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters musste er den Familienunterhalt mitbestreiten. Rösler begann seine berufliche Laufbahn als Buchhalter eines Breslauer Textilhauses, wechselte jedoch 1907 in das Bankfach, als er eine Anstellung beim Barmer Bank-Verein Hinsberg, Fischer & Comp. fand.

Im Juli 1908 trat er als Korrespondent in die Direction der Disconto-Gesellschaft in Berlin ein, der damals zweitgrößten deutschen Geschäftsbank. Sein bevorzugtes Arbeitsgebiet war bald das Auslandsgeschäft. Rösler erkannte die geschäftliche Notwendigkeit, eine besondere Rembours- und Akkreditivabteilung zu entwickeln, deren Aufbau er mit großer Intensität verfolgte. Ab 1921 nahm er einen Direktorenposten wahr.

Bei der Fusion der Disconto-Gesellschaft mit der Deutschen Bank im Oktober 1929 wurde Rösler zum stellvertretenden Vorstandsmitglied ernannt. Nach der Verdrängung der jüdischen Vorstandsmitglieder aus der Bank, wurde er 1933, zusammen mit Hans Rummel und Karl Ernst Sippell, als ordentliches Vorstandsmitglied berufen. Von 1943 bis Kriegsende fungierte Rösler als Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank, wobei das Sprecheramt zu diesem Zeitpunkt mehr eine förmliche Bennenung, denn eine tatsächlich exponierte Position innerhalb des Vorstands bedeutete.

In seinen Aufgabenbereich fiel auch die Böhmische Union-Bank (BUB), deren Übernahme durch die Deutsche Bank 1938/39, gemeinsam mit anderen Engagements, für die Expansion des Unternehmens im Zuge der nationalsozialistischen Eroberungspolitik steht. Rösler hatte bei der BUB bis 1945 den Aufsichtsratsvorsitz inne. Gleichwohl stand er sowohl den politischen wie wirtschaftlichen Zielsetzungen des Nationalsozialismus mit Misstrauen gegenüber. Die konfessionelle Herkunft, die Rösler mit mehreren Vorstandsmitgliedern (Abs, Bechtolf, Plassmann) teilte, trug der Deutschen Bank den abwertend gemeinten Titel "die katholische Bank" ein, den sie mit der Aufnahme von NSDAP-Mitgliedern in den Vorstand kompensieren musste.

Durch den befreundeten Leipziger Unternehmer Walter Cramer (1886-1944) war Rösler 1944 in die Attentatspläne auf Hitler eingeweiht. Im September 1944 verhaftet, wurde er nach zweimonatiger Haft in einem Prozess vor dem Berliner Volksgerichtshofs am 14. November 1944 mangels Beweisen freigesprochen und, unter der Auflage, nach Kriegsende alle seine Ämter niederzulegen, freigelassen.

Nach der Eroberung Berlins konnte Rösler noch bis Juni 1945 seine Tätigkeit in der Zentrale der Deutschen Bank unter sowjetischer Aufsicht fortsetzen. Mitte Juni 1945 wurde er aber verhaftet und, nach mehreren Zwischenstationen, bis Januar 1950 von den Sowjets im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald interniert.

Unmittelbar nach seiner Freilassung trat Rösler in die Geschäftsleitung der Rheinisch-Westfälischen Bank ein, eines der Nachfolgeinstitute der nach dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend zerschlagenen Deutschen Bank. Hier engagierte er sich vor allem beim Wiederaufbau des Außenhandelsgeschäfts. Auf seine Initiative hin wurde 1952 die Ausfuhrkredit AG als Spezialinstitut zur mittel- und langfristigen Exportfinanzierung gegründet. Rösler übernahm hier den Aufsichtsratsvorsitz, ebenso wie in der 1957 wieder erstandenen Deutschen Bank (ab 1960 Ehrenvorsitzender).

Weitere wichtige Aufsichtsratsmandate nahm er bei Mannesmann und Bayer wahr. Schon 1951 war er in den Vorstand der neu geschaffenen Standesorganisation der Banken, des Bundesverbands des privaten Bankgewerbes berufen worden.

Rösler verfügte über eine herausragende Fachkompetenz im Bankfach, eine "klare Konzeption der geschäftlichen Gegebenheiten und große Kenntnisse des laufenden Geschäfts" (Georg Solmssen). Er gehörte, ebenso wie seine Vorstandskollegen Hans Rummel und Fritz Wintermantel, zu denjenigen Führungskräften, denen aus kleinen Verhältnissen der Aufstieg an die Spitze einer deutschen Großbank gelang.

 



Rohr, Karl von

Lebensdaten:
1965


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands seit dem 1. November 2015



Roland-Lücke, Ludwig

Lebensdaten:
21.02.1855 in Nieder Sikte - 13.02.1917 in Heidelberg


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1894-1907




Der Sohn eines Papiermachers besuchte das Progymnasium in Braunschweig und absolvierte im Anschluss daran eine Banklehre. Nach seiner Militärzeit trat er 1876 in die Deutsche Bank in Hamburg ein, wo er sich zunächst vor allem dem Remboursgeschäft widmete. 1880 erhielt er Prokura, 1888 wurde er Direktor dieser wichtigen Filiale. In dieser Eigenschaft begleitete er Georg Siemens 1893 auf seiner zweiten Amerikareise, die aufgrund der Krise bei der Northern Pacific Railroad Co. nötig geworden war. Die Deutsche Bank hatte sich an der Finanzierung des Ausbaus der Northern Pacific Railroad Company durch Übernahme von Anleiheserien und durch Teilnahme an der Finanzierung von Untergesellschaften beteiligt. Nach Deutschland zurückgekehrt verfasste er einen ausführlichen Informationsbericht über die Lage der Northern Pacific. Seine schwache Gesundheit verhinderte eine Rückkehr nach New York, die die Deutsche Bank aufgrund seiner einschlägigen Erfahrungen angestrebt hatte. 1894 folgte er einem Angebot Siemens' als stellvertretender Direktor in der Berliner Zentrale. Schon ein halbes Jahr später folgte seine Berufung in den Vorstand der Deutschen Bank, dem er mit zwei krankheitsbedingten Unterbrechungen (1900/01, 1903 bis 1905), bis Ende 1907 angehörte. Seinen Erfahrungen im Überseegeschäft verdankte er die gleichzeitige Berufung zum Mitglied des Vorstands der Deutschen Ueberseeischen Bank. Auch während seiner Tätigkeit im Vorstand befasste sich Roland-Lücke weiter mit dem Eisenbahngeschäft. Weiterhin war er im Aufsichtsrat des Schlesischen Bankvereins und der Privatbank zu Gotha, die beide später in die Deutsche Bank aufgingen, vertreten. Zu seinem besonderen Aufgabenkreis gehörten ferner die Finanzgeschäfte mit der Firma Siemens & Halske und deren ausländischen Tochtergesellschaften. Seit 1912 war er Mitglied des Reichstags für die Nationalliberale Fraktion.
 

 



Rummel, Hans

Lebensdaten:
09.03.1882 in Krautostheim - 20.08.1964 in Oberstdorf


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1933-1945




Hans Rummel war das achte und jüngste Kind eines fränkischen Landwirts und Bierbrauers. Nach dem Besuch der Realschule in Kitzingen absolvierte er ab 1898 eine Lehre im Bankhaus seines Onkels Richard Kirchner in Würzburg. 1900 trat er als Angestellter bei der Rheinischen Creditbank in Mannheim ein. Anfang 1903 wechselte er zu einer Privatbank in Germersheim. Einen Auslandsaufenthalt zur Abrundung seiner Ausbildung, während dem er für einige Zeit beim Credito Italiano in Genua und Lausanne arbeitete, musste er im Frühjahr 1905 aus Geldmangel abbrechen. Zwischen 1905 und 1918 war bei der Bayerischen Staatsbank tätig, zunächst in Nürnberg und Aschaffenburg, seit 1909 in Augsburg. Im August 1918 gelang es Rummel einen Direktorenposten bei der Bayerischen Disconto- und Wechselbank in Kempten zu finden, nachdem er sich seit 1916 mehrmals vergeblich um eine Stellung im Privatbankgewerbe bemüht hatte.

1921 folgte er einem Angebot der Deutschen Bank und trat in die Direktion der Filiale Augsburg ein, wurde 1925 Leiter der Filiale München und kam schließlich 1927 in die Zentrale der Deutschen Bank nach Berlin. 1930 erfolgte die Ernennung zum stellvertretenden, 1933 zum ordentlichen Vorstandsmitglied. Seine Aufgabenbereiche waren hier Bilanz und Organisation, des weiteren war er für die Regionen Bayern und Württemberg zuständig, was ihm u.a. ab 1942 den Aufsichtsratsvorsitz bei Daimler-Benz eintrug. Weitere wichtige Mandate nahm er als Aufsichtsratsvorsitzender für MAN, WMF, Krauss-Maffei und die Porzellanfabrik Hutschenreuther wahr.

1945 wurde Rummel von der amerikanischen Militärregierung im Rahmen einer allgemeinen Verhaftungswelle gegen leitende Wirtschaftsführer in Nürnberg verhaftet und bis April 1947 an verschiedenen Orten interniert. Nach seiner Freilassung verzichtete er darauf, wieder als Vorstandsmitglied in die Deutsche Bank einzutreten. Er blieb jedoch von 1952 bis 1957 als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Süddeutschen Bank, eines der drei Nachfolgeinstitute der zeitweilig zerschlagenen Deutschen Bank, dem Unternehmen weiterhin verbunden.

Am 30. April 1957, der für den 75jährigen Abschluss und Krönung seiner Banktätigkeit bedeutete, leitete er die Hauptversammlung der Süddeutschen Bank, in der die Verschmelzung mit der Deutschen Bank West und der Norddeutschen Bank genehmigt, die Sitzverlegung nach Frankfurt am Main beschlossen und die Firma geändert wurde in: Deutsche Bank Aktiengesellschaft.

Rummels herausragende Bedeutung liegt auf dem Gebiet der Betriebsrentabilität. Schon seit den zwanziger Jahren hatte er sich intensiv mit Fragen der Rentabilität und Produktivität im Bankbetrieb beschäftigt, vor allem vor dem Hintergrund des in der Inflationszeit zeitweilig enorm aufgeblähten Personalbestands im Kreditwesen.

Sein Spezialwissen auf diesem Gebiet führte dazu, dass man ihn 1929 mit der technischen Durchführung der Fusion der Deutschen Bank mit der Disconto-Gesellschaft beauftragte. Zur Vorbereitung dieses bis dahin größten Zusammenschlusses im deutschen Bankwesen nahm Rummel eine Überprüfung des gesamten Apparats der Bank und ihrer Niederlassungen vor und fasste die Ergebnisse seiner Arbeit in einer Denkschrift zusammen, die eine wesentliche Grundlage für die im Herbst 1929 gefasste Entscheidung zur Verschmelzung der beiden Institute wurde. In zahlreichen Studien, die ihm den Ruf als "Kostengewissen des deutschen Kreditgewerbes" einbrachten, unternahm er den Versuch, die Bankbetriebslehre auf eine neue Grundlage zu stellen, z. B. durch die Berechnung von Zinsspannen zur Rentabilitätsermittlung und durch den Vorschlag zur Dreiteilung des Bankgeschäfts in die Sparten Kredit, Zahlungsverkehr und Effektenhandel.

In der Bank-Enquete-Kommission von 1933/34, die zur Vorbereitung einer gesetzlichen Neuregelung des Bankwesens durchgeführt wurde, spielte Rummel eine maßgebliche Rolle. Er legte dort dem Enqueteausschuss zwei schriftliche Berichte vor, die seinen Namen auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt machten: "Die Rentabilitätsfrage der Banken, ihre Unkosten und die Kalkulation" und "Die Versuche zur Rentabilitätsverbesserung, Unkostenersparnis und Ertragssteigerung".



Russell, Emil

Lebensdaten:
27.07.1835 in Clemenswerth - 23.10.1907 in Berlin


Bank:
Disconto-Gesellschaft


Funktion:
Geschäftsinhaber 1876-1900




Der Familienname Russel (im 19. Jahrhundert auch häufig Russel geschrieben) ist englischen Ursprungs. Emil Russells Urgroßvater war als Kriegskommissar englischer Truppen während des Siebenjährigen Krieges ins Emsland gekommen. Seine Nachkommen waren Kaufleute und Verwaltungsjuristen. Auch Emil Russell begann ein Jurastudium, das er im Sommer 1860 mit der Prüfung zum Regierungsassessor abschloss. Noch während er im Examen stand wurde er zum Bürgermeister des gerade zur Stadt ernannten Papenburg gewählt. Bei den Wahlen zum Norddeutschen Reichstag scheiterte er 1867 als nationalliberaler Bewerber mit seiner Kandidatur. Auf Veranlassung von Johannes Miquel, 1867-1869 Russells Kollege im Provinziallandtag in Hannover, bot ihm die Disconto-Gesellschaft in Berlin die Stelle als Syndikus an. Im Frühjahr 1872 trat es diesen Posten bei der damals führenden Bank Deutschlands an. Der Lebensmittelpunkt der Familie verlagerte sich dadurch vom Emsland nach Berlin. Seine erste Aufgabe war die Sicherung des in rumänischen Eisenbahnbauvorhaben angelegten deutschen Kapitals, das nach dem Zusammenbruch des Eisenbahnimperiums von Bethel Henry Strousberg von einem Totalverlust bedroht war. Zusammen mit dem Bankhaus S. Bleichröder gründete die Disconto-Gesellschaft eine Auffanggesellschaft, in deren Aufsichtsrat Russell maßgeblich an der Sanierung mitwirkte. 1874 erhielt Russells Prokura und 1876 wurde er in den Kreis der persönlich haftenden Geschäftsinhaber der Disconto-Gesellschaft aufgenommen. Im Chefkabinett der Bank gehörte die juristische Fundierung von Beteiligungen sowie die Mitverwaltung und Überwachung von Gesellschaften, an denen die Disconto-Gesellschaft interessiert war, zu seinen Hauptaufgaben. Zusammen mit Max von Schinckel von der Norddeutschen Bank in Hamburg begründete Russell 1887 die Brasilianische Bank für Deutschland. Die Verschmelzung der Norddeutschen Bank mit der Disconto-Gesellschaft 1895 war ebenfalls das Gemeinschaftswerk dieser beiden Männer. 1900 schied Russell aus seiner Stellung als Geschäftsinhaber aus, um in den Aufsichtsrat der Disconto-Gesellschaft überzutreten, dem er bis zum September 1905 angehörte. Russell galt als besondere Autorität auf dem Gebiet des Währungswesens. 1883 wurde er Mitglied der Kommission zur Beratung der Aktienrechts-Novelle und 1891 der Kommission zur Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuches.



Russell, Enno Ernst

Lebensdaten:
25.05.1869 in Papenburg - 23.09.1949 in Hohenborn bei Kassel


Bank:
Disconto-Gesellschaft


Funktion:
Geschäftsinhaber 1902-1929




Nach Besuch des Kaiser Wilhelm-Gymnasiums in Berlin und bestandenem Abitur leistete Russell seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in Straßburg. Sein Jurastudium begann er im Wintersemester 1888/89 in Leipzig und setzte es in Berlin fort, wo er es mit der Promotion abschloss.

Das Bankgeschäft lernte er bei der Norddeutschen Bank in Hamburg, bei Wm. Brandt & Sons in London und in Paris kennen. Im Januar 1893 trat er eine fast zweijährige Weltreise an, die zur Abrundung seiner Ausbildung diente und ihn u.a. zur Weltausstellung nach Chicago sowie zu den wichtigen Auslandsengagements der Disconto-Gesellschaft nach Südamerika, Neuguinea und Ostasien führte. Sein ausführliches Reisetagebuch "Reise um die Welt" liegt seit 1995 in Buchform vor.

Nach seiner Rückkehr trat Russell zum 1.1.1895 in die Disconto-Gesellschaft ein, erhielt 1899 Prokura, wurde stellvertretender Direktor und schließlich 1902 einer von damals sechs Geschäftsinhabern. Sein Hauptaufgabe lag in der Leitung und Überwachung des sich mehr und mehr ausdehnenden Filialnetzes der Bank. In diesem Rahmen war Russell auch für das Personalwesen zuständig. Als Aufsichtsratsmitglied vertrat er die Interessen der Disconto-Gesellschaft u.a. bei der Preußischen Boden-Credit-Aktien-Gesellschaft in Berlin, der Deutschen Hypothekenbank in Meiningen und der Sächsischen Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG in Chemnitz.

Bei der Fusion der Disconto-Gesellschaft mit der Deutschen Bank im Oktober 1929 schied Russell aus der Geschäftsführung aus und wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt. Diese Stellung behielt er bis 1941 bei. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er auf Gut Hohenborn im Kreis Zierenberg bei Kassel.

 




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Letzte Änderung: 8.1.2016
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