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Personen

Salomonsohn, Adolph

Lebensdaten:
19.03.1831 in Hohensalza - 04.06.1919 in Berlin


Bank:
Disconto-Gesellschaft


Funktion:
Geschäftsinhaber 1869-1888




Mit drei Persönlichkeiten in der Geschäftsleitung hat die Familie Salomonsohn sechzig Jahre (1869-1929) die Entwicklung der Disconto-Gesellschaft mit geprägt.

Der erste unter ihnen war Adolph Salomonsohn. Er stammte aus einer alten Rabbinerfamilie und gehörte zur ersten Generation, die eine weltliche Laufbahn einschlug. Nach einem Jurastudium arbeitete er als Assessor und Vormundschaftsrichter in Berlin, wo David Hansemann auf ihn aufmerksam wurde, als Salomonsohn den Syndikus der Disconto-Gesellschaft in einigen juristischen Arbeiten vertrat.

Im Juli 1863 kam er als Syndikus in die Disconto-Gesellschaft, nachdem er eine bereits angetretene Stelle als Notar in Cosel wieder aufgegeben hatte. 1866 erhielt er Prokura und schon 1869 wurde er in den Kreis der Geschäftsinhaber aufgenommen. In seiner Eigenschaft als Jurist und Kaufmann ergriff Salomonsohn die Gelegenheit, dem jungen deutschen Aktienbankgeschäft einen passenden Rahmen zu geben. "Die Geschäftsbedingungen der Aktienbanken, die juristische Konstruktion des Konsortialgeschäfts und die Behandlung des Aktienwesens wurden von ihm maßgeblich beeinflußt." (Georg Solmssen).

Seine besondere Neigung richtete sich auch auf die Finanzierung des Eisenbahnbaus; so war die Disconto-Gesellschaft wesentlich am Bau der Gotthardbahn beteiligt. Während des Baus wurde 1876 ein neuer Kostenplan aufgestellt, der einen gewaltigen Mehrbedarf vorsah und das Projekt dem Scheitern nahebrachte. Salomonsohn gelang es, in zähen Verhandlungen das Finanzvolumen stark zu reduzieren und die Regierungen der Schweiz, Deutschlands Italiens an den Mehrkosten zu beteiligen sowie die Aktionäre zu den noch fehlenden Einzahlungen auf ihre Aktien zu bewegen.

Auch in anderen Fällen erwies sich Salomonsohn als zuverlässiger Schadensbegrenzer: Frühzeitig verfolgte die Disconto-Gesellschaft im Inland das Prinzip von Tochterbanken durch die Errichtung einer besonderen Provinzial-Disconto-Gesell­schaft, zumeist unter ihrem alten Namen. Als eine dieser Kommanditen, das Bankhaus Frensdorff in Hannover durch Fehlspekulationen in Schwierigkeiten geraten war, übersiedelte Salomonsohn zeitweilig dorthin, um das Haus ohne Schaden für das Mutternehmen zu liquidieren.

Bedeutende Verdienste erwarb er sich auch im Geschäft mit Staatsanleihen, wobei ihm Plazierungen preußischer, bayerischer und badischer Papiere in großem Umfang gelangen.  Er war der Gründer und erste Leiter der Stempelvereinigung, jener zur einheitlichen Regelung von Stempelsteuerfragen und Geschäftsbedingungen geschaffenen Vereinigung Berliner Banken und Bankiers. Die Freundschaft mit Emil Kirdorf, einer der Schlüsselfiguren der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie, führte zu engen Verbindungen mit der Kohle- und Eisenindustrie, vor allem mit der Gelsenkirchener Bergwerks-AG.

1888 zog er sich aus der Geschäftsleitung der Disconto-Gesellschaft zurück - deren Aufsichtsrat er aber noch bis zu seinem Tod angehörte - und widmete sich intensiv philosophischen und naturwissenschaftlichen Studien. Anders als sein Sohn Georg Solmssen hielt Adolph Salomonsohn zeitlebens an seiner jüdischen Herkunft fest, die er mit seiner patriotischen Gesinnung (gegenüber Deutschland nicht aber gegenüber Kaiser Wilhelm II.) zu verbinden suchte.

 



Salomonsohn, Arthur

Lebensdaten:
03.04.1859 in Hohensalza - 15.06.1930 in Berlin


Bank:
Disconto-Gesellschaft / Deutsche Bank


Funktion:
Geschäftsinhaber / Vorstand 1895-1929




Als Adolph Salomonsohn 1888 aus der Geschäftsleitung der Disconto-Gesellschaft ausschied, trat sein Neffe Arthur Salomonsohn als Justitiar in die Bank ein. "Seine Laufbahn gleicht der des Onkels, wenn auch die beiden Männer von Natur aus sehr verschieden sind. Adolph knorrig und urwüchsig, Arthur dagegen zurückhaltend und konziliant, ein pflichtbewußter, aber kühler Geschäftsmann." (Kurt Zielenziger).

Ebenso wie Adolph Salomonsohn hatte Arthur nach einem Jurastudium zunächst als Gerichtsassessor in Berlin gearbeitet, bevor er zur Disconto-Gesellschaft kam. Bereits 1895 wurde er persönlich haftender Gesellschafter und 1912 als Nachfolger von Alexander Schoeller an die Spitze des Geschäftsinhaberkollegiums berufen. Er übernahm damit auch das Aufgabengebiet seines Vorgängers, das hauptsächlich den Bereich internationaler Finanzierungen umfasst hatte. So vertrat er die Interessen der Disconto-Gesellschaft bei Anleiheverhandlungen in Südamerika. Als etwa Argentinien aufgrund leichtfertiger Papiergeldvermehrung in Zahlungsschwierigkeiten geraten war, gelang es Salomonsohn, in zähen Verhandlungen mit den dortigen Behörden die Ansprüche der deutschen Gläubiger erfolgreich wahrzunehmen.

Seinem Wirken im Verwaltungsrat der Neu-Guinea-Compagnie war die erfolgreiche Weiterentwicklung dieses schon von Adolph von Hansemann gegründeten Unternehmens zu verdanken. Im Inlandsgeschäft bestand seine Aufgabe vor allem darin, die Beziehungen der Bank zum rheinisch-westfälischen Industrierevier auszubauen. 1912 wurde er Aufsichtsratsvorsitzer der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft, zu der schon sein Onkel enge Kontakte gepflegt hatte.

Nach dem Ersten Weltkrieg wirkte er bei den Umgruppierungen in der Montanindustrie mit, die nach dem Verlust der Fördergebiete in Lothringen notwendig geworden waren. An der Gründung der Siemens-Rheinelbe-Schuckert-Union war er maßgeblich beteiligt. Ebenso wichtig war seine Tätigkeit in der Kaliindustrie, vor allem an der 1922 zustandegekommenen Interessengemeinschaft zwischen den Kaliwerken Aschersleben, den Kaliwerken Salzdetfurth und den Alkaliwerken Westeregeln.

Im Jahre 1901 gehörte Arthur Salomonsohn zusammen mit Jacob Riesser zu den Gründern der neu geschaffenen Spitzenorganisation der Privatbanken, die unter dem Namen Centralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes die Vertretung der Gesamt­interessen des privaten Bankgewerbes übernahm. Dort war Salomonsohn bis zu seinem Tode stellvertretender Vorsitzender.

Seit 1926 engagierte sich S. im Vorstand des Künstleratelierhauses ”Villa Romana e.V.” in Florenz mäzenatisch.

Die vor allem in dem Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg auftretenden Interessenkonflikte der Disconto-Gesellschaft mit der Deutschen Bank wurden im wesentlichen zwischen Arthur Salomonsohn und Arthur von Gwinner ausgetragen, seine Begeisterung über die sich ab Mitte der 1920er Jahre verdichtenden Fusionspläne hielt sich in Grenzen. Nach der Verschmelzung im Oktober 1929 wurde er für die kurze Zeit bis zu seinem Tod Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft, gemeinsam mit Max Steinthal.

 



Schenck, Marcus

Lebensdaten:
1965


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 2015-2018, stellvertretender Vorstandsvorsitzender 2017-2018



Schinckel, Max von

Lebensdaten:
26.10.1849 in Hamburg - 11.11.1938 in Hamburg


Bank:
Disconto-Gesellschaft


Funktion:
Geschäftsinhaber 1895-1919




Schinckel stammte aus einer alteingesessenen Hamburger Kaufmannsfamilie. Sein Vater hatte allerdings als Teilhaber des Handelshauses ”Blessig & Co.” mehrere Jahrzehnte in Rußland verbracht. Erst im Sommer 1849, kurz vor der Geburt Schinckels, war die Familie nach Hamburg zurückgekehrt.

Nach dem Schulabschluss an der Realschule des Johanneums absolvierte Sch. von 1864 bis 1867 eine kaufmännische Lehre im Hamburger Handelshaus Burmester & Stavenhagen, wo er im Anschluss an seine Ausbildung noch ein Jahr als "Commis" verblieb. 1868/69 leistete er als Einjährig-Freiwilliger Militärdienst beim preußischen Dragoner-Regiment. Nr. 6 in Hadersleben/Nordschleswig, den er als Reserveoffizier abschloss. 1869 nahm er eine Stellung in dem Handelshaus des aus Frankfurt am Main stammenden Geschäftsmanns Moritz Ponfick in St. Petersburg an, die er 1870/71 wegen seiner aktiven Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg unterbrach.

Nachdem er im Sommer 1871 zunächst in seine alte Stellung nach St. Petersburg zurückgekehrt war, trat er am 12. November 1872, gerade 23jährig, seine Tätigkeit als dritter Direktor der Norddeutschen Bank in Hamburg an. Diese damals neben der Vereinsbank bedeutendste Hamburger Aktienbank beschäftigte sich hauptsächlich mit der Finanzierung des Überseegeschäfts und besaß weitverzweigte Geschäftsinteressen in Südamerika. 1878 avancierte Schinckel als Nachfolger von Siegmund Hinrichsen zum zweiten Direktor und seit 1891 war er der Senior-Direktor der Bank.

Nicht zuletzt die Heirat mit der Tochter des Hamburger Großkaufmanns Gustav Berckemeyer verschaffte Schinckel den Zutritt in die Wirtschaftselite der Hansestadt. Es gelang ihm, die bedeutendsten Hamburger Reederfamilien Laeisz und Woermann, die bislang mit der Vereinsbank bzw. mit der Commerz- und Disconto-Bank zusammengearbeitet hatten, enger an die Norddeutsche Bank zu binden. Durch die Bekanntschaft mit Emil Russell konnte Schinckel die Disconto-Gesellschaft in Berlin gewinnen, sich mit der Norddeutschen Bank an einer Reihe von südamerikanischen Geschäften zu beteiligen, wie z.B. der Gründung der Brasilianischen Bank für Deutschland, der Großen Venezuela-Eisenbahngesellschaft und der Errichtung einer "Konversionskasse zur Stabilisierung der argentinischen Währung".

Als Experte für Auslandsgeschäfte stand er Adolph von Hansemann, dem Chef der Disconto-Gesellschaft, bei vielen Gelegenheiten beratend zur Seite. 1895 wurde schließlich die Norddeutsche Bank von der Disconto-Gesellschaft übernommen und in eine Kommandit-Gesellschaft auf Aktien umgewandelt, wobei die Norddeutsche Bank weiter unter ihrem bisherigen Namen firmierte. Schinckel wurde Geschäftsinhaber beider Institute, war jedoch weiter von Hamburg aus tätig. Bis zum Ersten Weltkrieg betreute er neben den traditionellen südamerikanischen Interessen und dem starken Engagement im Reedereiwesen vor allem das Geschäft in Hamburg.

1919 schied er aus dem aktiven Bankgeschäft aus, blieb aber in den Aufsichtsräten der Disconto-Gesellschaft und der Norddeutschen Bank, deren Vorsitzender er bis zur Fusion mit der Deutschen Bank 1929 war. Danach war er noch bis 1933 Ehrenpräsident des Aufsichtsrats des vereinigten Instituts.

Schinckel galt als Inbegriff eines Bankiers hanseatischer Prägung, bei ihm verbunden mit einer großen Begeisterung für Kaiser Wilhelm II. 1917 wurde Schinckel in den preußischen Adelsstand erhoben. Die Weimarer Republik und den gesellschaftlichen und kulturellen Wandel der Zwanziger Jahre lehnte er zutiefst ab: ”Die Zeiten haben sich eben geändert, bloß Herr von Schinckel nicht.” (Frankfurter Zeitung 1929) Unter den Geschäftsinhabern der Disconto-Gesellschaft zählte er zu den Konservativsten. Politisch engagierte er sich im ”Stahlhelm”.

Er fungierte als Aufsichtsratsvorsitzender u.a. bei folgenden Unternehmen: Bank für Chile und Deutschland, Brasilian. Bank für Deutschland, Dynamit AG, Hapag, Hamburg-Südamerik. Dampfschiffahrts-Gesellschaft und Norddeutsche Affinerie. 1907 wurde er Präsident der Hamburger Handelskammer. Er war Mitglied des Vorstands des Centralverbands des deutschen Bank- und Bankiergewerbes, Vorsitzender der Synode der evangelischen Landeskirche und Präsident des Hamburger Rennklubs (Pferdesport).


 



Schlieper, Gustaf

Lebensdaten:
28.02.1880 in Berlin - 24.08.1937 in Bühlerhöhe


Bank:
Disconto-Gesellschaft / Deutsche Bank


Funktion:
Geschäftsinhaber / Vorstand 1914-1937




Schlieper stammte aus einer Elberfelder Bankiersfamilie. Sein Vater Eugen Schlieper betrieb ein eigenes Bankhaus in Berlin. Nach einer Lehre im Bankhaus Georg Fromberg & Co ging er zur weiteren Ausbildung nach Amsterdam, London und New York. Anschließend unternahm er Studienreisen nach Mexiko und in die USA.

1902 trat er in die Berliner Zentrale der Disconto-Gesellschaft ein, wo er zunächst hauptsächlich im Chefkabinett tätig war. 1905 erhielt er Prokura. In dieser Zeit wirkte er an der Gründung der Kreditbank in Sofia mit, deren Aufsichtsratsvorsitzender er später wurde. Ab 1908 war er Direktor der Frankfurter Filiale der Disconto-Gesellschaft, bis er 1914 zum Geschäftsinhaber der Disconto-Gesellschaft berufen wurde.

Nach der Verschmelzung mit der Deutschen Bank gehörte er bis zu seinem Tod dem Vorstand des vereinigten Instituts an. Sein Arbeitsfeld erweiterte sich beträchtlich, als nach der Fusion von 1929 die oberste Leitung des gesamten Auslandsgeschäfts der Deutschen Bank in seine Hände überging. Hier konnte der weltgewandte Schlieper, der seine banktechnische Ausbildung vor allem im Ausland erworben hatte, seine Fähigkeiten voll entfalten. Er prägte den Begriff des "Kaufmännischen Idealismus", den gerade der in der Außenwirtschaft tätige Bankier besitzen müsse.

Eine wertvolle Plattform für seine Arbeit fand er in der Deutschen Ueberseeischen Bank (DUB), in der die spanischen und südamerikanischen Interessen der Bank zusammengefasst waren. Von 1933 bis zu seinem Tod war er Aufsichtsratsvorsitzender der DUB.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Schlieper durch die Stillhalteverhandlungen infolge der Bankenkrise von 1931 bekannt, als die ausländischen Banken versuchten, ihre kurzfristig nach Deutschland ausgeliehenen Gelder schlagartig zurückzuziehen. Sowohl in Basel, wo im August 1931 der erste Stillhaltevertrag über mehr als sechs Milliarden Reichsmark deutscher Auslandskredite abgeschlossen wurde, wie bei den späteren Stillhaltekonferenzen hat Schlieper die deutsche Delegation angeführt.

Darüber hinaus stellte er sich in einer Reihe von wichtigen außenwirtschaftlichen Gremien sowie im Beirat der Deutschen Golddiskontbank für allgemeine Aufgaben der Kreditwirtschaft zur Verfügung. Schliepers herausragende Leistungen für das Auslandsgeschäft der Disconto-Gesellschaft, die er ab 1929 in das vereinigte Institut einbrachte, trugen im wesentlichen dazu bei, die nach dem Ersten Weltkrieg schwer in Mitleidenschaft gezogenen internationalen Beziehungen wiederherzustellen. Die Nachfolge Schliepers im Auslandsgeschäft und in der Stillhaltekommission nahm ab 1938 der neu in den Vorstand berufene Hermann J. Abs wahr.

 



Schlitter, Oscar

Lebensdaten:
10.01.1868 in Lennep - 30.11.1939 in Berlin


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1912-1932, Vorsitzender des Aufsichtsrats 1933-1939




Schlitters väterliche Vorfahren stammten aus Schlitters im Zillertal (Tirol), gelangten als protestantische Glaubensflüchtlinge aber in den mitteldeutschen Raum. Schlitters Vater diente als Soldat und betrieb später in Lennep bei Remscheid eine Posthalterei. Nach Aufnahme des Bahnbetriebs wurde er Eisenbahnpostkondukteur. 1869 übersiedelte die Familie nach Düsseldorf. Oscar Schlitter verbrachte dort die Schulzeit und absolvierte im Anschluss daran eine kaufmännische Lehre.

1887 trat er in die "Bergisch Märkische Bank" ein, zunächst als Korrespondent, später in der Wertpapierabteilung. 1894 wechselte er zur "Essener Credit-Anstalt" über, die ihm als führende Industriebank des Reviers ein größeres Arbeitsfeld eröffnete. Schon 1901 rückte er dort in deren Vorstand auf. 1906 trat er auf Vermittlung von Carl Klönne als stellvertretendes Mitglied in den Vorstand der "Deutschen Bank" ein. 1908 wechselte er allerdings für vier Jahre zurück zur "Bergisch Märkischen Bank", die mittlerweile bereits eng mit der "Deutschen Bank" verbunden war.

Auf Grund seiner hervorragenden Kenntnisse der westdeutschen Industrie hielt man ihn für besonders geeignet, das industrielle Finanzierungsgeschäft der "Bergisch Märkischen Bank" zu leiten. Erst 1912 kehrte Schlitter wieder in den Vorstand der "Deutschen Bank" zurück nach Berlin zurück, wo er den Zusammenschluss der "Bergisch Märkischen Bank" mit der "Deutschen Bank" vorbereitete (1914). Es war dies die größte Fusion, die es bis dahin im deutschen Aktienwesen gegeben hatte und zugleich der Auftakt für weitere Bankenzusammenschlüsse, die das Filialnetz der Großbanken vergrößerten und erstmals zu einer wirklichen Präsenz in der Fläche führten.

In den folgenden Jahren war Schlitter an der Weiterentwicklung der industriellen Konzentration in Westdeutschland maßgeblich beteiligt, so u.a. bei der Schaffung der finanziellen Voraussetzungen zur Gründung der "Vereinigten Stahlwerke" und zur Neuordnung des Stummkonzerns. Schlitters Tätigkeit als Industriebankier blieb nicht auf die Montanindustrie beschränkt. Der Ausbau des Industriegeschäfts der Bank, brachte es mit sich, dass sich Schlitter auch Mandate für Unternehmen aus dem Kalibergbau, dem Maschinenbau und der Elektoindustrie wahrnahm, darunter den Aufsichtsratsvorsitz bei den Deutschen Kaliwerken, der Demag und bei Mannesmann. Sein Engagement galt weiterhin dem Versicherungsgewerbe. Innerhalb der "Nordstern"-Versicherungsgruppe war als Transaktion vor allem die Übertragung der "Vaterländischen" und "Rhenania" auf "Nordstern" von Bedeutung (1929); eine Maßnahme, die, nach dem Zusammenbruch der Frankfurter Versicherungs-AG, wesentlich zur Wiederherstellung des Vertrauens in die deutsche Versicherungswirtschaft beitrug.

Nach der Fusion der "Deutschen Bank" mit der "Disconto-Gesellschaft" blieb Schlitter noch drei Jahre im Vorstand des vereinigten Instituts, um Mitte 1932 in den Aufsichtsrat überzuwechseln, dessen Vorsitz er von 1933 bis 1939 - jährlich alternierend mit Franz Urbig - übernahm. Nach dem Tod von Eduard Mosler im August 1939 gab es Überlegungen, Schlitter als Vorstandsmitglied zu reaktivieren. Altersbedingt, aber auch vor dem Hintergrund der politischen Verhältnisse, wollte er diese Verantwortung aber nicht noch einmal übernehmen.

"Schlitter - das ist ein Mann der keine Feinde hat" war das über eine Führungspersönlichkeit im Bankgewerbe selten geäußerte Diktum. Sie galt einem Vorstand, der durch seine engen Kontakte zum westdeutschen Industrierevier - in der Nachfolge von Carl Klönne - der Deutschen Bank diese zentrale Wirtschaftsregion erschließen half. Seiner Neigung nach gelehrtem Diskurs ging Schlitter seit 1932 als Mitglied der Berliner "Mittwochsgesellschaft" nach.

 



Schmitz, Ronaldo H.

Lebensdaten:
1938


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1991-2000



Schneider-Lenné, Ellen Ruth

Lebensdaten:
28.05.1942 in Berlin - 25.12.1996 in Königstein


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1988-1996




Nach einem betriebswirtschaftlichen Studium begann Schneider-Lenné 1967 ihre Laufbahn bei der Deutschen Bank als Kredit-Sachbearbeiterin in der Filiale Hamm. 1971 sammelte sie erste Auslandserfahrungen als Delegierte der Deutschen Bank bei der European American & Trust Co. in New York. 1973 holte sie der damalige Vorstandssprecher Franz Heinrich Ulrich als seine Assistentin in die Zentrale. 1975 folgte ein zweiter Auslandsaufenthalt in London. Sie gehörte dem "Team London" an, das 1975/76 die Umwandlung der Londoner Repräsentanz in eine Filiale vorbereitete (als erste Auslandsfiliale der Deutschen Bank nach dem Zweiten Weltkrieg). 1980 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde sie 1985 - mittlerweile als Spezialistin für Außenhandelsfinanzierung ausgewiesen - Dezernentin für das Ressort Internationale Handelsfinanzierung in der Geschäftsleitung der Zentrale Internationale Abteilung. 1988 wurde Schneider-Lenné in den Vorstand der Deutschen Bank berufen, dem sie bis zu ihrem Tod angehörte. Hier war sie für die Ressorts Kreditrisikomanagement und Financial Institutions zuständig, im Inland fiel die Region Wuppertal im Ausland Großbritannien und Irland in ihre Verantwortung. Sie war Aufsichtsratsvorsitzende der AKA Ausfuhrkreditgesellschaft und betreute unter anderem Mandate bei der Industriebank von Japan AG und der Readymix AG für Beteiligungen.

Ellen Ruth Schneider-Lenné, die über ein ausgesprochenes Verhandlungsgeschick verfügte, war die erste Frau im Vorstand einer deutschen Großbank.

 



Schoeller, Alexander

Lebensdaten:
24.03.1852 in Elberfeld - 22.11.1911 in Berlin


Bank:
Disconto-Gesellschaft


Funktion:
Geschäftsinhaber 1884-1911




Alexander Schoeller gehört zu den wenigen Führungskräften, die vor der Fusion nacheinander sowohl für die Deutsche Bank als auch für die Disconto-Gesellschaft in leitender Stellung tätig gewesen sind.

Schoeller entstammte einer rheinisch-westfälischen Industriellenfamilie. Nach einer Lehre beim Elberfelder Bankhaus Arthur Blanck nahm er als Freiwilliger am Deutsch-Französischen Krieg teil. Es schlossen sich weitere Lehrjahre in Brüssel und London an.

Im Auftrag der Deutschen Bank reiste er Mitte der 1870er Jahre nach Montevideo, vermutlich im Zusammenhang mit der Deutsch-Belgischen La Plata Bank, an der sich die Deutsche Bank 1874 beteiligt hatte. Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er 1877 zum stellvertretenden Direktor der Deutschen Bank Filiale Hamburg ernannt, wo er allerdings schon 1880 ausschied, als er in die Leitung der Preußischen Seehandlung berufen wurde. Bereits 1881 führte er den Titel eines Geheimen Seehandlungsrats. In der Preußischen Seehandlung war er in erster Linie für das Konsortialgeschäft zuständig.

Seine hervorragende Kenntnis der Bank- und Kapitalmarktverhältnisse führte dazu, dass Adolph von Hansemann auf ihn aufmerksam wurde und Schoeller 1884 für die durch das Ausscheiden Emil Heckers vakant gewordene Stelle des fünften Geschäftsinhabers der Disconto-Gesellschaft gewann. Hier war er zunächst im Direktionsbüro tätig, in dem die Leitung des laufenden Geschäfts der Bank zusammengefasst war.

Nach dem Tod Adolph von Hansemanns sowie dem Ausscheiden Emil Russells und Alfred Lents aus der Geschäftsführung übernahm er 1903 als ältester Geschäftsinhaber das sogenannte Chefkabinett der Disconto-Gesellschaft, dem die allgemeine Geschäftsorganisation, die Beteiligungen, die Emissionsgeschäfte und die Pflege wichtiger Geschäftsbeziehungen außerhalb des laufenden Bankverkehrs unterstanden. Hier führte er auch Hansemanns Engagement in den Kolonialgebieten fort, etwa in der Neu-Guinea-Gesellschaft, der Schantung-Eisenbahn oder als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Otavi Minen AG. Weitere wichtige Mandate nahm er in den Aufsichtsräten der Banca Commerciale Italiana, der Preußischen Central-Bodenkredit AG und dem RWE wahr.

 



Schröter, Gustav

Lebensdaten:
11.07.1852 in Berlin - 18.11.1931 in Berlin


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1906-1925




Nach der kaufmännischen Lehre in einer Berliner Eisenhandlung und Metallwarenfabrik trat Schröter 1870 in den Berliner Bankverein ein, der 1875 als eines der ersten Bankhäuser von der Deutschen Bank übernommen wurde. Als die Deutsche Bank 1876 in das Quartier Behren-/Mauerstraße umzog, war der Depositenverkehr bereits so angewachsen, daß die Kasse als eigenständige Stadtfiliale - als erste Depositenkasse - am bisherigen Standort in der Burgstraße verblieb. Ihr Leiter wurde Gustav Schröter. 1881 erhielt er Prokura, 1900 wurde er zum stellvertretenden Direktor ernannt, 1906 in den Vorstand berufen.

In dem halben Jahrhundert seiner Tätigkeit für die Deutsche Bank war Schröter fast ausschließlich für das Depositengeschäft zuständig, woher sein Beiname "Vater der Depositenkassen" rührte; allein am Stammsitz der Deutschen Bank Berlin wurden im Laufe der Zeit über sechzig Stadtzweigstellen eingerichtet. Unter seiner Obhut wurden deren Aufgaben den sich verändernden Verhältnissen im Depositengeschäft angepasst. Schließlich konnte eine Depositenkasse fast die gleichen Dienstleistungen wie die Zentrale anbieten (mit Ausnahme des Konsorital- und des überseeischen Geschäfts). Ein besonderes Anliegen war Schröter die gründliche Schulung der Depositenkassenvorsteher (Filialleiter).

Seine Erfahrungen im Depositengeschäft machten Schröter zu einem großen Befürworter des bargeldlosen Zahlungs- und Scheckverkehrs. Schröter galt mit seinem Aufgabenbereich als ausgesprochener Innenarbeiter, der als Persönlichkeit außerhalb der Deutschen Bank kaum in Erscheinung trat.

 



Seeling, Otto

Lebensdaten:
01.03.1891 in Fürth - 28.02.1955 in Fürth


Bank:
Süddeutsche Bank AG


Funktion:
Aufsichtsratsvorsitzender 1952-1955




Otto Seeling wuchs als Sohn eines Handwerksmeisters in nur mäßigem Wohlstand auf. Nach Abschluss der Realschule (1908) absolvierte er eine kaufmännische Lehre und war von 1910-1913 in kaufmännischen Stellungen beschäftigt. Diese Jahre nutzte er zum Selbststudium; er machte das Abitur und studierte in Erlangen und Frankfurt a.M. Staatswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre. 1917 legte er an der Universität Frankfurt sein Diplomexamen ab. Anschließend wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Handelskammer Nürnberg und promovierte 1918 mit einer Arbeit über Industrieobligationen. Dadurch wurde man in Wirtschaftskreisen auf ihn aufmerksam. Er war zunächst Vertrauensmann der Außenhandelsstellen der Lederwirtschaft, der Glasindustrie und des Deutschen Buchgewerbes. 1923 wurde er Vorstandsmitglied der Tafel-Salin-und Spiegelglasfabriken AG in Fürth (seit 1932 Deutsche Tafelglas AG) und 1926 schließlich Vorstandsvorsitzender dieser Firma. Damit hatte er eine Spitzenposition in der süddeutschen Wirtschaft errungen, die er bis zu seinem Tode beibehielt, und die ihn auch bei den entstehenden größeren Interessenverbänden der deutschen Tafelglasindustrie, die teilweise seiner Initiative entsprangen, an die Spitze brachte. Seit 1934 stand er in enger Beziehung zur Deutschen Bank; zunächst als Mitglied des bayerischen Beirats, eine Funktion die er bis 1945 innehatte, und von 1952-1955 als Aufsichtsratsvorsitzender der Süddeutschen Bank AG, in München. Der Kontakt zur Deutschen Bank kam u.a. durch Hans Rummel zustande (Mitglied des Vorstands der Bank von 1933-1945), der seinerseits seit 1938 als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Tafelglas AG fungierte.


 



Sewing, Christian

Lebensdaten:
1970


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands seit 2015, stellvertretender Vorstandsvorsitzender 2017-2018, Vorstandsvorsitzender seit April 2018



Siemens, Georg von

Lebensdaten:
21.10.1839 in Torgau - 23.10.1901 in Berlin


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1870-1900 (Sprecher 1870-1900)




Georg von Siemens war die zentrale Gründerpersönlichkeit der Deutschen Bank. Er hat ihre Geschicke über drei Jahrzehnte maßgeblich gestaltet.

Der Sohn eines Juristen und preußischen Beamten hatte 1857 sein Abitur am Französischen Gymnasium in Berlin absolviert und dann Jurisprudenz in Heidelberg studiert, wo er auch - beruflich und politisch bereits arriviert - 1875 promoviert wurde. Nach Jahren als Referendar an preußischen Kreisgerichten, Militärdienst im preußisch-österreichischen Krieg und bestandenem Assessorexamen trat er 1867 in die Firma Siemens & Halske ein. Der Kontakt zu Werner von Siemens, dem Gründer des Elektrokonzerns und Vetter seines Vaters, gestaltete sich sehr eng, und so beauftragte dieser den jungen Mann, in den Jahren 1868/69 in London und Teheran für die Firma Siemens die Verhandlungen über den Bau der Indo-Europäischen Telegraphenlinie zu führen. Hier fiel Georg von Siemens durch sein großes Verhandlungsgeschick Adelbert Delbrück auf, dem Leiter des Bankhauses Delbrück Leo & Co. in Berlin. Delbrück betrieb damals zusammen mit dem nationalliberalen Politiker und Währungsexperten Ludwig Bamberger die Gründung einer Außenhandelsbank und suchte für sie einen Direktor. Delbrück schlug Siemens, obwohl bislang im Bankfach gänzlich ohne Erfahrung, für die Direktion der 1870 neugegründeten Deutschen Bank vor. Mit Hermann Wallich stand Siemens dabei ein erfahrener Bankkaufmann zur Seite.

Siemens erkannte schnell, dass die Deutsche Bank ihre Ziele, den Handels- und Zah­lungsverkehr mit dem Ausland zu stützen und auszubauen, nur erreichen konnte, wenn sie auf einer breiten inländischen Geschäftsgrundlage aufbaute. Diese schuf Siemens ab 1877 durch die Aufnahme des Depositengeschäfts, mit dem sich bislang nur Sparkassen systematisch befasst hatten, und sicherte damit der Deutschen Bank einen großen Vorsprung. Ihr Beispiel wurde richtunggebend für das gesamte deutsche Bankgewerbe. Siemens unterstützte das Depositengeschäft außerdem durch seine Bemühungen um die Entwicklung des Scheckverkehrs. Auf dieser Grundlage des Inlandsgeschäfts konnte die Bank ihr ursprüngliches Programm der Außenhandelsfinanzierung durchführen und durch die schon 1873 errichtete Filiale in London sowie durch die Gründung der Deutschen Ueberseeischen Bank (1886) und Deutsch-Asiatischen Bank (1889) erweitern.

Die Erfolge, welche die Deutsche Bank unter Georg Siemens' Leitung im Inlandsgeschäft erzielte, brachten es mit sich, daß schon im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts im Inland eine Reihe von Filialen entstanden (Bremen, Hamburg, Frankfurt, München) und mit anderen Banken enge Beziehungen geknüpft wurden. Beteiligungen an der Württembergischen Vereinsbank, am Schlesischen Bankverein und an der Bergisch Märkischen Bank wurden erworben. Damit entstand eine Bankengruppe, mit der Siemens auch an größere Finanzierungsaufgaben herantreten konnte. Unter diesen ragt die Mitwirkung bei der Schaffung der deutschen elektrotechnischen Industrie besonders hervor. Im Jahre 1887 übernahm die Deutsche Bank zusammen mit Delbrück Leo & Co. den größten Teil der Kapitalerhöhung der Deutschen Edison-Gesellschaft, die zugleich in Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft umbenannt wurde. Sieben Jahre gehörte er dem Aufsichtsrat der AEG an. Ebenso stellte er seine Erfahrungen den Unternehmungen der Siemens & Halske AG zur Verfügung. Gleichzeitig beteiligte sich die Deutsche Bank an einer Reihe bedeutender Elektrizitätswerke und Straßenbahnunternehmen. Auch an der Entstehung der Berliner Hoch- und Untergrundbahn hat Siemens noch entscheidend mitgearbeitet. Zusammen mit Max Steinthal wirkte er bei der Gründung der Mannesmannröhren-Werke mit.

Die Verbindungen, die Georg Siemens für die junge Deutsche Bank im Inland geknüpft hatte, führten frühzeitig auch ins Ausland. Die auf sein Betreiben in Zürich gegründete Bank für elektrische Unternehmungen leitete die Interessen der deutschen Banken auf das internationale Gebiet. Den Höhepunkt erreichte Georg Siemens' Auslandstätigkeit in der Beteiligung der Deutschen Bank an der Finanzierung des nordamerikanischen Eisenbahnbaus, insbesondere der Northern Pacific Railroad Company Als das Unternehmen 1893 nach Fehlspekulationen zusammenbrach, errichtete Siemens in New York ein Reorganisationskomitee für die Besitzer der Eisenbahnbonds. Unterdessen hatte Siemens in Deutschland eine Gesellschaft zum Schutz und zur Förderung deutscher Investitionen in den USA initiiert. Das Unternehmen wurde im März 1890 als Deutsch-Amerikanische Treuhand-Gesellschaft (seit 1892 Deutsche Treuhand-Gesellschaft) gegründet.

Immer weiter spannte sich der Bogen der großen Finanzgeschäfte, mit denen Siemens den internationalen Ruf der Deutschen Bank festigte: Anleihegeschäfte mit der Stadt Bukarest und dem Fürstentum Bulgarien, Mitwirkung bei der Gründung der Banca Commerciale Italiana (1894). Die von Siemens 1889 betriebene Gründung der Anatolischen Eisenbahn-Gesellschaft markiert den Beginn der Orientinteressen der Deutschen Bank, wenngleich Siemens dem Großprojekt Bagdadbahn lange mit großer Skepsis gegenüber stand. Für seine Leistungen in der Türkei wurde Siemens im Jahre 1899 der erbliche Adel verliehen.

Siemens' Wirken ging dabei auch weit über seine Tätigkeit für die Deutsche Bank hinaus. Über viele Jahre engagierte er sich u.a. im Verein Deutscher Banken und im Verein Berliner Kaufleute und Industrieller. Im Ausschuss des Deutschen Handelstages wirkte er am Scheckgesetz mit. Als Abgeordneter des Deutschen Reichstags, dem er über 13 Jahre zunächst für die nationalliberale, später für die freisinnige Fraktion angehörte, nahm er besonders zu Fragen der Bankenverfassung, der Münzgesetzgebung, der Börsensteuer und zur Erneuerung der Handelsverträge Stellung.

Dem vaterländischen Zeitgeist frönende Töne waren Siemens fremd. In der Deutschen Bank sah er ein international wirkendes Institut, nicht nur im Hinblick auf die territoriale Ausdehnung ihrer Geschäftstätigkeit, sondern auch bezüglich einer weltläufigen Gesinnung.

"Siemens war bei seinem Eintritt in die Deutsche Bank 1870 völlig fachfremd, verfügte aber über ein großes Selbstbewusstsein und, ausgerüstet mit großer Dynamik, weitausgreifende Pläne. Zudem war er gar kein Bankier im klassischen Sinne, also ein mit seinem persönlichen Kapital haftender Privatbankier, sondern ein einfacher Angestellter, ein, wie man dann sagte, Bankmanager, also ein ganz neuer Typus, und als ein solcher trug er in diese gepflegte und gediegene Welt der Privatbankiers, die die Bank im Frühjahr 1870 gegründet hatten, auch sprachlich einen ganz neuen, saloppen und zugleich aggressiven, dabei ironischen und selbstironischen Ton." (Lothar Gall)

Am Ende seiner Amtszeit, dreißig Jahre später, im Jahre 1900, war die Deutsche Bank die größte in Deutschland und auf dem Sprung, die größte der Welt zu werden. Nicht nur alle Privatbanken, sondern auch die bisherige unbestrittene Nummer Eins unter den Aktienbanken, die von David Hansemann 1851 gegründete Disconto-Gesellschaft, waren ebenso überflügelt worden wie die 1870 und 1872 gegründeten Konkurrenzinstitute Commerzbank und Dresdner Bank.

 

Zitate

"Von dem amerikanischen und indischen Bankgeschäft verstehe ich zwar wenig, ich tue indessen sehr gelehrt, zucke ab und zu die Achseln, ziehe das Maul bis an die Ohren - wenn ich nämlich spöttisch lache - und schlage zu Hause heimlich das Konversationslexikon resp. Fremdwörterbuch oder die Kunst, in 24 Stunden Bankier zu werden, auf, um nachzulesen, wenn ich ein mir unverständliches Wort hörte. Den Unterschied zwischen Brief und Geld habe ich denn auch schon annähernd erfasst."
(Siemens über seine anfängliche Unkenntnis des Bankgeschäfts)

"Wenn 24 Leute eine Bank leiten wollen, dann ist das wie mit einem Mädchen, das 24 Freier hat. Es heiratet sie keiner. Aber am Ende hat sie ein Kind!"
(Siemens über die Versuche des Verwaltungsrats, die Deutsche Bank zu leiten)


 


 



Sippell, Karl Ernst

Lebensdaten:
04.02.1889 in Bad Sooden-Allendorf - 02.05.1945 in Berlin


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstand 1933-1945




Sippell stammte aus einer Pfarrer- und Medizinerfamilie. Nach abgeschlossenem Jurastudium und Promotion trat Sippell im Jahre 1918 in das Chefkabinett der Disconto-Gesellschaft ein. Das Chefkabinett war das Spezialbüro des Hauses, in dem alle Fäden des großen Finanz- und Industriegeschäfts zusammenliefen und zugleich alle technischen Arbeiten erledigt wurden, die mit der Abwicklung des Emissions- und Konsortialgeschäfts zusammenhingen. Für einen jungen Bankkaufmann war es die hohe Schule der banque d'affaires, die mit ihren weitverzweigten Beziehungen in der in- und ausländischen Wirtschaft Gelegenheit zu umfassender Ausbildung bot.

Sippell erwarb sich in diesem Rahmen fundierte Kenntnisse und Erfahrungen, die zusammen mit seiner geschäftlichen Begabung dazu führten, dass er nach der Fusion von 1929 zum stellvertretenden Vorstandsmitglied der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft berufen wurde. Nach einjähriger Tätigkeit in der Leitung der Filiale Frankfurt am Main kehrte Sippell 1933 als Vorstandsmitglied nach Berlin zurück. Gebietsmäßig war er verantwortlich für Süddeutschland.

Zu seinen wichtigen Aufsichtsratsmandaten, die er vor allem von dem 1933 aus dem Vorstand gedrängten Theodor Frank übernahm, gehörten u.a. der Vorsitz bei der Heinrich Lanz AG in Mannheim und der Zellstofffabrik Waldhof, sowie der stellvertretende Vorsitz bei der Deutsch-Asiatischen Bank und der Süddeutschen Zucker AG. Außerdem war er nach 1933 zeitweilig für das Personalressort zuständig, ein Amt, das er aufgrund der vielen internen Auseinandersetzungen mit Parteimitgliedern 1938 gerne an Karl Ritter von Halt abgab.

Bei Kriegsbeginn wurde Sippell zur Wehrmacht eingezogen. Erst nach dem überraschenden Tod Johannes Kiehls gelang es Mitte 1944, Sippells endgültige Entlassung aus der Wehrmacht zu erreichen. Wieder in die Bank zurückgekehrt, oblag ihm in den letzten Kriegsmonaten u.a. die Leitung der Rechtsabteilung.

Sippell starb im Kampf um Berlin einen gewaltsamen Tod. Bei dem Versuch von seinem Privathaus in Grunewald zur Deutschen Bank-Zentrale in der Mauerstraße zu gelangen, wurde er am 2. Mai 1945 von russischen Soldaten erschossen.

 



Solmssen, Georg

Lebensdaten:
07.08.1869 in Berlin - 10.01.1957 in Lugano


Bank:
Disconto-Gesellschaft / Deutsche Bank


Funktion:
Geschäftsinhaber / Vorstand 1911-1934 (Sprecher 1933)




Als Georg Salomonsohn geboren, studierte der Sohn des früheren Geschäftsinhabers der Disconto-Gesellschaft Adolph Salomonsohn Rechtswissenschaften und promovierte mit einer Arbeit über die Bauhandwerkergesetzgebung zum Dr. jur. Als Gerichtsassessor schied er 1900 aus dem Staatsdienst aus und trat in die Disconto-Gesellschaft ein. Solmssen machte rasch Karriere: 1904 war er bereits Direktor und 1911 wurde er in das Gremium der Geschäftsinhaber, das Chefkabinett, aufgenommen. In der Disconto-Gesellschaft widmete sich Solmssen vor allem dem großen Industrie- und Konsortialgeschäft und pflegte insbesondere die Beziehungen zur westdeutschen Montanindustrie.

Solmssen reorganisierte den A. Schaaffhausen'schen Bankverein in Köln und bereitete die stufenweise Eingliederung dieser bedeutenden rheinischen Industriebank in den Konzern der Disconto-Gesellschaft vor. Nach der Verschmelzung 1914 war er eine Reihe von Jahren im Vorstand des Kölner Instituts tätig. Darüber hinaus galt seine Vorliebe neuen Wirtschaftszweigen, deren Aufbau ihn fesselte. So vertrat er die Petroleuminteressen der Bank in Rumänien und widmete sich den Geschäften der Deutschen Erdöl AG in Berlin.

Nach dem Ersten Weltkrieg hielt sich Solmssen wiederholt zu geschäftlichen Zwecken in Amerika auf. Er schloss, zum Wiederanschluss Deutschlands an das internationale Kabelnetz, für die Deutsch-Atlantische Telegraphen-Gesellschaft, deren Aufsichtsratsvorsitz er innehatte, verschiedene Verträge mit ausländischen Telegraphengesellschaften ab.

Der vitale und weltaufgeschlossene Bankier nahm trotz seiner Beanspruchung in der Bank und seiner zahlreichen Aufsichtsratsmandate in führenden Unternehmen der deutschen Wirtschaft auch an den Fragen des öffentlichen Lebens regen Anteil. So wurde Solmssen im Dezember 1930 zum Vorsitzenden des Centralverbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes gewählt und konnte bis 1933 die Interessen der Kreditwirtschaft in der Öffentlichkeit vertreten. Auch publizistisch war er sehr aktiv: Seine Schriften, Vorträge und Reden erschienen im Jahre 1934 als zweibändiges Werk unter dem Titel "Beiträge zur Deutschen Politik und Wirtschaft 1900-1933" und sind wichtige wirtschaftshistorische Augenzeugenberichte der damaligen Zeit.

Zum Thema Politik und Wirtschaft äußerte sich Solmssen u.a. 1931 auf einer Tagung des Centralverbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes in Berlin: "Politik und Wirtschaft sind heterogene Betätigungen, die sich ergänzen müssen, sich aber nicht decken dürfen. Verlassen Politik oder Wirtschaft die ihnen nach ihrem Wesen zugewiesenen Räume und geraten sich gegenseitig ins Gehege, so muß Unheil entstehen. Weder darf die Wirtschaft Politik treiben noch die Politik Wirtschaft."

Georg Solmssen wurde nach der Fusion der Deutschen Bank und der Disconto-Gesellschaft im Oktober 1929 Vorstandsmitglied des vereinigten Instituts.

Solmssen war bereits um die Jahrhundertwende konvertiert und hatte den jüdischen Namen Salomonsohn "verdeutscht", da er für seine Person nur in der vollständigen Assimilation eine Zukunft sah. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten setzte Solmssens Wirken dennoch ein Ende. In einem denkwürdigen Schreiben an den Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Urbig vom April 1933 äußerte sich Solmssen prophetisch über das kommende Schicksal der Wirtschaftselite jüdischer Herkunft: "Ich fürchte, wir stehen noch am Anfange einer Entwicklung, welche zielbewußt, nach wohlaufgelegtem Plane auf wirtschaftliche Vernichtung aller in Deutschland lebenden Angehörigen der jüdischen Rasse gerichtet ist." Zwar fungierte er 1933 auf der Hauptversammlung der Bank als deren Sprecher, doch 1934 musste er den Vorstand der Bank verlassen und gehörte dann noch bis 1937 ihrem Aufsichtsrat an. Schließlich emigrierte er in die Schweiz.

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Stauß, Emil Georg von

Lebensdaten:
06.10.1877 in Friedrichsthal - 12.12.1942 in Berlin


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1915-1932




Der Sohn eines Lehrers begann seine Laufbahn 1893 bei der Königlich Württembergischen Hofbank in Stuttgart. 1898 trat Stauß in die Deutsche Bank ein, wo er in der Berliner Zentrale in der Effektenverwaltung, im sogenannten "toten Depot", tätig war. Daneben hatte er eine Prüfung als Stenographielehrer absolviert. So fiel die Wahl auf ihn, als Georg von Siemens einen neuen Sekretär suchte. Damit begann Stauß' Karriere. Nach Siemens' Tod war er unter Arthur von Gwinner im Sekretariat der Bank tätig. Hier bearbeitete er die Gründung der Europäischen Petroleum-Union, in die die Deutsche Bank das Aktienkapital der rumänischen Steaua Romana einbrachte, und übernahm vorübergehend deren Leitung. Auch als er nach dem Ausscheiden Karl Helfferichs 1915 in den Vorstand der Deutschen Bank eingetreten war, blieb das Petroleumgeschäft bis zum Ende des Ersten Weltkrieges eines seiner wesentlichen Betätigungsfelder. Des weiteren war der versierte Kenner des Balkans und des Orients im Ersten Weltkrieg zuständig für die Verwaltung der von der Deutschen Bank initiierten Anatolischen Eisenbahn-Gesellschaft und widmete sich dem Weiterbau der Bagdadbahn. Im letzten Kriegsjahr noch geadelt, befasste er sich nach 1918 vor allem mit der Flug- und Automobilindustrie. Stauß war nicht nur Aufsichtsratsvorsitzender von Daimler-Benz, sondern seit 1925 auch von BMW. In dieser Eigenschaft überwachte er nicht nur die Entwicklung der Unternehmensfinanzen, sondern kümmerte sich sogar um Fragen der Produktpalette, Qualitätskontrolle und Vermarktung. Einen weiteren wichtigen Aufsichtsratsvorsitz nahm Stauß für die Vereinigten Glanzstoff-Fabriken wahr. In Erinnerung ist vor allem auch Stauß' Engagement bei der Gründung des bedeutendsten deutschen Filmunternehmens geblieben, der 1917 mit Hilfe von privatem und staatlichem Kapital errichteten Ufa, deren Aufsichtsratsvorsitzender er ebenfalls über viele Jahre war. Der Skandal um die Berliner Schultheißbrauerei, bei der Stauß als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender nicht angemessen reagierte, führte 1932 zum Rückzug aus dem Vorstand (eine Reihe von Banken hatten lebhafte Spekulationskäufe bei Schultheiß unternommen, obwohl eigentlich die Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft Emissionsbank des Unternehmens war). Dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank gehörte er jedoch bis zu seinem Tod an. Obwohl er nach 1932 nicht mehr in das Tagesgeschäft der Bank involviert war, behielt Stauß ein Büro in der Zentrale und kümmerte sich nach wie vor um die Interessen der Bank. Stauß galt als ausgesprochen politischer Bankier. Geprägt durch die umfassenden Erfahrungen, die er während des Kaiserreichs und der Weimarer Republik gewonnen hatte, sah er in seinem Engagement für die Politik vor allem die Aufgabe, Verbindungen zur Regierung aufzubauen, unabhängig davon, welche Gestalt diese Regierung hatte. Er war Mitglied der Deutschen Volkspartei, für die er 1930 in den Reichstag gewählt wurde. Seine politische Betätigung setzte sich auch im Nationalsozialismus fort, ohne dass er jemals der NSDAP beitrat. 1933 wurde er von Hermann Göring, zu dem er eine persönliche Freundschaft pflegte, in den Preußischen Staatsrat berufen. Seit 1934 war er Vizepräsident des Reichstags. "Im ungünstigen Wirtschaftsklima der Zwischenkriegszeit die 'aufgehenden Sterne' - Filmindustrie, Autobranche, Luftfahrt - zum Leuchten zu bringen, war keine leichte Aufgabe, und so kurzsichtig Stauß in seinem politischen Urteil gewesen sein mag, über die Art und Weise, wie er die ihm anvertrauten Unternehmen voranzubringen versuchte, läßt sich viel Gutes sagen. Die Geschichte der Beziehungen zwischen Deutscher Bank und Automobilindustrie in der Zwischenkriegszeit ist jedenfalls in weitesten Teilen seine Geschichte." (Gerald D. Feldman)



Steinmüller, Werner

Lebensdaten:
1954


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands seit 1. August 2016



Steinthal, Max

Lebensdaten:
24.12.1850 in Berlin - 08.12.1940 in Berlin


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1873-1905, Vorsitzender des Aufsichtsrats 1923-1932




Mit Georg von Siemens und Hermann Wallich gehört Max Steinthal zu den wichtigsten Persönlichkeiten aus der Frühzeit der Deutschen Bank. Nach dem Besuch der König-Städtischen Realschule begann der Sohn eines jüdischen Berliner Großkaufmanns 1866 eine Lehrzeit im Bankhaus A. Paderstein. Nach seiner Lehre war er zunächst im Börsengeschäft tätig. Bereits im Jahre 1871 erhielt Steinthal Einzelprokura und ein Jahr später wurde er zum Direktor des aus seiner Lehrfirma hervorgegangenen A. Paderstein'schen Bankvereins.

Zur Deutschen Bank kam Steinthal durch die Reisebekanntschaft mit Hermann Wallich. Dieser empfahl ihn Georg von Siemens. Als Siemens den jungen Mann zu einem Gespräch in die Deutsche Bank einlud, fragte er ihn: "Also Sie wollen Prokurist der Deutschen Bank werden?" "Nein", erklärte Steinthal daraufhin, "nicht Prokurist sondern Direktor". Am 13. September 1873 wurde Max Steinthal neben Georg von Siemens und Hermann Wallich Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bank. Durch die Tätigkeit Steinthals war die Deutsche Bank bald in der Lage, sich einen guten Platz im internationalen Devisengeschäft zu erobern. Bis 1876 wurden die Silberkäufe der Reichsregierung ausschließlich durch die Deutsche Bank vermittelt. Steinthal kümmerte sich in jener Zeit aber auch um die Pflege des einheimischen Kontokorrent- und Finanzierungsgeschäfts. Gleichzeitig organisierte er das Börsengeschäft der Deutschen Bank. In der Periode von 1873 - 1880, in der das Aktienkapital der Deutschen Bank unverändert blieb, stieg der Anteil des Effektenumsatzes der Zentrale an dem Gesamtumsatz der Bank von 9,7 % auf 16,4%. Die große Rolle, die in Berlin das Arbitragegeschäft spielte, ist ebenfalls der Pionierarbeit Steinthals zu verdanken.

Nach etwa zwei Jahrzehnten ihres Bestehens begann die Deutsche Bank auf breiterer Grundlage als bisher ihre Emissionstätigkeit auch auf die Finanzierung industrieller Unternehmungen auszudehnen. Steinthal kennzeichnete bei dem Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit in der Deutschen Bank im Dezember 1898 diese Wandlung mit den Worten: "Bisher haben wir Bankdirektoren Geschäfte gemacht, die wir verstanden; jetzt befassen wir uns mit Dingen, in die wir uns erst einarbeiten müssen". Diese Quintessenz resultierte aus der Erfahrung, die Steinthal als Leiter einiger Syndikatsbeteiligungen an industriellen Unternehmungen gesammelt hatte. Es waren dies Geschäfte, deren erste Anfänge in die 1880er Jahre fielen, aber hauptsächlich in der Zeit nach 1890 an Steinthals Arbeitskraft und Ausdauer große Anforderungen stellten. Eines der bedeutendsten Werke Steinthals war die Umwandlung der im Besitz der Familie Mannesmann befindlichen Werke in Remscheid, Bous und Komotau in die Aktiengesellschaft Deutsch-Österreichische Mannesmann-Röhrenwerke AG und die nachfolgende Reorganisation des Unternehmens. Die Deutsche Bank war im Juni 1890 auf Anregung von Werner von Siemens an die Spitze dieses Umwandlungskonsortiums getreten. Nach dem Tode Werner von Siemens', der der erste Mannesmann-Aufsichtsratsvorsitzende war, trat im Jahre 1896 Steinthal an dessen Stelle. Weitere Engagements Steinthals galten der Görz-Gesellschaft im südafrikanischen Goldbergbau mit zahlreichen Beteiligungen, der Deutsch-Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft sowie den Bayerischen Stickstoffwerken, die zur Nutzbarmachung des Verfahrens der Stickstoffgewinnung aus der Luft gegründet wurden. Steinthal war auch entscheidend an der Finanzierung und dem Ausbau der 1897 gegründeten Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin beteiligt, in deren Aufsichtsrat er zunächst als stellvertretender Vorsitzender und von 1908 ab als Vorsitzender fungierte. Die neue Gesellschaft konnte auf den Plänen von Werner von Siemens aufbauen, der schon im Jahre 1880 den Bau einer Hochbahn in Berlin geplant hatte. In organisatorischer Angliederung an die Hochbahngesellschaft wurden auf Betreiben und unter Führung der Deutschen Bank die Gesellschaft Neu-Westend-Aktiengesellschaft für Grundstücksverwertung und die Bodengesellschaft am Hochbahnhof Schönhauser Allee AG errichtet. Im Jahre 1900 brach die Preußische Hypotheken-Actienbank, die noch ein Jahr zuvor unter allen Berliner Hypothekeninstituten den größten Pfandbriefabsatz hatte, wegen einer langjährigen Misswirtschaft zusammen. Am 12. Dezember 1900 bildete sich auf Betreiben der Deutschen Bank die "Vereinigung zum Schutze der Inhaber von Pfandbriefen der Preußischen Hypotheken-Actienbank", um zunächst die einzelnen Pfandbriefbesitzer zur Vertretung ihrer gemeinsamen Interessen zusammenzuführen. Bereits im Mai 1901 konnte Steinthal der Versammlung der Schutzvereinigung das Fazit der Untersuchungen darlegen und einen Reorganisationsplan vorschlagen. Steinthals große wirtschaftliche Leistung bestand darin, daß er das Vertrauen in den deutschen Pfandbrief- und Hypothekenmarkt erhielt und gleichzeitig verhinderte, dass damals mehr als 350 Millionen Mark der deutschen Volkswirtschaft verloren gingen.

Als Steinthal Ende 1905 aus dem Vorstand der Deutschen Bank ausschied und in den Aufsichtsrat überwechselte, dessen Vorsitz er in den Jahren 1923-1932 übernahm, hatte er über drei Jahrzehnte die Entwicklung der Deutschen Bank zum führenden Kreditinstitut Deutschlands entscheidend mitgestaltet und auch die gesamte deutsche Wirtschaft mit wichtigen Impulsen bereichert. Diese überragenden Verdienste, die er für das deutsche Bankwesen in sechzig Jahren erworben hatte, galten im Nationalsozialismus nichts mehr. Im Mai 1935 schied er aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank aus, um der Bank, wie er es formulierte, keine Schwierigkeiten zu machen. Zur Emigration konnte sich Steinthal, der zeitlebens seine Heimatstadt Berlin niemals länger als für ein paar Wochen verlassen hatte, trotz rapide sich verschlechternder Lebensverhältnisse nicht entschließen. Steinthal starb zwei Wochen vor seinem 90. Geburtstag in einem Berliner Hotelzimmer, nachdem er im Jahr zuvor sein Anwesen in Charlottenburg zwangsweise hatte verkaufen müssen. 2004 fand im Jüdischen Museum Berlin eine Ausstallung statt, die dem Bankier und Kunstsammler Max Steinthal gewidmet war.

 



Strauß, Frank

Lebensdaten:
1970


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands seit dem 1. September 2017




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Letzte Änderung: 25.7.2018
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