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Personen

Waller, Hermann

Lebensdaten:
04.01.1873 in Dinslaken - 03.03.1922 in Berlin


Bank:
Disconto-Gesellschaft


Funktion:
Geschäftsinhaber 1911 - 1922




Seine berufliche Laufbahn begann Hermann Waller in Duisburg, wo er bei dem Bankhaus S. Meyer & Co. als Kassierer tätig war. Diese Firma ging im Herbst 1897 auf die Filiale Duisburg der Rheinischen Bank über, die kurz zuvor in Mülheim a. d. Ruhr mit Leo Hanau als Vorsitzendem und August Thyssen als stellvertretendem Vorsitzenden gegründet worden war. Von diesem Institut wurde ein sehr umfangreiches internationales Effektengeschäft betrieben, das in der Krise des Jahres 1901 schwere Rückschläge erlitt. Als im Zusammenhang damit die Duisburger Filiale geschlossen wurde, ging Waller nach Mannheim, wo er in einem Alter, in dem andere noch in der Ausbildung und Entwicklung begriffen sind, in den Vorstand der damals noch als Notenbank tätigen Badischen Bank eintrat. Dank seiner Energie gelang es, aus einem in veralteten Formen arbeitenden Betrieb ein modernes Bankunternehmen zu gestalten. Im Jahre 1905 verließ Waller die Badische Bank, um einem Ruf der Disconto-Gesellschaft nach Berlin zu folgen. Am 1. April 1911 rückte er zum Geschäftsinhaber der Bank auf. Sein besonderes Arbeitsgebiet lag im Börsengeschäft und in der zentralen Gelddisposition. Daneben gehörte die Pflege der Beziehungen zu den der Disconto-Gesellschaft nahestehenden Banken zu seinem Betätigungsgebiet. So vertrat er die Disconto-Gesellschaft u. a. im Aufsichtsrat der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft in Mannheim, der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt und der Bank für Thüringen. Noch vor Vollendung seines 50. Lebensjahres erlag Waller einem Herzleiden. Sein Sohn Herbert Waller war von 1933 bis 1938 Vertreter der Deutschen Bank in New York. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung kehrte er nicht nach Deutschland zurück, sondern blieb in den USA. Sein Bruder Gert Waller, der einige Zeit bei der Deutschen Bank in Berlin tätig gewesen war, verließ Deutschland 1937, und Anfang 1941 gelang die Ausreise der Mutter Rosa Waller geb. Strauß in die USA. Später lebte sie in Zürich und London, wo sie 1959 verstarb.
 


 



Wallich, Hermann

Lebensdaten:
28.12.1833 in Bonn - 30.04.1928 in Berlin


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1870 - 1894




Hermann Wallich ist neben Georg von Siemens und Max Steinthal die dritte Persönlichkeit, die die Entwicklung der Deutschen Bank von der Gründungsphase bis zur Jahrhundertwende maßgeblich gestaltet hat. Wallich stammte aus einer seit Jahrhunderten im Rheinland ansässigen jüdischen Familie. Seine berufliche Laufbahn begann er 1850 als Lehrling beim Bankhaus Jacob Cassel in Bonn. 1854 ging er nach Paris, wo sein Onkel ein Bankgeschäft unterhielt. 1860 wechselte er in das neu gegründete Pariser Bankhaus Trivulzi, Holländer & Co. Ende 1862 bewarb er sich um einen Direktorenposten beim Pariser Comptoir d'Escompte und leitete ab 1864 dessen Zweigniederlassung in der französischen Kolonie Réunion. 1867 ging er für den Comptoir d'Escompte nach Shanghai, wo es ihm gelang, die heruntergewirtschaftete Filiale erfolgreich zu reorganisieren. 1870 verließ Wallich den Comptoir d'Escompte und kehrte nach Europa zurück. Ludwig Bamberger, einer der prominenten Gründer der Deutschen Bank, empfahl, ihn in die Geschäftsleitung des neu gegründeten Instituts aufzunehmen. Die Deutsche Bank gewann in ihm einen Mitarbeiter, der die Technik des Auslandsgeschäfts souverän beherrschte. Er baute das Übersee- und Remboursgeschäft der Bank auf. Er war verantwortlich für die Einrichtung der Filialen in den Hafenstädten Bremen (1871) und Hamburg (1872) sowie die Eröffnung der Niederlassungen in Shanghai, Yokohama (beide 1872) und London (1873). Das Engagement im überseeischen Geschäft der Deutschen Bank fand seinen ersten Höhepunkt in der Gründung der Deutschen Uebersee Bank (1886), der späteren Deutschen Ueberseeischen Bank. Neben dem Aufbau des Auslandsgeschäfts befasste sich Wallich vor allem mit der Errichtung und Pflege des Depositenverkehrs. Nach seinem Austritt aus dem Vorstand der Deutschen Bank 1894 gehörte er noch bis zu seinem Tod im hohen Alter von 94 Jahren ihrem Aufsichtsrat an. Sein Vorstandskollege Max Steinthal charakterisierte den Bankier Wallich folgendermaßen: "Er kannte lange Jahre den täglichen Stand des Obligos mit jedem Debitor, er brauchte die Bücher nicht ad hoc nachzusehen, er war immer orientiert, teils durch seinen Instinkt, teils durch anscheinend absichtsloses Blättern in den Büchern. Sein unglaubliches Gedächtnis, in dem auch alle Phasen komplizierter Finanzgeschäfte geordnet beieinander lagen, machte ihn so zu einem lebendigen Kompendium für die Deutsche Bank."



Wassermann, Oscar

Lebensdaten:
04.04.1869 in Bamberg - 08.09.1934 in Garmisch


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1912 - 1933 (Sprecher 1923 - 1933)




Wassermann entstammte einer etablierten und angesehenen jüdischen Bankiersfamilie in Bamberg. Anders als etwa Georg Solmssen hielt Wassermann zeitlebens an seiner jüdischen Herkunft fest und brachte der zionistischen Bewegung großes Interesse entgegen, etwa mit seiner Unterstützung des Palästina-Aufbaufonds „Keren Hajessod“.
Das Bankgeschäft erlernte er zuerst im väterlichen Bankhaus und baute anschließend dessen Filiale in Berlin auf. Die Deutsche Bank berief den inzwischen bekannt gewordenen Fachmann im Wertpapierhandel 1912 in den Vorstand, wo er zusammen mit Paul Mankiewitz das Börsengeschäft betreute. Ein Spezialgebiet fiel ihm außerdem mit der Behandlung des Hypothekenwesens zu. Hier vertrat er die Bank in den Aufsichtsräten verschiedener Hypothekenbanken. Auf dem Gebiet der Industriefinanzierung widmete er sich besonders der Kali- und der Schiffahrtsindustrie, deren verwickelte Probleme er mit großem Geschick zu meistern verstand. Nach dem Ersten Weltkrieg richteten sich Wassermanns Anstrengungen vor allem darauf, die Bank durch die Inflation und die anschließenden Jahre, die durch die angespannte Lage an den Kapitalmärkten geprägt waren, hindurchzuführen. Er spielte darüber hinaus eine maßgebliche Rolle bei der Pflege der internationalen Beziehungen der Bank. Wassermann war Mitglied des Generalrats der Reichsbank und beriet die Regierung vielfach in Fragen des Geld- und Währungswesens. So entwarf er 1922 einen Plan zur Lösung der Reparationsfrage des Reiches, der jedoch nicht berücksichtigt wurde. Auch im Centralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes vertrat Wassermann als stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes die Interessen der Kreditwirtschaft. In einer großen Rede auf dem Bankiertag 1925 präsentierte er die grundlegenden und repräsentativen Ansichten der Berliner Bankenwelt. So erklärte er unter anderem, der Spekulation komme zwar eine wichtige wirtschaftliche Funktion zu, dennoch sei es nicht Aufgabe des Bankiers zu spekulieren, denn "wer spekuliert, denkt notwendigerweise subjektiv, der Bankier sollte aber stets objektiv und kühl bleiben". Von 1923 bis 1933 war Wassermann Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Entscheidenden Einfluss nahm er auf die Fusion der Deutschen Bank mit der Disconto-Gesellschaft im Jahre 1929. Die Verschmelzung der beiden größten deutschen Banken erregte damals im In- und Ausland großes Aufsehen. Wassermann hielt die Fusion für unbedingt notwendig, da sie aus dem "Zwang der Rationalisierung" entstanden sei. Die Bankenkrise sollte schließlich zeigen, dass die Fusion gerechtfertigt war und die solide Kapitalbasis und die hohen Reserven dem vereinigten Institut den erforderlichen Rückhalt gaben. Die bald einsetzende Weltwirtschafts- und Bankenkrise zeigte, dass die Fusion gerechtfertigt war und die solide Kapitalbasis und die hohen Reserven dem vereinigten Institut den erforderlichen Rückhalt gaben. Die Rolle Wassermanns während der Bankenkrise 1931 ist bis heute umstritten. Ihm wurde vorgeworfen, er habe der in der Krise zusammengebrochenen DANAT-Bank die Hilfe verweigert, um einen lästigen Konkurrenten auszuschalten. Neuere Forschungen haben diesen Vorwurf größtenteils zurückgewiesen. Die Deutsche Bank steuerte er jedenfalls vergleichsweise unbeschadet durch diese existentielle Krise des Kreditwesens.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war die Verdrängung Wassermanns aus dem Vorstand der Deutschen Bank, zumal in seiner besonders hervorgehobenen Position als Sprecher des Unternehmens, nur eine Frage der Zeit, auch wenn offiziell altersbedingte Gründe für sein Ausscheiden angegeben wurden. Um die Form zu wahren, sollte Wassermann ursprünglich noch bis Ende 1933 im Amt bleiben, schließlich entschloss sich jedoch der Vorstand, seinen Rücktritt schon vor der Hauptversammlung im Juni 1933, deren Leitung Wassermann als Vorstandssprecher oblegen hätte, bekanntzugeben. Wassermann starb bereits im folgenden Jahr.
2005 erschien die biographische Studie „Oscar Wassermann und die Deutsche Bank. Bankier in schwieriger Zeit“ des israelischen Historikers Avraham Barkai.

 



Weiss, Ulrich

Lebensdaten:
03.06.1936 in Bremen


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1979-1998



Wintermantel, Fritz

Lebensdaten:
26.04.1882 in St. Georgen - 25.07.1953 in Bühlerhöhe


Bank:
Deutsche Bank


Funktion:
Mitglied des Vorstands 1933-1945




Wie seine Vorstandskollegen Rummel und Rösler stammte Fritz Wintermantel aus eher einfachen Verhältnissen. Sein Vater betrieb im Schwarzwald eine Posthalterei, die mit dem Aufkommen des Eisenbahnverkehrs ihre Existenzgrundlage verlor. 1896 begann Wintermantel eine Lehre beim Schwarzwälder Bankverein in Villingen, die er später in Triberg fortsetzte. Danach verbrachte er zur Erweiterung seiner Kenntnisse zwei Jahre in Paris und London. Ende 1902 trat er als Handlungsgehilfe in die Deutsche Bank ein, wo er in der Berliner Zentrale zunächst in der überseeischen Abteilung tätig war. Dort befasste er sich hauptsächlich mit den Rembourskrediten und den Geschäften der Waren- und Zuckerabteilung. 1912 erhielt er Prokura, 1917 wurde er Abteilungsdirektor. Die Berufung zum stellvertretenden Vorstandsmitglied erfolgte 1927, zum ordentlichen Vorstandsmitglied 1933. Wintermantel übernahm die Leitung der Berliner Stadtzentrale, in der das sehr umfangreiche Depositen- und Kreditgeschäft der Bank in der Hauptstadt zusammengefaßt war. Zu den von ihm betreuten Filialen gehörten die Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck. Wintermantels wichtige Mandate waren der Vorsitz in den Aufsichtsräten von Orenstein & Koppel und Knorr-Bremse. Bei Kriegsende war Wintermantel das einzige von den in Berlin verbliebenen Vorstandsmitgliedern, das von den Russen nicht verhaftet wurde und noch in der Zentrale weiter arbeiten konnte, wenn auch unter ständiger Kontrolle. Erst im Frühjahr 1946 verließ er Berlin und übernahm die Leitung des "Führungsstabs" Hamburg, der in Erwartung der kommenden Entwicklung schon zu Beginn des Jahres 1945 als Ausweichstelle gebildet worden war, um die Aufgaben der stillgelegten Berliner Zentrale für die westdeutschen Filialen weiterzuführen. Als der Führungsstab Hamburg mit der Großbankenentflechtung in der britischen Zone 1948 aufgelöst wurde, trat Wintermantel in die Geschäftsleitung der neu geschaffenen Rheinisch-Westfälischen Bank in Düsseldorf ein und übernahm nach deren Umwandlung zur Aktiengesellschaft 1952 den Vorsitz im Aufsichtsrat.




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Letzte Änderung: 15.5.2017
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