Zur Entwicklung der Niederlassungen der Deutschen Bank

Zum Zeitpunkt ihrer Gründung im Jahr 1870 hatte die Deutsche Bank nur ein einziges Geschäftslokal in der Französischen Straße in Berlin. Doch schon bald entstanden die ersten Filialen in den beiden Hansestädten Bremen und Hamburg.

Die damals noch sehr bescheidene Zentrale ließ sich in der Behrenstraße nieder, wo man in das repräsentative Gebäude der gerade übernommenen Deutschen Union-Bank einziehen konnte. Eine Depositenkasse, so der früher geläufige Name für Zweigstellen in Großstädten, blieb im bisherigen Gebäude in der Burgstraße.

1871 eröffnete die Deutsche Bank in Bremen die erste Filiale, 1872 in Hamburg die zweite. Ebenfalls 1872 entstanden auch Niederlassungen in Shanghai und Yokohama, zwei fernöstliche Exoten, die bereits wenige Jahre später wieder geschlossen werden mussten. Dauerhafter war der Sprung in die europäische Finanzmetropole London, wo die Deutsche Bank 1873 ihre Pforten öffnete.

In den nächsten Jahrzehnten blieb die Filialentwicklung noch sehr bescheiden. Im Inland kamen bis um die Jahrhundertwende weitere Niederlassungen in Frankfurt am Main (1886), München (1892), Leipzig und Dresden (1901) hinzu. Im Ausland war die Bank in Konstantinopel (1909) und Brüssel (1910) präsent.

Erst mit der Übernahme größerer Regionalbanken, der Bergisch Märkischen Bank, dem Schlesischen Bankverein und der Norddeutschen Creditanstalt, und deren Filialnetzen kam es ab 1914 zu einem ersten großen Anstieg von Niederlassungen.

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In Südamerika und Ostasien entwickelte sich durch die Gründung von Tochterbanken (Deutsche Ueberseeische Bank 1886 und Deutsch-Asiatische Bank 1889) ebenfalls ein ansehnliches Filialnetz. Hierbei handelte es sich jedoch um keine direkten Niederlassungen der Deutschen Bank.

Die große Fusion mit der Disconto-Gesellschaft im Oktober 1929 erhöhte die Zahl der Niederlassungen beträchtlich, zumal im Rahmen der Verschmelzung in die neue "Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft" (Name bis 1937) weitere Kreditinstitute mit ihren Filialen einbezogen wurden, darunter die Rheinische Creditbank, die Süddeutsche Disconto-Gesellschaft, die Norddeutsche Bank und die Osnabrücker Bank.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Zahl der Niederlassungen auf etwa 300 gestiegen, darunter die Hälfte Filialen mit der vollen Palette der geschäftlichen Aktivitäten. Die andere Hälfte bestand aus sogenannten Zweigniederlassungen, meist an kleineren Orten, die über ein reduziertes Angebot verfügten. In den deutschen Großstädten existierten zusätzlich fast 200 Stadtdepositenkassen, allein in Berlin über 60. Trotz dieser beachtlichen Entwicklung gab es vor dem Krieg noch ganz deutliche regionale Schwerpunkte in der Filialverteilung. Die hochentwickelten Industrie- und Handelsregionen im Westen und Südwesten Deutschlands verfügten bereits über ein sehr dichtes Filialnetz, während die Deutsche Bank in eher ländlichen Regionen, ohne nennenswerte Großunternehmen, kaum vertreten war, so gab es etwa in ganz Mecklenburg vor 1945 keine einzige Niederlassung der Bank.

Nachdem es 1938 durch die Übernahme der sudetendeutschen Filialen der Böhmischen Union-Bank noch einmal zu einem nennenswerten Anstieg der Zahl der Niederlassungen gekommen war, begannen 1942 kriegsbedingte, umfangreiche Filialschließungen. 1945 war das Ende für alle mittel- und ostdeutschen Niederlassungen gekommen. Die letzte verbliebene ausländische Filiale (Istanbul) war 1944 geschlossen worden.

In den Westzonen konnten die meisten Niederlassungen weiterarbeiten, zwischen 1947/48 und 1957 allerdings nicht unter dem Namen Deutsche Bank, sondern als Niederlassung einer der zehn (ab 1952 drei) Nachfolgeinstitute der von den Alliierten zerschlagenen Bank.

Nach der Wiedererrichtung der Deutschen Bank, vor allem aber seit ihrem Einstieg in das breite Privatkundengeschäft ab 1959, stieg die Zahl der Filialen in den folgenden Jahrzehnten kräftig an. 1970 war die Deutsche Bank, einschließlich der Stadtzweigstellen, an über 1000 Plätzen vertreten. Ein nahezu flächendeckendes Netz von Niederlassungen der Deutschen Bank in der Bundesrepublik wurde in diesen Jahren Wirklichkeit.

Die Wiedervereinigung Deutschlands führte zu einer Rückkehr der Deutschen Bank an viele vertraute Plätze; 1990 startete sie (zunächst noch unter dem Namen Deutsche Bank-Kreditbank AG) ihre Geschäftstätigkeit mit 140 Niederlassungen in den Neuen Bundesländern.

Im Ausland war die Deutsche Bank, aufgrund der Erfahrungen aus zwei Weltkriegen, mit einer direkten Präsenz zunächst sehr zurückhaltend. Zwar existierten ab Mitte der 1950er Jahre wieder eine Reihe von Repräsentanzen, die erste richtige Filialeröffnung erfolgte jedoch erst 1976 in London (die 1873 errichtete Londoner Filiale hatte im Ersten Weltkrieg schließen müssen).

Jetzt etablierte sich die Bank mit eigenen Niederlassungen schrittweise an den wichtigen Finanzplätzen der Welt, 1979 auch in New York.

Ab 1986 kam es mit der Übernahme ausländischer Banken, bzw. der Gründung von 100%igen Tochtergesellschaften auch im Ausland zur Ausbreitung in der Fläche.

In Italien, Spanien und in Polen, bestehen inzwischen landesweite Filialnetze. Während die Zahl der Niederlassungen in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre rückläufig war, ist sie nach mehreren Übernahmen (Berliner Bank, norisbank, Postbank) wieder stark angestiegen. 2011 war der Deutsche Bank-Konzern weltweit an 3078 Standorten vertreten, davon 2039 am Heimatmarkt Deutschland.

 

 


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Letzte Änderung: 21.6.2012
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