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Am 2. Mai 1959 herrschte an den Schaltern der Deutschen Bank großer Andrang. Erstmals in ihrer Geschichte bot die Bank Kleinkredite für jedermann an. Dies war der Startschuß für den Einstieg in das Privatkundengeschäft auf breiter Basis. Das Datum markierte einen grundlegenden Einschnitt in der Geschäftstätigkeit des gesamten Unternehmens.


Zwar hatte die Deutsche Bank schon seit ihren frühen Tagen Privatkundengeschäft betrieben. Geprägt wurde dieses jedoch durch Kunden mit überdurchschnittlichem Einkommen, selbständigen Kaufleuten und Freiberuflern. In erster Linie galt die Deutsche Bank als Kreditinstitut für große Unternehmen, Konzerne und Institutionen.

Am Beginn des später so bezeichneten "Mengengeschäfts" stand im Oktober 1958 ein Appell des damaligen deutschen Wirtschaftsministers Ludwig Erhard an die Vertreter des privaten Bankgewerbes, die er zur Einräumung von Personalkrediten aufforderte. Schon im Frühjahr des kommenden Jahres reagierte die Deutsche Bank mit der Einführung des "Persönlichen Klein-Kredits" (PKK) für jedermann bis 2.000 DM. Zeitgleich mit der Dresdner Bank und der Commerzbank öffnete sie sich einem breiten Privatpublikum. In den folgenden Jahren offerierte sie schrittweise eine umfassende Palette standardisierter Bankdienstleistungen für den typischen Bedarf von Arbeitnehmerhaushalten, etwa das "Persönliche Anschaffungs-Darlehen" (PAD) ab 1962 und das "Persönliche Hypotheken-Darlehen" (PHD) ab 1968.


Auch wenn das sogenannte Mengengeschäft zunächst von vielen - innerhalb und außerhalb der Bank - als "Kleingärtner"- oder "Dienstmädchen-Geschäft" belächelt wurde, zählte es bald zu den wichtigsten Geschäftsbereichen der Bank und führte zu tiefgreifenden Änderungen der Kundenstruktur. Die Öffnung der Großbanken für das Privatkundengeschäft mit jedermann kam einer Kulturrevolution gleich "Wo kann ich mir hier die 2.000 Mark abholen?" war eine häufig gestellte Frage potentieller Neukunden in den ersten Wochen nach Einführung des Persönlichen Klein-Kredits.


Beim Start des Mengengeschäfts 1959 hatte die Bank 250.000 Privatkunden, dreißig Jahre später waren es 5,5 Millionen. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Summe der vergebenen Kredite im Privatkundenbereich von 0,5 auf 59 Milliarden DM.
Neue Vertriebswege - etwa der Einsatz von rollenden Zweigstellen oder die Einrichtung von Autoschaltern - sollten Kundennähe im wahrsten Sinne des Wortes schaffen.


Gleichzeitig begann die Deutsche Bank ihre lokale Präsenz flächendeckend über die Bundesrepublik auszubreiten. 1959 war die Bank an 364 Plätzen vertreten, ein Jahrzehnt später konnte die 1000. Niederlassung eröffnet werden.


Die Werbebroschüre hielt ihren Einzug und wurde zum Spiegelbild für die immer breitere Angebotspalette im standardisierten Privatkundengeschäft und die Ansprache bestimmter Zielgruppen, z. B. Frauen, junge Kunden, ausländische Kunden.


Mit der Akquisition der Banca d'America e d'Italia im Jahr 1986 übernahm die Deutsche Bank erstmals ein weitverzweigtes Filialnetz mit einem großen Stamm an Privatkunden im Ausland. Auch in Spanien und Polen hat die Deutsche Bank inzwischen eine flächendeckende Niederlassungs-Präsenz aufgebaut, die das Geschäft mit privaten Kunden mit einschließt.

Durch die elektronischen Medien veränderte sich die Beziehung zwischen Kunde und Bank grundlegend. Selbstbedienungseinrichtungen wie Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker akzeptierten viele Kunden rasch als selbstverständlich.


Mit dem Start in den Neuen Bundesländern begann 1990 ein turbulentes Jahrzehnt für das Privatkundengeschäft. 1995 ging die filiallose "Bank 24" an den Start, eine wichtige Etappe bei der Erprobung alternativer Vertriebswege. 1999 wurde das Retail Banking selbständig. Die Deutsche Bank gliederte den Bereich Privat- und Geschäftskunden in die "Bank 24" aus, die gleichzeitig in "Deutsche Bank 24" umbenannt wurde.


Als Multikanalbank sollten sich in ihr die Vorteile einer modernen Direktbank mit denen einer klassischen Filialbank verbinden. Drei Jahre später folgte die Reintegration unter die Dachmarke und das Logo der Deutschen Bank. Die "Deutsche Bank 24", das Private Banking, Teile des Firmenkundengeschäfts sowie der Online-Broker "maxblue" wurden im Oktober 2002 in dem Unternehmensbereich Private and Business Clients - PBC - zusammengeführt.


Hatte ab Mitte der 1990er Jahren die Zahl der Bankfilialen abgenommen, wurde in den letzten Jahren wieder kräftig in diesen klassischen Beratungsort investiert. Seit 2002 heißen die Niederlassungen der Deutschen Bank "Investment und FinanzCenter".


2005 wurde in Berlin-Mitte "Q110 - Die Deutsche Bank der Zukunft" als Pilotprojekt und Ausgangspunkt für eine aktive Weiterentwicklung des modernen Bankgeschäfts eröffnet. Die Bank hat in das Konzept dieser Niederlassung - deren Innenleben kaum noch an eine Bankfiliale erinnert - auch Elemente aus anderen Branchen, wie dem Einzelhandel, einbezogen.


Gleichzeitig wurde die Expansion im Ausland fortgesetzt. Mit der Aufnahme des Privatkundengeschäfts in China und Indien konnte die Deutsche Bank diesen Geschäftszweig in den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Erde etablieren.


In ihrem Heimatmarkt haben sich für das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank weit reichende Wachstumsperspektiven ergeben: 2006 durch die Übernahme der norisbank und der Berliner Bank, 2008 durch den Einstieg bei der Postbank.

Das Geschäftsmodell im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank besteht heute aus zwei zentralen Säulen: dem anspruchsvollen Beratungsgeschäft - dem "Advisory Banking" - und dem eher standardisierten Mengengeschäft - dem "Consumer Banking".