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Rheinische Creditbank (1870-1929)

Die Rheinische Creditbank wurde 1870 von einem kleinen Gründerkreis in Mannheim ins Leben gerufen: Neben dem Mannheimer Lokalpolitiker Friedrich Reiß gehörten diesem der Heidelberger Hochschullehrer Caspar Bluntschli und der Bankier Kilian Steiner, der nur ein Jahr zuvor die Württembergische Vereinsbank in Stuttgart mitbegründet hatte, an. Die konstituierende Generalversammlung der Rheinischen Creditbank fand am 15. Juni 1870 statt. Das Aktienkapital über 10,5 Millionen Gulden wurde in drei Währungen festgelegt, um damit den für Mannheim relevanten Geldmärkten Rechnung zu tragen: Süddeutschland, einschließlich Frankfurt am Main, mit der Guldenwährung, Norddeutschland, einschließlich Berlin, mit der Talerrechnung, sowie dem Schweizer und dem über Straßburg zu erschließenden französischen Kapitalmarkt.

Mitte Oktober 1870 nahm die Bank ihre Tätigkeit auf. Zunächst beschränkte sich die Rheinische Creditbank darauf, die Stadt Mannheim sowie den Handel und die Industrie vor Ort mit notwendigen Krediten zu versorgen. Ihrer selbst gestellten Aufgabe, ganz Baden mit Bankdienstleistungen zu versorgen, kam die Rheinische Creditbank schon bald durch die Gründung von Filialen in den wichtigsten Städten nach. Eine erste Filiale konnte die Bank bereits am 1. Juli 1871 in Freiburg eröffnen. Weitere Filialen wurden 1872 in Karlsruhe, 1873 in Konstanz und 1874 in Heidelberg errichtet. 1898 fusionierte die Rheinische Creditbank mit der Kaiserslauterer Bank und errichtete ihre erste Filiale in der Pfalz. 1899 wurden weitere Niederlassungen in Offenburg, Straßburg und Lahr durch die Übernahme regionaler Bankhäuser errichtet.

Auf das Jahr 1899 gehen auch die Geschäftsbeziehungen der Rheinischen Creditbank mit der Firma Benz & Co., Rheinische Gasmotorenfabrik zurück. Unter Mitwirkung der Rheinischen Creditbank wurde am 8.Juni 1899 die Umgründung in die Benz & Cie, Rheinische Gasmotorenfabrik AG, vollzogen.

Ende 1904 ging die Rheinische Creditbank die bedeutendste Fusion in ihrer bisherigen Geschichte ein: Sie übernahm die Oberrheinische Bank, die durch den Zusammenbruch der Aktiengesellschaft für chemische Industrie in Mannheim stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. Durch diese Transaktion wurde die Rheinische Creditbank nicht nur zur führenden Kreditbank Süddeutschlands mit einem beträchtlich erweiterten Filialnetz, sie verfügte nun außerdem über direkte Verbindungen zur Deutschen Bank, die seit 1898 eine Interessengemeinschaft mit der Oberrheinischen Bank eingegangen war. War der Geschäftskreis der Bank bislang vor allem auf den südwestdeutschen Raum begrenzt, so wurde sie nunmehr stärker in das nationale und internationale Geschäft, z.B. durch Konsortialbeteiligungen, einbezogen.

Die Expansion der Rheinischen Creditbank ging weiter: In den Jahren 1906 bis 1909 übernahm sie das Pforzheimer Privatbankhaus Julius Kahn & Co., das Bankgeschäft A. Sulzberger in Konstanz, die Gewerbebank in Speyer, den Schwarzwälder Bankverein in Triberg sowie das Bankhaus Schneider & Co. in Pirmasens. 1911 traf die Rheinische Creditbank ein Arrangement mit ihrem schärfsten Konkurrenten auf linksrheinischem Gebiet, der Pfälzischen Bank in Ludwigshafen. Durch den Abschluß dieser Interessengemeinschaft war die Rheinische Creditbank zweifellos zum dominierenden Kreditinstitut in Baden, im Elsaß und der bayerischen Pfalz aufgestiegen. Herzstück ihrer Geschäftsbeziehungen waren vor allem ihre zahlreichen bedeutenden Industriekontakte in Mannheim und Ludwigshafen, wo sich mit dem Fahrzeughersteller Benz & Cie. Rheinische Automobil- und Motorenfabrik AG und den chemischen Fabriken der BASF zukunftsträchtige Unternehmen niedergelassen hatten.

Im Jahre 1921 geriet die Pfälzische Bank in Zahlungsschwierigkeiten aufgrund von Devisenspekulationen ihrer Münchner Filiale. Nur durch das sofortige Eingreifen der Rheinischen Creditbank und der Deutschen Bank konnte ein Zusammenbruch der Bank mit unabsehbaren Folgen für die Wirtschaft Süddeutschlands verhindert werden. Die Liquidation der Pfälzischen Bank wurde in der Weise durchgeführt, daß ihre Zweigstellen in Frankfurt am Main und in Bayern von der Deutschen Bank, alle übrigen Niederlassung von der Rheinischen Creditbank übernommen wurden. Für die Rheinische Creditbank bedeutete die Fusion mit der Pfälzischen Bank den größten Expansionsschritt ihrer Geschichte. Mit einem Schlag erweiterte sie ihr Zweigstellennetz um 50 Niederlassungen. Durch diese gewaltige Ausdehnung konnte die Bank zwar ihr Geschäftsfeld deutlich erweitern, doch zugleich hatte sie ihren Verwaltungsaufwand auch beträchtlich erhöht.

Der Abstand zum schärfsten Konkurrenten der Rheinischen Creditbank, der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft, hatte sich durch Krieg und Inflation stark verringert. Die Entscheidung über die Zukunft der Rheinische Creditbank wie auch ihrer Konkurrentin, der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft, fiel im Jahre 1929. In die Fusion der beiden Berliner Großbanken, die am 29. Oktober 1929 genehmigt wurde, waren auch die beiden Mannheimer Regionalbanken eingebunden. Bereits am 28. Oktober 1929 hatte die Generalversammlung der Rheinischen Creditbank den Fusionsvertrag einstimmig angenommen. Die Aktien der Creditbank wurden im Verhältnis 4:3 in Aktien der Deutschen Bank umgetauscht. Die ehemalige Zentrale der Rheinischen Creditbank firmierte fortan als Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, Filiale Mannheim. Der Name „Rheinische Creditbank“ verschwand nach fast 60 Jahren aus der Bankenwelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand er - in der Schreibweise leicht abgewandelt -noch einmal für kurze Zeit Verwendung, als die drei deutschen Großbanken durch die Alliierten aufgelöst und in regionale Nachfolgeinstitute umgewandelt wurden. Das Nachfolgeinstitut der Deutschen Bank in Rheinland-Pfalz trug von 1947 bis 1952 den Namen Rheinische Kreditbank.