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Prof. Dr. Lothar Gall: Frauen in der Bank - Ein historischer Rückblick (PDF)
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Mitarbeiterinnen in den 1920er Jahren
"Die Weiberwirtschaft einiger hiesiger Großbanken ist sehr zu verwerfen" - so kommentierte 1914 ein Bankangestellter in Berlin die Arbeit seiner Kolleginnen. Was ihn auch immer zu diesem Stoßseufzer veranlaßte, Tatsache war, Frauen hatten es schwer, überhaupt in einer Bank Fuß zu fassen. Der Beruf des Bankkaufmanns blieb bis in die Mitte der zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts eine Domäne des männlichen Geschlechts. In Deutschland wurden im Jahre 1878 im gesamten Bankgewerbe gerade vier weibliche Lehrlinge gezählt. Eine Banklehre setzte eine höhere Schulbildung voraus, die den Mädchen traditionell verwehrt blieb. Sie konnten daher nur als Ungelernte mit niedrigen Gehältern eingestellt werden.



Reinigungskräfte in der Berliner Zentrale 1930
In den Jahren nach 1900 wurden erstmals weibliche Mitarbeiter als Telefonistinnen und Stenotypistinnen bei der Deutschen Bank eingestellt (weibliches Reinigungs- und Kantinenpersonal hatte die Bank bereits seit ihren Anfängen beschäftigt).



Telefonistinnen, Hamburg 1929
Die erste "Beamtin", d.h. eine Mitarbeiterin die eine Banklehre, bzw. kaufmännische Ausbildung durchlaufen hatte, ist für das Jahr 1913 nachgewiesen. Erst während des Ersten Weltkrieges und der anschließenden Inflationszeit mit ihrem erhöhten Bedarf an Büropersonal kamen Frauen in größerer Zahl in die Banken. Sie arbeiteten überwiegend als Hilfskräfte an den Büromaschinen, die im Zuge der zunehmenden Automatisierung eingesetzt wurden. Die Deutsche Bank beispielsweise beschäftigte im Jahre 1927 8.363 männliche und 2.082 weibliche Tarifangestellte sowie 711 männliche und 150 weibliche Lehrlinge. Unter den 1.245 Direktoren, Prokuristen und sonstigen Oberbeamten befand sich allerdings noch keine einzige Frau.



Buchhaltung, Filiale Frankfurt 1930
Die Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1929 bis 1932 erhöhte die Arbeitslosigkeit unter den Angestellten erheblich, wobei die der Frauen stärker als die der Männer anstieg. Hier lag der Höhepunkt einer bereits seit Mitte der 1920er Jahre andauernden Agitation gegen die Erwerbstätigkeit verheirateter Frauen, gegen das sogenannte Doppelverdienertum.



Registratur, Filiale Frankfurt 1930
Die Nationalsozialisten griffen zunächst die üppig wuchernden Ressentiments gegen die weibliche Erwerbstätigkeit auf und propagierten die Beschränkung der Frauen auf Haushalt, Familie und Kinder. Dies sollte durch Ehestandsdarlehen gefördert werden, wenn die Ehefrau bei die Berufstätigkeit aufgab.



Scheckkontrolle, Hamburg
Ab 1936 versuchte die nationalsozialistische Regierung jedoch, den wachsenden Arbeitskräftemangel, auch im Angestelltenbereich, durch Frauenarbeit auszugleichen. So fiel 1937 auch das weibliche Beschäftigungsverbot bei Gewährung eines Ehestandsdarlehens. Im Zweiten Weltkrieg wurde schließlich die Berufstätigkeit aller Frauen - auch der verheirateten - vom Staat weiter forciert. Dabei verstärkte sich der Zustrom der Frauen in die Büros.



Mitarbeiterinnen der Filiale Homburg (Saar) 1943
In der Deutschen Bank z.B. stieg die Zahl der weiblichen Angestellten von rd. 2 200 (Ende 1934) auf rd. 3 400 (Ende 1940), das waren 14,4 bzw. 17,6 % der aller Angestellten. Die Ansichten zur Berufstätigkeit der Frau haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg und erst recht im Zuge der Emanzipationsbewegung vollständig geändert.



Buchungsraum, Berlin 1957
Bereits im Jahre 1956 waren im privaten Bankgewerbe der Bundesrepublik von 100 Tarifangestellten 45 Frauen; heute stellen Frauen in den Banken die Hälfte oder mehr als die Hälfte der Belegschaft. Bis eine "Karriere" für Frauen möglich wurde, sollten jedoch noch einige Jahre vergehen. So startete die Deutsche Bank z.B. 1973/74 eine Kampagne "Frauen in Führungspositionen". 1988 trat mit Ellen R. Schneider-Lenné die erste und bislang einzige Frau in den Vorstand der Deutschen Bank (und einer deutschen Großbank überhaupt) ein.