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Französische Str. 21
Im "Direktionskabinett", einem halbdunklen Zimmer eines nicht gerade repräsentativen Mietshauses in der Französischen Straße 21 in Berlin saßen sich am 9. April 1870 zwei Männer gegenüber, die man gerade in den Vorstand einer neugegründeten Bank berufen hatte.

Die Herren sahen sich an, und einer fragte den anderen: "Haben Sie eigentlich eine Ahnung vom Bankgeschäft?" Beide verneinten und brachen in Lachen aus. Es war der Eröffnungstag der Deutschen Bank.



Georg von Siemens
Einer der beiden neuen, im Bankwesen noch unerfahrenen Vorstandsmitglieder war der 30jährige Gerichtsassessor Georg von Siemens, der einige Tage später schrieb: "Von dem amerikanischen und dem indischen Bankgeschäft verstehe ich zwar wenig; ich tue indessen sehr gelehrt, und schlage zu Hause heimlich das Konversationslexikon respektive Fremdwörterbuch oder "Die Kunst, in 24 Stunden Bankier zu werden" auf, um nachzulesen, wenn ich ein mir unverständliches Wort höre. Den Unterschied zwischen Brief und Geld habe ich denn auch schon annähernd erfaßt."



Herrmann Wallich
Dem ersten "Vorstand" der Deutschen Bank - zunächst noch Direktion genannt - gehörten neben Siemens zwei weitere Mitglieder, Wilhelm Platenius und Hermann Wallich, an.

Von einem eigenständigen Handeln der Direktion konnte freilich keine Rede sein. Das eigentliche Sagen in der Bank hatte der 24köpfige Verwaltungsrat, bzw. ein daraus gewählter "Fünferausschuß", der sich kräftig in die Tagesgeschäfte einmischte. Siemens und seine Kollegen konnten z.B. keine Geschäfte über 1000 Mark eigenständig tätigen.

Siemens kritisierte denn auch die Versuche des Verwaltungsrats, das Unternehmen zu führen, mit einem Vergleich: "Wenn 24 Leute eine Bank leiten wollen, dann ist das wie mit einem Mädchen, das 24 Freier hat. Es heiratet sie keiner. Aber am Ende hat sie ein Kind!"

Erst die Aktienrechtsreform von 1884 sicherte die Entscheidungskompetenz des Vorstandes und beschränkte die Funktionen des Verwaltungsrates, der jetzt die Bezeichnung Aufsichtsrat erhielt, im wesentlichen auf Kontrolltätigkeiten.

Für das laufende Geschäft zeichnete nunmehr allein der Vorstand verantwortlich.



Arthur von Gwinner
Zur Tradition und zum "Stil" der Deutschen Bank gehörte es im übrigen, daß alle Beschlüsse im Vorstand einstimmig gefaßt wurden, und daß der jeweilige Sprecher des Vorstands keinen herausgehobenen Titel führte.

Arthur von Gwinner, der die Sprecherfunktion in den Jahren 1910 bis 1919 ausübte, schrieb 1912 an das "Berliner Tageblatt": ...ich bitte freundlichst, mich nicht als Generaldirektor zu bezeichnen. Die Deutsche Bank hat nie einen solchen gehabt und wird auch, solange ich Mitglied des Vorstandes bin, keinen erhalten. Unsere Verfassung ist eine demokratische."

Die Reihe der Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank begann mit Georg von Siemens und führte über Rudolph von Koch, Arthur von Gwinner, Paul Mankiewitz, Oscar Wassermann, Georg Solmssen, Eduard Mosler, Karl Kimmich zu Oswald Rösler, der von 1942 bis 1945 amtierte.



Hermann J. Abs
Nach der Wiedererrichtung der Deutschen Bank 1957 übernahm Hermann J. Abs bis 1967 die Funktion des Sprechers. Ihm folgten mit Karl Klasen und Franz Heinrich Ulrich das erste Mal in der Geschichte der Bank gleichzeitig zwei Vorstandssprecher.

Nachdem Klasen 1969 zum Bundesbankpräsidenten ernannt worden war, übte Franz Heinrich Ulrich das Amt bis 1976 wieder allein aus. Nach ihm amtierten mit F. Wilhelm Christians und Wilfried Guth erneut zwei Sprecher.

Alfred Herrhausen nahm die Sprecherfunktion ab 1985 bis zu seiner tragischen Ermordung am 30. November 1989 wahr - bis Mai 1988 noch zusammen mit F. Wilhelm Christians. Von Dezember 1989 bis Mai 1997 war Hilmar Kopper Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank.



Josef Ackermann
Ihm folgte von 1997 bis 2002 Rolf-E. Breuer. Am 22. Mai 2002 übernimmt Josef Ackermann das Amt des Vorstandssprechers. Mit ihm steht erstmals ein Schweizer an der Spitze der Deutschen Bank. Seit Februar 2006 ist er Vorstandsvorsitzender.