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Aktie der Northern Pacific Railway Company
Die Deutsche Bank übernahm für 20 Mio. Dollar Bonds der Northern Pacific. Noch 1883 sanken die Aktienkurse der Eisenbahn jedoch in einem Ausmaß, das Villard zwang, die Leitung der Gesellschaft abzugeben. Ein Syndikat unter Führung des Bankhauses Morgan, dem auch die Deutsche Bank beitrat, führte der Northern Pacific neue Mittel zu. 1886 begann die Deutsche Bank mit der Einführung dieser Bonds an der Berliner Börse und plazierte in den nächsten Jahren weitere Anleihen auf dem deutschen Kapitalmarkt. Einflußmöglichkeiten auf die Geschäftsführung der Northern Pacific gewann sie allerdings dadurch nicht. Siemens legte freilich in seinen amerikanischen Geschäften weiterhin Wert auf das Urteil und den Rat Henry Villards und fragte ihn 1886, ob er die Interessen der Deutschen Bank in New York wahrnehmen wolle. Villard nahm das Angebot an, bedeutete es für ihn doch die Rehabilitierung in der New Yorker Finanzwelt [Wallstreet]. Er startete sein Comeback und wurde 1887 wieder in den Board der Northern Pacific gewählt.

Die Situation der Northern Pacific änderte sich freilich nicht: Sie blieb in ständigen finanziellen Schwierigkeiten. 1893 brach das Unternehmen völlig zusammen. Die Lage war für die Deutsche Bank so ernst, daß Siemens noch einmal persönlich nach New York reisen mußte. Seine Frau schrieb darüber im August 1893: "Georg gedenkt Ende des Monats nach New York zu gehen, und so froh ich auch bin, daß er somit zehn Tage hin und zehn Tage zurück die erfrischende Seeluft hat, so froh werde ich auch sein, wenn er erst wieder zurück ist und diese ganze schwere Sorge hinter sich hat. Diese Northern Pacific hat ihm weder Tag noch Nacht Ruhe gelassen. Es ist die Unsicherheit, was drüben passieren mag und wie wohl wirklich alles ist, die ihn so quält. Und dann täglich die vielen Briefe voller Vorwürfe von all denen, die auch solche Papiere haben. Eine böse Zeit für den armen Mann." Siemens errichtete in New York ein Reorganisationskomitee für die Besitzer der Eisenbahnbonds. Den Vorsitz übernahm der Bankier Edward D. Adams, der bis zum Jahre 1914 die Interessen der Deutschen Bank in den Vereinigten Staaten vertreten sollte. Henry Villard schied 1893 endgültig aus der Northern Pacific aus, auch sein Engagement für die Deutsche Bank war beendet.




Gründungsstatut der Deutsch-Amerikanischen Treuhand-Gesellschaft
Unterdessen hatte Siemens in Deutschland eine Gesellschaft zum Schutz und zur Förderung deutscher Investitionen in den USA initiiert - einen "Rechtsanwalt auf Aktien", wie er es nannte. Das Unternehmen wurde im März 1890 als Deutsch-Amerikanische Treuhand-Gesellschaft AG gegründet und 1892 in die Deutsche Treuhand-Gesellschaft umgewandelt. Es ist die älteste deutsche Gesellschaft im wirtschaftlichen Prüfungs- und Treuhandwesen. "Wohl durch keinen anderen Fehlschlag seiner Unternehmungen ist Georg von Siemens jemals so schwer getroffen und erschüttert worden, wie durch den Zusammenbruch der Northern Pacific", so urteilte sein Biograph, Karl Helfferich. Der Eisenbahnbau war im 19. Jahrhundert ein ähnlich spekulatives Geschäft wie die Immobilienbranche es heute ist. Siemens setzte freilich damals einen großen Teil seines persönlichen Vermögens ein und kaufte von enttäuschten Investoren die Anteilsscheine zurück - ein Hinweis dafür, wie sich in dieser Frühphase der Aktienbanken auch angestellte Bankmanager, wie Siemens dies im rechtlichen Sinne war, gleichsam "moralisch" als persönlich haftende Bankiers alten Stils verstanden.



James Hill
Zunächst ging die Talfahrt der Northern Pacific jedoch weiter, bis sich 1895 ein Zusammengehen mit James Hill ergab, dem Präsidenten des größten Konkurrenzunternehmens. Hill hatte die Great Northern Railway, deren Strecke größtenteils parallel zur Northern Pacific verlief, durch straffe Leitung zu einem profitablen Unternehmen gemacht und schien der Deutschen Bank deshalb ein geeigneter Partner zu sein. Die geplante Fusion scheiterte jedoch im November 1895 am Minnesota Supreme Court, der sie für unvereinbar mit den geltenden Antitrust-Gesetzen erklärte. Schließlich einigte man sich auf eine Art "Defensivbündnis" und vereinbarte, dem Konkurrenten nicht direkt zu schaden. Die Northern Pacific blieb damit unabhängig. Ihre Reorganisation und finanzielle Konsolidierung führten Siemens und sein Vorstandskollege Arthur von Gwinner schließlich gemeinsam mit dem mächtigen Bankier John Pierpont Morgan durch. 1896 hatte der Kurs der Bonds wieder die Höhe des Einführungskurses erreicht, und bereits 1897 konnte die Deutsche Bank im Geschäftsbericht verkünden, daß die Northern Pacific Railroad Company mit der Auszahlung von Dividenden begonnen habe.



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