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Henry Villard
Die Deutsche Bank kam in eine enge Verbindung mit dem schillernden Eisenbahnmagnaten Henry Villard. Er stammte aus Deutschland und hatte sich aus kleinen Verhältnissen an die Spitze mehrerer Eisenbahngesellschaften hinaufgearbeitet.



Vollendung des Northern Pacific Railway 1883
Er lud Georg Siemens 1883 in die USA ein - es war ein regelrechtes Expeditionskorps, das sich in Bremerhaven einschiffte, um gemeinsam mit Villard im Fernen Westen der USA mit geradezu byzantinischem Aufwand die Vollendung der Northern Pacific Railroad zu feiern. Aber im Überschwang lag der Niedergang bereits begründet.



Deutsche Bank Mitarbeiter vor den Niagara-Fällen
Siemens sah die Risiken zwar deutlich, gewann aber einen positiven Eindruck von den Entwicklungsmöglichkeiten der Gesellschaft. Er setzte sich für eine Beteiligung der Deutschen Bank an der Northern Pacific ein. So wurde das Jahr 1883 der Ausgangspunkt für das nordamerikanische Konsortialgeschäft der Deutschen Bank in den folgenden drei Jahrzehnten.

Die Northern Pacific blieb natürlich nicht die einzige Bahn, für die sich die Deutsche Bank engagierte oder mit der sie Geschäftsbeziehungen unterhielt, aber sie war diejenige, die dem Vorstand die meisten Sorgen machte. Sie geriet immer wieder in Schwierigkeiten, weil sie mehr investierte als sie finanzieren konnte. Die Risiken des Engagements waren bereits deutlich absehbar, als die Deutsche Bank 1890 die Gründung der Deutsch-Amerikanischen Treuhand-Gesellschaft anstieß. Sie sollte, wie der Geschäftsbericht der Bank es formulierte, "ein Concentrationspunkt werden, um welchen sich die europäischen Besitzer amerikanischer Actien und Bonds gruppiren können, wenn es sich um juristische und finanzielle Vertretung ihres Besitzes im regelmäßigen Geschäft oder in Nothlagen handelt."




Aktie der Northern Pacific Railway Company
Eine solche Notlage trat 1893 ein: Die Northern Pacific wurde zahlungsunfähig.
Siemens sah sich im Interesse der deutschen Investoren gezwungen, persönlich die Sanierung zu bewerkstelligen. Mit Hilfe eines internationalen Konsortiums wurde die Gesellschaft auf eine solide finanzielle Basis gestellt.

Es kam zum Bruch mit Villard, der persönlich nichts riskiert oder verloren hatte: »Was mir am meisten für Sie leid tut, ist, daß Sie bei dem Zusammenbruch der Northern Pacific ein reicher Mann geblieben sind«, schrieb Siemens ihm ungewohnt bissig.




Edward D. Adams
In dem profilierten Bankier und Industriellen Edward D. Adams dem Vorsitzenden des Reorganisations-Komitees für die Northern Pacific, gewann die Deutsche Bank den Mann, der für die nächsten zwanzig Jahre, bis zum Ersten Weltkrieg, ihre Interessen in den Vereinigten Staaten wahrnehmen sollte.

Eine eigene Niederlassung in den Vereinigten Staaten hatte die Bank allerdings nicht. Zwar wurde 1914 erwogen, eine Filiale in New York zu eröffnen, um den durch den Ersten Weltkrieg bedingten Ausfall des Finanzplatzes London auszugleichen, doch geriet diese Idee niemals in das Stadium konkreter Planungen.



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