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Singapur
1906 wurde die Filiale der Deutsch-Asiatischen Bank in Singapur eröffnet
Am 16. Juni 1906 eröffnete die Deutsch-Asiatische Bank eine Filiale in Singapur. Die Deutsch-Asiatische Bank war 1889 von einem Konsortium von dreizehn Kreditinstituten – unter Beteiligung der Deutschen Bank – als Spezialinstitut für den ostasiatischen Markt gegründet worden. Ihr Hauptsitz war Shanghai, doch bald kam eine Reihe von Filialen in China, Indien und Japan hinzu. Auch eine Eröffnung in Singapur wurde erwogen, zunächst aber zugunsten von japanischen Niederlassungen zurückgestellt. Singapur hatte aber weiterhin Befürworter, darunter besonders nachdrücklich den dortigen deutschen Generalkonsul. Die Stadt auf einer Insel an der Südspitze der malaiischen Halbinsel wurde 1814 als Handelsstützpunkt der Britisch-Ostindischen Compagnie gegründet. Seit 1867 war sie britische Kolonie und stand vor allem mit Hongkong und Kalkutta, weiteren Eckpfeiler des britischen Weltreichs in Ostasien, in regen Handelsbeziehungen. Außerdem war Singapur wegen seines ausgedehnten Handels mit Europa und Amerika von großer Bedeutung.

Die neue Niederlassung wurde von E. Schulze geleitet, der zuvor in Shanghai, Hankow und Tientsin zahlreiche Erfahrungen im ostasiatischen Bankgeschäft gesammelt hatte. Angeboten wurde eine breite Palette von Bankdienstleistungen, darunter das Einlagengeschäft, der Wertpapierhandel, der Überweisungsverkehr und der An- und Verkauf von Münzgeld. In einem 1908 erschienenen Standardwerk zur wirtschaftlichen Entwicklung von British Malaya wurde betont, welch wichtige Rolle die Filiale der Deutsch-Asiatischen Bank neben den seit langem etablierten englischen Instituten im zukünftigen Wirtschaftsleben Singapurs einnehmen werde.

Die weltpolitische Großwetterlage stand allerdings der weiteren Entwicklung im Wege. Aus Deutschen und Briten wurde 1914 Kriegsgegner. Wie in Hongkong und Kalkutta wurde die Niederlassung der Deutsch-Asiatischen Bank in Singapur bei Kriegsbeginn geschlossen und unter behördliche Aufsicht gestellt, der sich die Liquidation anschloß. Die deutschen Angestellten wurden interniert. Die Bank kündigte ihre Büros zum 31. Dezember 1915. 1919 ging ihr Gebäude an die Hongkong and Shanghai Banking Corporation über, die es gemeinsam mit ihrem eigenen unmittelbar benachbarten Geschäftshaus abriß und durch einen Neubau ersetzte.

Eingang zur 1971 eröffneten Deutsch-Asiatischen Bank in Singapur, 138 Robinson Road
In der Zwischenkriegszeit kehrte die Deutsch-Asiatische Bank – obwohl in China weiterhin präsent – nicht nach Singapur zurück. So dauerte es bis zum 9. Oktober 1971, bis zum zweitenmal eine Niederlassung der Deutsch-Asiatischen Bank, zu deren Hauptaktionär inzwischen die Deutsche Bank geworden war, in Singapur in der 138 Robinson Road eröffnet wurde.

In den mehr als fünf Jahrzehnten, in denen die Bank nicht vor Ort vertreten war, hatte die Stadt einen gewaltigen Wandel durchlaufen. Singapur war nicht nur 1965 unabhängig geworden, man hatte zugleich verstanden, zahlreiche Auslandsinvestitionen ins Land zu holen. Auch eine Reihe deutscher Unternehmen siedelte sich im Vertrauen auf die wirtschaftliche und politische Stabilität in Singapur an. Der Aufsichtsrat der Deutsch-Asiatischen Bank hatte bereits Mitte 1969 beschlossen, die Chancen einer Filialgründung in Singapur zu erkunden. Obwohl die Behörden des Stadtstaates die Ansicht vertraten, daß der Markt bereits „overbanked“ sei, wurde schließlich eine Lizenz erteilt. Man erhoffte sich davon, weiteres deutsches Kapital anzuziehen.

Singapur
Der Kundenschalter der Europäisch-Asiatischen Bank in Singapur im Overseas-Union OUB Spopping Center, 50 Collyer Qua
Die zweite Filiale der Deutsch-Asiatischen Bank in Singapur sollte allerdings nur acht Monate bis zum 31. Mai 1972 tätig sein. Ursache dafür war die „Flurbereinigung“, die die Anfang 1972 erfolgte Gründung der Europäisch-Asiatischen Bank mit sich brachte. Um die Deutsch-Asiatische Bank vollständig in die neue Europäisch-Asiatischen Bank einbringen zu können, trat die Deutsche Bank die Niederlassung in Singapur an ihre Mitaktionärin, die Dresdner Bank, ab. Noch im gleichen Jahr eröffnete die Europäisch-Asiatische Bank eine neue Niederlassung in Singapur, die im Overseas-Union OUB Spopping Center, 50 Collyer Quay, eingerichtet wurde.

Die Europäisch-Asiatische Bank, die von einer Gruppe europäischer Partnerbanken gegründet worden war, wurde nach hohen Verlusten im Kreditgeschäft 1986/87 gänzlich in den Deutsche Bank-Konzern integriert. Die Umbenennung in Deutsche Bank (Asia) sollte den Eigentümerwechsel deutlich machen. Aber auch diese Firmierung war nicht von langer Dauer. Im Juni 1987 entschloß sich die Deutsche Bank, Überschneidungen im Asiengeschäft abzubauen. Die Deutsche Bank (Asia) und die Deutsche Bank (Asia Credit) Ltd., die seit 1978 neben der Niederlassung der Europäisch-Asiatischen Bank als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Bank in Singapur bestand und sich als Merchant Bank im ostasiatischen Raum betätigte, wurden auf die Deutsche Bank AG übertragen. Wegen seiner zentralen Lage in Südostasien wurde dabei Singapur zum Regional Head Office aufgewertet.