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| Chefsache in frühen Tagen: Eine Wasserrechnung |
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Deutsche Bank Actien-Gesellschaft
Berlin, den 2. Mai 1870
Herrn Alexander Duncker, Französische Straße Nr. 21
Die Gesellschaft der Berliner Wasserwerke hat uns anliegenden Vertragsentwurf zur Unterschrift übersandt, worin dieselbe von uns verlangt, daß wir die Zahlung für die auf Ihr Geschäftslokal entfallende Wassermiethe von jährlich 8 Thalern für Sie mit übernehmen. Nach mündlicher Mittheilung ist das deßhalb geschehen, weil die Gesellschaft grundsätzlich für jedes Haus einen neuen Vertrag schließt. Wir sind zur Uebernahme dieser Verpflichtung gerne bereit, wenn Sie sich damit einverstanden erklären, uns die für Sie verauslagten Beträge seiner Zeit zurückerstatten zu wollen und ersuchen Sie darüber um Ihre gefällige Rückäußerung unter Rückgabe des Vertragsentwurfes. Achtungsvoll Deutsche Bank Actien-Gesellschaft
W. A. Platenius G. Siemens.
[Bemerkung] den 2.5.70 geschrieben, dass gern bereit d. Jahresbeitrag von 8 Thalern für d. Wasserleitung im Geschäftslokale zu zahlen.
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Es war gerade drei Wochen her, dass die Deutsche Bank am 9. April 1870 ihre Geschäfte in den äußerst bescheidenen Räumen der Französischen Straße 21 in der Berliner Friedrichstadt aufgenommen hatte, als sich das späterhin größte Kreditinstitut des Landes bereits mitten in Vertragsverhandlungen befand. Mit nichts - im tatsächlichen Sinn des Wortes - geringerem als der Wassermiete beschäftigt sich das älteste überlieferte Dokument zur Geschäftstätigkeit der Deutschen Bank. Georg Siemens persönlich hatte sich gemeinsam mit seinem (zu dieser Zeit einzigen) Vorstandskollegen W. A. Platenius der Sache angenommen. Bei der Handvoll Mitarbeiter, über die das Unternehmen zu dieser Zeit verfügte, dürften sie vermutlich auch die einzigen Zeichnungsberechtigten gewesen sein. Die beiden Jungbanker waren gerne bereit, ihrem Vermieter die von den Berliner Wasserwerken geforderten 8 Thaler vorzulegen - zinslos anscheinend.
Das mit dem 2. Mai 1870 datierte Schreiben an den Vermieter der Deutschen Bank-"Zentrale" Herrn Alexander Duncker stellt natürlich seinem Inhalt nach ein Kuriosum dar, wirft aber auch ein bezeichnendes Licht auf die Anfänge der Bank. Bei ihrer Gründung hatte sich die Deutsche Bank keinesfalls in einen repräsentativen Neubau einquartiert, sondern die ersten "Geschäftsräume befanden sich in einer Etage eines alten, baufälligen Hauses in der Französischen Straße (Nr. 21), dessen dunkler und nahezu lebensgefährlicher Treppenaufgang nach allen Schilderungen geradezu abschreckend gewirkt haben muß", wie Siemens' Schwiegersohn Karl Helfferich berichtet. Über fließend Wasser scheint die Liegenschaft immerhin verfügt zu haben. Hausbesitzer Alexander Duncker war der Inhaber der gleichnamigen Berliner Verlagsbuchhandlung. Sein Vater Carl Duncker zählte zur Gründergeneration des renommierten Wissenschaftsverlags "Duncker & Humblot".
Die ersten Wochen der "frischgebackenen" Deutschen Bank liegen weitgehend im Dunkeln. Siemens' früher Mitstreiter Platenius hat später ganz freimütig zugegeben, wie unbeleckt von der Materie sie ihren ersten Arbeitstag begannen. Einer fragte den anderen: "Was machen wir nun? Haben Sie eigentlich Ahnung vom Bankgeschäft?" Beide verneinten und brachen dann in ein erlösendes Lachen aus. Gerechterweise muss man hinzufügen, dass sich das Führungsgespann Siemens/Platenius in den frühen Tagen der Bank auch bereits mit bedeutsameren Dingen als Wasserrechnungen auseinandergesetzt hat. Schon im zweitältesten Dokument zur Geschäftstätigkeit der Bank, das ein Tag später datiert (3. Mai 1870), sucht der Vorstand um die baldige Notierung der Deutschen Bank an der Berliner Börse nach - für ein als Aktiengesellschaft gegründetes Unternehmen gewiss kein unwichtiger Vorgang.
Die beengten Geschäftsräume in der Französischen Straße konnte die Deutsche Bank schon ein Jahr später verlassen und ein eigenes Gebäude in der Burgstraße beziehen. Das Haus Französische Straße 21 wich bald einem aufwendigen Bau der Gründerzeit. Heute dehnt sich an dessen Stelle ein Teil des Gebäudekomplexes der Galeries Lafayette aus.
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