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Weihnachtsgrüße an unseren Mann in den USA
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Berlin, W., December 24th 1898.

Edward D. Adams, Esq., New York

My dear Mr. Adams,

Christmas eve brings to my mind the heavy burden of my debt towards you which I must not allow to run higher. I have just sent a cable to my little private friend and trust you may enjoy a peaceful and merry Christmas in your household.
I have to thank you for quite a number of letters and also for several books:
‘China in transformation’ by Colquhoun, which I have perused with practical interest,
‘Mr. Dooley in Peace and War’, which is still amusing me.
Mr. Kuntz by your kind direction sent me some interesting papers about his firm and about pearls and precious stones.
I hope you will have a cable to-day from your son Ernest telling Mrs. Adams that he is in good health and spirits in some other part of the Globe. I trust his tour round the world will bring him to Berlin ere long.
[…].
You will receive in due course three porcelain plates executed at the Royal Manufactory Kopenhagen which is far ahead, I take it, of Sévres, Berlin and Meissen. These plates were made in 200 sets for defraying the costs of a Lepra hospital in Iceland and they represent the Geyser, Hekla and celebrated Iceland falls; the motto of St. George, who is the particular Saint for that terrible disease, is on the borders, as well as his arms, the three links of a chain, symbolizing friendship; whilst his sword has pierced the dragon in the foreground.
With kind regards and best wishes for a prosperous new year,
I am sincerely your friend

Arthur Gwinner

P.S. The Geysir will recall to your mind our pleasant Yellowstone Park adventures


Edward D. Adams, den das Vorstandmitglied Arthur Gwinner am Heiligen Abend 1898 mit so freundlichen Weihnachtswünschen und einem recht originellen Porzellangeschenk bedachte, war der langjährige Repräsentant der Deutschen Bank in den USA. Seit 1893 vertrat der anerkannte Finanz- und Eisenbahnexperte die Interessen der Berliner Großbank und leistete ihr bis 1914 hervorragende Dienste.
Begonnen hatte diese enge Geschäftsbeziehung mit einem Sanierungsfall: Als die Northern Pacific Railway Company, deren Anleihen die Deutsche Bank auf dem deutschen Kapitalmarkt eingeführt hatte, überraschend zusammenbrach, bildete die Bank ein Reorganisationskomitee. Edward D. Adams übernahm dessen Vorsitz und entwickelte den Plan zur Rettung des Unternehmens. Nach der geglückten Sanierung vertrat Adams mit immenser Tatkraft, akribischer Sorgfalt und enormem organisatorischen Geschick die Geschäfte der Deutschen Bank in den USA. Er kümmerte sich nicht nur um die Investitionen der Bank auf der anderen Seite des Atlantiks, sondern versorgte die Leitung in Berlin auch mit detaillierten Informationen über das amerikanische Wirtschaftsgeschehen und weit darüber hinaus, wie die übersandten Bücher über den Wandel in China und die Kolumnensammlung „Mr. Dooley in Peace and War“ zeigen, für die sich Gwinner in seinem Weihnachtsbrief ausdrücklich bedankte.
Der Vorstand der Deutschen Bank schätzte Adams als „klaren Kopf und exacten Arbeiter“ auf den er sich unbedingt verlassen konnte, wenn er auch, wie Gwinner meinte „etwas empfindlich, oder, wie die Engländer sagen, touchy, [sei] und sehr empfänglich dafür, dass man ihm auch Vertrauen schenk[e] und ihn dies merken [lasse]."
Wie der warme und herzliche Ton des eingangs wiedergegebenen Schreibens zeigt, beschränkte sich der Kontakt zwischen Adams und Gwinner nicht nur auf das rein geschäftliche. Beide verband eine echte Freundschaft, die durch Adams’ regelmäßige Besuche in Deutschland vertieft wurde. Ansonsten gingen fast täglich Briefe, Telegramme oder Paketsendungen zwischen New York und Berlin hin und her. Die Zahl der erhaltenen Schreiben geht in die Tausende. Korrespondiert wurde in Englisch, das Gwinner, der als junger Angestellter mehr als vier Jahre in der Londoner City verbracht hatte, hervorragend beherrschte.
Im Sommer 1896 war Gwinner in die USA gereist, um unterstützt von Adams Verhandlungen über Eisenbahn-Investitionen mit der New Yorker Bankierlegende John Pierpont Morgan zu führen. Bei dieser Reise informierte sich Gwinner auch grundlegend über die amerikanischen Verhältnisse. In Begleitung von Adams fuhr er von New York nach Chicago bis tief in den amerikanischen Westen. Im Bundesstaat Wyoming besuchten sie den schon damals weltberühmten Yellowstone Park, auf dessen Hauptattraktion Gwinner nicht nur im Nachtrag seines Weihnachtsbriefes hinwies, auch in seinen Lebenserinnerungen beschrieb er das eindrucksvolle Schauspiel der Geysire: „Mit den bis 100 Fuß hoch ausgeschleuderten Massen heißen Wassers dringen gewaltige Wolken schneeweißen Dampfes empor. Vor dem tiefblauen Himmel (- der Park liegt im Durchschnitt so hoch wie das Engadin -) wirken diese Dampfwolken nicht nur großartig, sondern überaus malerisch, wie es kein Bild erreichen kann.“