|
|
 |
 |
 |
 |
| Home > Hinter den Zahlen > Persönlichkeiten > Übersicht und Biographien |
 |
 |
Siemens, Georg von *
Lebensdaten: *21.10.1839 Torgau +23.10.1901 Berlin
Bank: Deutsche Bank
Mitglied des Vorstands: 1870-1900 (Sprecher 1870-1900)
Georg von Siemens war die zentrale Gründerpersönlichkeit der Deutschen Bank. Er hat ihre Geschicke über drei Jahrzehnte maßgeblich gestaltet. Der Sohn eines Juristen und preußischen Beamten hatte 1857 sein Abitur am Französischen Gymnasium in Berlin absolviert und dann Jurisprudenz in Heidelberg studiert, wo er auch - beruflich und politisch bereits arriviert - 1875 promoviert wurde. Nach Jahren als Referendar an preußischen Kreisgerichten, Militärdienst im preußisch-österreichischen Krieg und bestandenem Assessorexamen trat er 1867 in die Firma Siemens & Halske ein. Der Kontakt zu Werner von Siemens, dem Gründer des Elektrokonzerns und Vetter seines Vaters, gestaltete sich sehr eng, und so beauftragte dieser den jungen Mann, in den Jahren 1868/69 in London und Teheran für die Firma Siemens die Verhandlungen über den Bau der Indo-Europäischen Telegraphenlinie zu führen. Hier fiel Georg von Siemens durch sein großes Verhandlungsgeschick Adelbert Delbrück auf, dem Leiter des Bankhauses Delbrück Leo & Co. in Berlin. Delbrück betrieb damals zusammen mit dem nationalliberalen Politiker und Währungsexperten Ludwig Bamberger die Gründung einer Außenhandelsbank und suchte für sie einen Direktor. Delbrück schlug Siemens, obwohl bislang im Bankfach gänzlich ohne Erfahrung, für die Direktion der 1870 neugegründeten Deutschen Bank vor. Mit Hermann Wallich stand Siemens dabei ein erfahrener Bankkaufmann zur Seite. Siemens erkannte schnell, daß die Deutsche Bank ihre Ziele, den Handels- und Zahlungsverkehr mit dem Ausland zu stützen und auszubauen, nur erreichen konnte, wenn sie auf einer breiten inländischen Geschäftsgrundlage aufbaute. Diese schuf Siemens ab 1877 durch die Aufnahme des Depositengeschäfts, mit dem sich bislang nur Sparkassen systematisch befaßt hatten, und sicherte damit der Deutschen Bank einen großen Vorsprung. Ihr Beispiel wurde richtunggebend für das gesamte deutsche Bankgewerbe. Siemens unterstützte das Depositengeschäft außerdem durch seine Bemühungen um die Entwicklung des Scheckverkehrs. Auf dieser Grundlage des Inlandsgeschäfts konnte die Bank ihr ursprüngliches Programm der Außenhandelsfinanzierung durchführen und durch die schon 1873 errichtete Filiale in London sowie durch die Gründung der Deutschen Ueberseeischen Bank (1886) und Deutsch-Asiatischen Bank (1889) erweitern. Die Erfolge, welche die Deutsche Bank unter Georg Siemens' Leitung im Inlandsgeschäft erzielte, brachten es mit sich, daß schon im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts im Inland eine Reihe von Filialen entstanden (Bremen, Hamburg, Frankfurt, München) und mit anderen Banken enge Beziehungen geknüpft wurden. Beteiligungen an der Württembergischen Vereinsbank, am Schlesischen Bankverein und an der Bergisch Märkischen Bank wurden erworben. Damit entstand eine Bankengruppe, mit der Siemens auch an größere Finanzierungsaufgaben herantreten konnte. Unter diesen ragt die Mitwirkung bei der Schaffung der deutschen elektrotechnischen Industrie besonders hervor. Im Jahre 1887 übernahm die Deutsche Bank zusammen mit Delbrück Leo & Co. den größten Teil der Kapitalerhöhung der Deutschen Edison-Gesellschaft, die zugleich in Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft umbenannt wurde. Sieben Jahre gehörte er dem Aufsichtsrat der AEG an. Ebenso stellte er seine Erfahrungen den Unternehmungen der Siemens & Halske AG zur Verfügung. Gleichzeitig beteiligte sich die Deutsche Bank an einer Reihe bedeutender Elektrizitätswerke und Straßenbahnunternehmen. Auch an der Entstehung der Berliner Hoch- und Untergrundbahn hat Siemens noch entscheidend mitgearbeitet. Zusammen mit Max Steinthal wirkte er bei der Gründung der Mannesmannröhren-Werke mit. Die Verbindungen, die Georg Siemens für die junge Deutsche Bank im Inland geknüpft hatte, führten frühzeitig auch ins Ausland. Die auf sein Betreiben in Zürich gegründete Bank für elektrische Unternehmungen leitete die Interessen der deutschen Banken auf das internationale Gebiet. Den Höhepunkt erreichte Georg Siemens' Auslandstätigkeit in der Beteiligung der Deutschen Bank an der Finanzierung des nordamerikanischen Eisenbahnbaus, insbesondere der Northern Pacific Railroad Company Als das Unternehmen 1893 nach Fehlspekulationen zusammenbrach, errichtete Siemens in New York ein Reorganisationskomitee für die Besitzer der Eisenbahnbonds. Unterdessen hatte Siemens in Deutschland eine Gesellschaft zum Schutz und zur Förderung deutscher Investitionen in den USA initiiert. Das Unternehmen wurde im März 1890 als Deutsch-Amerikanische Treuhand-Gesellschaft (seit 1892 Deutsche Treuhand-Gesellschaft) gegründet. Immer weiter spannte sich der Bogen der großen Finanzgeschäfte, mit denen Siemens den internationalen Ruf der Deutschen Bank festigte: Anleihegeschäfte mit der Stadt Bukarest und dem Fürstentum Bulgarien, Mitwirkung bei der Gründung der Banca Commerciale Italiana (1894). Die von Siemens 1889 betriebene Gründung der Anatolischen Eisenbahn-Gesellschaft markiert den Beginn der Orientinteressen der Deutschen Bank, wenngleich Siemens dem Großprojekt Bagdadbahn lange mit großer Skepsis gegenüber stand. Für seine Leistungen in der Türkei wurde Siemens im Jahre 1899 der erbliche Adel verliehen. Siemens' Wirken ging dabei auch weit über seine Tätigkeit für die Deutsche Bank hinaus. Über viele Jahre engagierte er sich u.a. im Verein Deutscher Banken, im Ausschuß des Deutschen Handelstages, im Verein Berliner Kaufleute und Industrieller. Im Ausschuß des Deutschen Handelstages wirkte er am Scheckgesetz mit. Als Abgeordneter des Deutschen Reichstags, dem er über 13 Jahre zunächst für die nationalliberale, später für die freisinnige Fraktion angehörte, nahm er besonders zu Fragen der Bankenverfassung, der Münzgesetzgebung, der Börsensteuer und zur Erneuerung der Handelsverträge Stellung. Dem vaterländischen Zeitgeist frönende Töne waren Siemens fremd. In der Deutschen Bank sah er ein international wirkendes Institut, nicht nur im Hinblick auf die territoriale Ausdehnung ihrer Geschäftstätigkeit, sondern auch bezüglich einer weltläufigen Gesinnung. "Siemens war bei seinem Eintritt in die Deutsche Bank 1870 völlig fachfremd, verfügte aber über ein großes Selbstbewusstsein und, ausgerüstet mit großer Dynamik, weitausgreifende Pläne. Zudem war er gar kein Bankier im klassischen Sinne, also ein mit seinem persönlichen Kapital haftender Privatbankier, sondern ein einfacher Angestellter, ein, wie man dann sagte, Bankmanager, also ein ganz neuer Typus, und als ein solcher trug er in diese gepflegte und gediegene Welt der Privatbankiers, die die Bank im Frühjahr 1870 gegründet hatten, auch sprachlich einen ganz neuen, saloppen und zugleich aggressiven, dabei ironischen und selbstironischen Ton." (Lothar Gall) Am Ende seiner Amtszeit, dreißig Jahre später, im Jahre 1900, war die Deutsche Bank die größte in Deutschland und auf dem Sprung, die größte der Welt zu werden. Nicht nur alle Privatbanken, sondern auch die bisherige unbestrittene Nummer Eins unter den Aktienbanken, die von David Hansemann 1851 gegründete Disconto-Gesellschaft, waren ebenso überflügelt worden wie die 1870 und 1872 gegründeten Konkurrenzinstitute Commerzbank und Dresdner Bank.
|
|
|
|
|